«Wir sind keine Opposition mehr»
16.06.2026 BaselbietLiechti will konstruktiv in der Regierung mitarbeiten
Haben Sie den ganzen Nachmittag an den Sieg geglaubt, Herr Liechti?
Matthias Liechti: Wir hatten nach den ersten Resultatmeldungen schon einen kleinen Vorsprung. Der ist nie ganz weggeschmolzen. Aber er hat sich ...
Liechti will konstruktiv in der Regierung mitarbeiten
Haben Sie den ganzen Nachmittag an den Sieg geglaubt, Herr Liechti?
Matthias Liechti: Wir hatten nach den ersten Resultatmeldungen schon einen kleinen Vorsprung. Der ist nie ganz weggeschmolzen. Aber er hat sich stets verändert – manchmal ein bisschen grösser, manchmal ein bisschen kleiner. Es ist bis zum Schluss spannend geblieben, weil die grossen Gemeinden zum Teil erst spät ausgezählt waren. Man hat natürlich gehofft, dass es nicht noch das Resultat umkehrt. Aber ich durfte damit rechnen und habe darauf gehofft, dass es bis zum Schluss reicht.
Ihr Unterbaselbieter Konkurrent konnte in den grossen Gemeinden punkten, aber Sie als Oberbaselbieter haben auch in der Agglomeration durchaus gute Resultate erzielt.
Philipp Schoch hatte im Wahlkampf einen Vorsprung, und wir haben einen Moment gebraucht, um uns zu sammeln. Ich bin froh, dass wir den Rückstand aufholen konnten.
Sie hatten die Unterstützung des kompletten bürgerlichen Lagers. Das bedeutet ein noch grösseres Wählerpotenzial. Wieso konnten Sie das nicht voll abschöpfen?
Da stellt sich immer auch die Frage, wer am Ende auch wirklich an die Urne geht. Ich glaube, die aktuellen nationalen Abstimmungen haben auch eine grosse Klientel an die Urne geholt, die sonst nicht abstimmen geht. In diesen Situationen ist es immer schwierig zu beurteilen, ob jetzt mehr zusätzliche bürgerliche oder eher sozialdemokratisch geprägte Menschen wählen gehen.
Was hat den Ausschlag gegeben?
Insgesamt war es die Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien. Sei das die «Mitte», aber auch die FDP, die für uns wirklich gute Arbeit geleistet und mitgeholfen haben, dass wir als SVP brillieren konnten.
Sie sind mit dem Resultat aber zufrieden?
Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat. Logisch, es hat mir ja gereicht. Und die Wahlbeteiligung war fast 50 Prozent. Das ist ein tolles Resultat für eine Wahl.
Was wird sich jetzt mit Ihnen und der SVP in der Regierung ändern?
Das kommt sehr auf die Direktion an, für die ich am Ende arbeiten darf …
… haben Sie eine Wunschdirektion?
Bisher war logischerweise viel von der Bau- und Umweltschutzdirektion die Rede, der ich sehr gerne vorstehen würde. Aber letztlich hat jede Direktion Aspekte, die mich sehr reizen. Wichtig ist vor allem, dass mit der SVP in der Regierung die bürgerliche Mehrheit wieder gestärkt wird und besser dem entspricht, wie die Kräfteverhältnisse im Parlament verteilt sind. Und nicht zu vergessen ist, dass wir jetzt keine Oppositionspartei mehr sind, wir sind involviert in der Exekutive. Entsprechend gilt es, diese Verantwortung zu übernehmen und auch wirklich konstruktiv vorwärts zu gehen.
Aber die SVP ist immer am erfolgreichsten, wenn sie in der Opposition ist. Ist diese Konstellation wirklich Peter Rieblis Zielvorstellung?
Ich glaube sehr daran, sonst hätte er sich nicht selber so eingebracht in diesen Wahlkampf und für meine Person. Er hat mir sehr viel Rückhalt gegeben. Ich glaube nicht an das Gemunkel, wonach er am liebsten in der Oppsition verbleiben wollte. Ich habe nie etwas in dieser Art von ihm gehört.
Ist es nicht seltsam, dass die SVP mit Ihnen wieder in der Regierung Einzug hält und zugleich im Landrat eine laute Oppositionsstimme für Sie nachrückt?
Ich weiss bis heute nicht, ob Sarah Regez wirklich nachrutschen wird. Wir haben gefragt, aber noch keine Antwort erhalten. Sie hat logischerweise jetzt auch eine andere Situation, als das vor drei Jahren bei ihr der Fall war. Wenn sie reinrutscht, dann hat sie ihre Rolle genau gleich in diesem Parlament wie alle anderen 90 Mitglieder. Es gibt Lautere, es gibt Leisere. Und es ist nicht so, dass eine Stimme diesen Ratsbetrieb durcheinander bringen wird. Das glaube ich nicht. Und darum erträgt es überall, auf allen Seiten, in allen Parteien Menschen, die lauter oder leiser sind.
Interview Peter Sennhauser
