«Wir müssen füreinander da sein»
30.06.2026 ZiefenHeidi Recher engagiert sich seit Jahrzehnten für Menschen
Die kürzlich 80 Jahre alt gewordene Heidi Recher aus Ziefen hat schon viel erlebt und im Sozialen viel bewirkt. Sie bedauert, dass die Menschen immer weniger bereit sind, ehrenamtlich tätig zu werden.
...Heidi Recher engagiert sich seit Jahrzehnten für Menschen
Die kürzlich 80 Jahre alt gewordene Heidi Recher aus Ziefen hat schon viel erlebt und im Sozialen viel bewirkt. Sie bedauert, dass die Menschen immer weniger bereit sind, ehrenamtlich tätig zu werden.
André Frauchiger
Heidi Recher ist eine Frau mit wachem Geist, weshalb man ihr ihre 80 Jahre niemals geben würde. Das zeigt sich im Gespräch mit der «Volksstimme» sofort. Sie nimmt nach wie sehr aktiv am Leben in ihrer Wohngemeinde Ziefen und darüber hinaus teil. Ausgedehnte Reisen, auch ins Ausland, hätten ihren Sinn für das Wesentliche im Leben geschärft; Familie, Beruf, soziales Engagement und die Politik seien ihre Lebensschwerpunkte, sagt sie. Dabei stehe der Mensch für sie stets im Vordergrund.
Aufgewachsen ist Heidi Recher im Kleinbasel, im Bäumlihofquartier. Dies zusammen mit fünf Geschwistern: «Wir hatten ein schönes Familienleben», betont sie. Ihre Mutter habe mit Freude und Engagement als Krankenschwester in der Geriatrie gearbeitet und ihr schon als Kind und Jugendliche gezeigt, wie wichtig soziales Engagement ist. Ebenso der handwerklich begabte Vater. Dieser habe den Menschen mit seinem handfesten Können geholfen.
Heidi Recher arbeitete nach der Handelsschule während zehn Jahren als Sekretärin in der Ciba-Geigy und bei der Schweizerischen Treuhandgesellschaft, bevor sie 1965, nach einem einjährigen Sprachaufenthalt in England, Christian Recher heiratete und 1974 nach Ziefen zog.
Tür an Tür mit Ex-Mann
Die nächsten zwei Jahrzehnte war sie Hausfrau und kümmerte sich um ihre Kinder Cordula und Daniel. Die schwerstbehinderte Tochter starb im Alter von 13 Jahren. Während vier Jahren betreute Heidi Recher auch einen Pflegesohn. Heute ist sie Grossmutter zweier kleiner Mädchen, ist geschieden und lebt Tür an Tür mit ihrem Ex-Mann, wie sie mit einem Lachen erzählt. Für die Enkelkinder sei die Nähe der Grosseltern besonders praktisch.
Mit 55 Jahren stieg Heidi Recher wieder ins Berufsleben ein – als Sekretärin beim Blauen Kreuz zuerst in Liestal, dann in Basel. Die letzten acht Berufsjahre bis zu ihrer Pensionierung arbeitete sie als Sekretärin bei «Weizenkorn», einer Basler Institution mit geschützten Arbeitsplätzen für psychisch schwache Menschen.
Auch sonst war Heidi Recher im sozialen Bereich tätig. So übernahm sie vorübergehend als Sekretärin die Partnerschaftsverwaltung von rund 80 Waisenhäusern bei der Intermission in Indien. Diese Tätigkeit führte sie zweimal nach Indien, wo sie die Institutionen besuchte. Daheim wirkte sie als Vorstandsmitglied bei der Wohnbaugenossenschaft Raurach mit – «als Alibifrau», wie sie im Rückblick sagt. Später folgte ein zehnjähriges ehrenamtliches Engagement im Vorstand der Wohnbaugenossenschaft Hintermatt. Entscheidend für sie sei immer gewesen, dass es sich um eine gute Sache handelt, für die sich der ehrenamtliche Einsatz auch wirklich lohnt.
Von 1996 bis 2002 gehörte sie dem Ziefner Gemeinderat an. Die ersten vier Jahre seien happig gewesen, erklärt sie ohne Umschweife. Immer wieder sei der Gemeinderat mit seinen Vorschlägen beim Souverän auf Widerstand gestossen. Einwohner, die bei Gemeinderatswahlen den Kürzeren zogen, hätten auf diese Art der Exekutive das Leben schwer gemacht: «Ich bin zwar eine Kämpfernatur, aber die ersten vier Jahre im Gemeinderat waren wirklich schlimm.» Nach vier Jahren Amtszeit sei es dann viel besser geworden, was eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Bevölkerung ermöglicht habe.
Wohnungen für Senioren
Freude zeigt Heidi Recher am Bau von Seniorenwohnungen in Ziefen und dass es gelungen ist, das nötige Geld aufzutreiben. Seniorenwohnungen würden der Gemeinde helfen, Geld zu sparen. Denn anders als Senioren im Altersheim müsse die Gemeinde Personen in Seniorenwohnungen nicht finanziell unterstützen. «Die Seniorenwohnungen sind heute alle vermietet und eine gute Sache.» Ein solches Projekt gefalle ihr, da «beisse» sie sich auch bei Schwierigkeiten durch.
Auch im Vorstand des Alters- und Pflegeheims «Moosmatt» in Reigoldswil war die fitte Seniorin aktiv: Über mehrere Jahre las sie einmal im Monat den Betagten Geschichten und Gedichte von Baselbieter Dichtern vor. In bester Erinnerung ist ihr auch die von ihr organisierte Feier zum 100. Geburtstag der im Fünflibertal bekannten Hedi Müller. Unterstützt wurde sie dabei von Ziefner Vereinen sowie vom Künstler Ruedi Pfirter vom «Atelier 77» in Hölstein, mit dem sie auch heute noch viel Zeit verbringt.
Für die reformierte Kirchgemeinde half sie bei der Organisation von kirchlichen Seniorenferien und Kinderlagern, und sie veranstaltete Seniorennachmittage mit interessanten Vorträgen. Bei einem Referat, das sie selber hielt, ging es um die soziale Institution Weizenkorn, ihren damaligen Arbeitgeber.
Auf Reisen Horizont erweitert
Das Reisen ist Heidi Recher sehr wichtig. Denn es erweitere den eigenen Horizont, sagt sie. Sie bereiste neben Indien beispielsweise auch Israel. Mit der Knabenkantorei, wo ihr Sohn Daniel mitsang, weilte sie in Ungarn, aber auch in den Vereinigten Staaten. Sie ging ihren Sohn in Peking besuchen und reiste mit ihm bis nach Tibet. Sie besuchte gerne ihre Schwester in Paris und weilte in Brighton in England bei Verwandten. Auch für Italien hegt sie grosse Sympathie. Und mit Begeisterung erzählt Recher schliesslich von ihrer Reise mit ihrer Schwester nach Santiago de Compostela und von den alljährlichen Alpferien in der Kindheit mit ihrer Familie in einer sehr einfachen Hütte mit nur drei Zimmern.
Zweifellos: Heidi Recher ist nach wie vor eine lebenslustige Frau mit viel Power. Ihr ist auch im vorgerückten Alter noch viel zuzutrauen. Ihr grosser Wunsch ist es, dass in der Gesellschaft weniger auf Profit geachtet wird: «Es muss nicht alles Geld bringen. Denn ehrenamtliches Engagement bringt viel persönliche Befriedigung und Freude. In einer Zeit, wo Individualismus immer mehr Raum einnimmt, müssen wir füreinander da sein.»

