Winterpause? Von wegen!
12.02.2026 SportViele Dinge in unserem Land sind absolut verlässlich: Der Zug ist meist pünktlich, der Käse gut – und die sogenannte Winterpause im Fussball ist alles – ausser einer Pause. Offiziell ruht die Meisterschaft. Inoffiziell jedoch knirscht landauf, landab der Kunstrasen, ...
Viele Dinge in unserem Land sind absolut verlässlich: Der Zug ist meist pünktlich, der Käse gut – und die sogenannte Winterpause im Fussball ist alles – ausser einer Pause. Offiziell ruht die Meisterschaft. Inoffiziell jedoch knirscht landauf, landab der Kunstrasen, riechen Hallen nach Turnschuhen und vermittelt der Ball bei minus zwei Grad das Gefühl, aus Beton zu bestehen.
Nach dem letzten Spiel vor der «Pause» wird erst mal Bilanz gezogen, die Tabelle studiert, die Hinrunde «ehrlich» besprochen und festgestellt, dass man viel besser ist, als es der Punktestand vermuten liesse. «Da ist mehr drin», lautet das Fazit fast immer. Danach folgt der Plan für den Winter: Athletik, Stabilität, Intensität. Worte, die harmlos klingen, aber zuverlässig Muskelkater bis in Regionen erzeugen, von deren Existenz wir zuvor nichts wussten.
Das erste Training im Januar ist dann der wahre Realitätscheck. Raclette, Fondue und Guetzli liegen allesamt noch schwer auf, derweil die Trainerin betont, wir wollten «locker einsteigen». Locker … Ein Begriff, der spätestens der dritte Intervalllauf neu definiert. Die Kälte setzt zu, der Ball ist hart und jedes Ausatmen als Wölkchen sichtbar. Fussball fühlt sich plötzlich eher wie Wintersport an. Trainiert wird, wo halt gerade Platz ist: auf Kunstrasen, in der Halle, manchmal gefühlt auf einem Briefmarkenfeld zwischen zwei Eisflächen.
Als ich noch aktive Spielerin beim SV Sissach war, war die Winterpause ein Mythos. Jedes Jahr sprangen und hüpften wir die Treppe vor dem Clubhaus rauf und runter, bis wir zuletzt mehr krochen als liefen – ein ziemlich klares Zeichen, dass von «Pause» keine Rede sein konnte. Vor jedem Testspiel lautet die Lösung, das Resultat spiele keine Rolle. Ein Satz, der nur genau so lange gilt, bis das Team null zu eins hinten liegt.
Gleichzeitig ist der Winter die Zeit der Chancen. Neue Spielerinnen integrieren sich, die Rollen werden neu verteilt, und jede weiss: Die Rückrunde beginnt bei null. Wer jetzt überzeugt, spielt dann auch – zumindest theoretisch. Aus Erfahrung weiss jede Spielerin, dass Leistung im Training zwar wichtig ist, aber Stabilität, Erfahrung und Vertrauen ihre eigene Tabelle führen.
Und dann, irgendwann, werden die Trainings kürzer und die Testspiele zunehmend ernst, der Fokus schärft sich. Die Winterpause, zeigt sich, war keine Pause, sondern ein notwendiger Umweg, der wehgetan und zusammengeschweisst hat – und Hoffnung macht. Denn im Fussballwinter gilt: Wer hier durchhält, ist bereit für alles, was kommt.
Vera Gmür
Vera Gmür (1985) ist Präsidentin Frauenfussball beim FVNWS. Die Ormalingerin spielte früher selber im Halbprofibereich, heute engagiert sie sich für die Entwicklung des Mädchen und Frauenfussballs in der Region und spielt bei den Seniorinnen des SV Sissach.

