Wie reagieren Waldameisen auf die steigenden Temperaturen?
12.05.2026 BaselbietDer Vergleich zweier Inventare zeigt Tendenzen auf
In der Region Basel sind fünf Waldameisenarten bekannt. Nimmt deren Bestand als Folge des Klimawandels ab oder zu? Es liegen zwei ungleiche Inventare vor, eines aus den Jahren von 1978 bis 1982 und eines von 2015 bis 2016. Der ...
Der Vergleich zweier Inventare zeigt Tendenzen auf
In der Region Basel sind fünf Waldameisenarten bekannt. Nimmt deren Bestand als Folge des Klimawandels ab oder zu? Es liegen zwei ungleiche Inventare vor, eines aus den Jahren von 1978 bis 1982 und eines von 2015 bis 2016. Der Versuch eines Vergleichs.
Heinz Döbeli
Angestossen wurde das erste Inventar mit 441 registrierten Nestern vom WWF Schweiz, und die Nester erfasste hauptsächlich das Forstpersonal. Das zweite, jüngere Inventar mit 1840 Nestern war ein «citizen science»-Projekt. «Citizen science» bedeutet, dass Laien, unterstützt durch Fachpersonen aus Naturschutz und Waldwirtschaft, Nester suchten und beschrieben. Förster haben einen guten Grund, sich für Waldameisen zu interessieren: Schon seit mehr als 100 Jahren beobachteten sie, dass bei Käferbefall Bäume weniger geschädigt wurden, wenn sie in der Nähe von Waldameisennestern standen.
Was heisst das jetzt, wenn im ersten Inventar 441 und im zweiten 1840 Nester gefunden wurden? Aus diesen beiden Zahlen kann nicht gefolgert werden, dass sich die Waldameisen innerhalb von 40 Jahren fast vervierfacht haben, weil die beiden Inventare unterschiedlich erhoben wurden.
Für das erste Inventar meldeten Förster Nestfunde, die sie in ihrem Wirkungskreis, dem Wald, fanden. Im zweiten Inventar durchkämmten mehr als 50 Freiwillige systematisch nicht nur Wälder, sondern auch das Siedlungsgebiet. Eine der fünf Waldameisenarten, die Wiesenwaldameise, kommt hauptsächlich an Waldrändern und im Offenland vor, was dazu führt, dass diese Art im ersten Inventar als selten ausgewiesen wird, im zweiten hingegen als häufig.
1994 kam das Laufental zu Baselland. Im zweiten Inventar wurde somit ein grösseres Gebiet abgesucht. Das führt zu einer weiteren Verzerrung. Auch bezüglich Artenzahl gab es Veränderungen. Das ältere Inventar weist vier, das neuere fünf Arten aus. Der Grund ist, dass man 1996 erkannte, dass hinter dem Namen «Gebirgswaldameise» zwei Arten stehen, Formica lugubris und Formica paralugubris. Sie sind nur mit Genanalyse unterscheidbar. Beide kommen in der Regel höher als 700 Meter über Meer vor, weshalb sie ein Opfer des Klimawandels werden könnten, ähnlich wie die Fichten.
Inventare vergleichbar machen
Streicht man alle Nester des Laufentals von der Liste, vergleicht man die gleichen Flächen. Streicht man sodann alle Nester der Wiesenwaldameisen, vergleicht man Waldameisen, die im gleichen Ökosystem leben, nämlich im Wald. Werden die beiden Gebirgswaldameisen Formica lugubris und Formica paralugubris als eine Art zusammengefasst, verliert man zwar Information, aber der Datensatz wird dadurch einheitlich. Die beiden Inventare schrumpfen so auf 369 beziehungsweise 1172 Nester. Rechnet man diese Zahlen in Prozente um, ergeben sich zwei vergleichbare Datensätze.
In unserer Grafik sind diese Zahlen als farbige Balken dargestellt. Was sofort auffällt, ist der Schwund der Gebirgswaldameisen im jüngeren Inventar. Die Kahlrückige Waldameise hingegen nahm zu. Die Ursache dieser Verschiebung könnte die Klimaerwärmung sein.
Beide Inventare beschränken sich auf hügelbauende Waldameisen. In der Schweiz gibt es aber etwa 140 Ameisenarten, viele kommen auch in unseren Gärten vor. Wie die Waldameisen im Wald sind etliche dieser «Gartenameisen» in unseren Gärten nützlich. Auch in Gärten könnte sich die Artenzusammensetzung wegen der Klimaänderung verschieben, mit noch nicht absehbaren Folgen.
Das Inventar von 1978 bis 1982 ist von Daniel Schmutz laienverständlich zusammengefasst worden (www.ameisenzeit.ch). Sponsoren waren der WWF Schweiz und das Amt für Wald beider Basel. Das Inventar von 2015 bis 2016 lag als Zwischenresultat Ende 2016 vor. Sponsoren dieses Inventars waren der Natur- und Vogelschutzverein BL, der Waldwirtschaftsverband beider Basel und das Amt für Wald beider Basel.


