Wertschätzung auf besondere Art
17.02.2026 RothenfluhUnterwegs mit dem Hutzgüri
Eine grosse Schar Dorfbewohner wollte sich am Freitagabend das Spektakel nicht entgehen lassen, als das Hutzgüri auserwählte «Wyybervölcher und Bürschtli» be- respektive heimsuchte. Mit Spannung warteten Gross und Klein auf die ...
Unterwegs mit dem Hutzgüri
Eine grosse Schar Dorfbewohner wollte sich am Freitagabend das Spektakel nicht entgehen lassen, als das Hutzgüri auserwählte «Wyybervölcher und Bürschtli» be- respektive heimsuchte. Mit Spannung warteten Gross und Klein auf die wilden Gesellen.
Kläfflitalerin
«Öbben um die siibeni falle mir vom Weschte häär ins Dorf yy und marschiere schnuerstraks ufe Dorfplatz zue.» Mit diesen Worten hatte das Hutzgüri zusammen mit dem Schärmuuser, dem Bott und den beiden Äierwyybli seine Ankunft angekündigt. Angenehmerweise herrschten fast frühlingshafte Temperaturen, denn «öbben um die siibeni» und «schnuerstraks» darf man nicht zu wörtlich nehmen. Und ja, warten steigert bekanntlich die Spannung.
Gespannt gewartet hatte auch Thomas Leisibach, gleich neben dem Dorfplatz, auf die Aufwartung durch das Hutzgüri. Der Metzger im «Leisi-Ränkli» freute sich sichtlich über die Wertschätzung und hatte sich gut vorbereitet. Ein erstes Bier und «Gröikts» standen bereit. Als Nächstes zog die «Prozession» weiter zur Velostube. Auf Aicha Remischbergers Gesicht schien bei der Ankunft ein leiser Hauch von Angst zu liegen. Doch das Hutzgüri mit Gefolge war ob der bereitgestellten Speisen und Getränke sehr wohlwollend gestimmt.
Von da war es ein Katzensprung bis zur nächsten Anlaufstelle. «Vor 30 Joor häi d Marianne Röhm und der Fritz jo nit eso Freud gha am Güri und sym Gefolge. Mir hoffe, as mir das Mool käi Schimpfis überchöme», so die Hoffnung. Nein, es gab «käi Schimpfis», denn es war niemand da. Das Hutzgüri liess sich jedoch von den bereitgestellten «Fressalien» besänftigen und zog ohne «Dachabdecken» weiter. Etwas weiter oben am Hang, bei Heiri Bracher, «äin vo de öltischte Rotheflüeher», war die Freude über den Besuch gross und es wurde sich rege ausgetauscht über alte Zeiten.
Mutiger Mann
Gut gestärkt und mit grosser Spannung ging es jetzt zum Haus von Cleto Cudini, dem neuen Gemeindepräsidenten. In der Ankündigung vom Hutzgüri stand: «Er isch nit z verwächsle mitem Zauberer Houdini, obwohl die politischi Laag in Rotheflueh mängisch au ere Zauberei glyycht. Do wärde Gmäinröt aane- und wider ewägg zauberet, bevor me rächt cha luege.» Er scheint auf jeden Fall ein mutiger Mann zu sein, der neue Gemeindepräsident, denn er war nicht daheim. Das Hutzgüri nahm es mehr oder weniger gelassen hin, aber ein «Nachspiel» wird das, wie vermutet werden darf, noch haben.
Auch an der nächsten Adresse, bei Roland Rieder, klebte nur ein Zettel an der Türe mit einer Entschuldigung für die Abwesenheit: Pflicht sei Pflicht und er sei im Einsatz als Matchchef an der Delegiertenversammlung des Bezirksschützenverbands Sissach in Rickenbach. «Do chunnt jo käi Sou druus», meinte das Hutzgüri und überlegte lautstark, ob sie aus lauter Frust nicht einen Pfosten umhauen sollten – wobei mit «Pfosten» eine gewisse 5G-Antenne gemeint war. Mangels geeigneten Werkzeugs kam jedoch nichts zu Schaden.
Die Ehre der Abwesenden musste jetzt Bernd Huber retten, der nächste Adressat auf der Route. Und das tat der kürzlich Eingebürgerte auf eindrückliche Art und Weise. Auf diversen aufgestellten Tischen standen Fleisch- und Käseplatten bereit, sehr zur Freude der vielen mitlaufenden Kinder und Jugendlichen, die schon «fast am Verhungern» waren. Eine grosse Auswahl an Getränken wurde ebenfalls offeriert und darüber hinaus schmückten mehrere Schweizerfahnen das Haus. Das Hutzgüri und sein Gefolge waren hocherfreut und machten sich zufrieden über das Dargebotene her. Schon bald hiess es hier und dort, dass dieser Mann einen sehr guten Gemeindepräsidenten abgeben würde.
Der Empfang und die Verköstigung waren dermassen gut, dass man sich kaum noch von dort wegbewegen wollte. Corinne Wyss und Patrick Vögtlin, Nummer acht und neun auf der Liste, mussten sich auf jeden Fall noch ein Weilchen in Geduld üben.


