«Wer mehr tut, hat mehr Erfolg»
08.04.2025 BaselbietNur die Noten sollen beim Sek-Übertritt zählen
Geht es um den Übertritt in die Sekundarschule, üben Eltern immer mehr Druck auf die Lehrpersonen aus, sagt SVP-Landrätin Anita Biedert. Um dies zu verhindern, sollen gemäss der Muttenzer Bildungspolitikerin die ...
Nur die Noten sollen beim Sek-Übertritt zählen
Geht es um den Übertritt in die Sekundarschule, üben Eltern immer mehr Druck auf die Lehrpersonen aus, sagt SVP-Landrätin Anita Biedert. Um dies zu verhindern, sollen gemäss der Muttenzer Bildungspolitikerin die Noten massgebend sein – und nicht die Beurteilung der Lehrpersonen.
Nikolaos Schär
Wenn sich Eltern und Lehrpersonen beim Übertritt in die Sekundarschule nicht einig sind, in welchen Leistungszug die Schülerin oder der Schüler eingeteilt werden soll, kann dies zu Konflikten führen. Denn anders als zum Beispiel im Kanton Basel-Stadt, wo die Zeugnisnoten darüber entscheiden, ob die Primarschüler in das Niveau A, E oder P eingestuft werden, entscheiden im Kanton Baselland die Klassenlehrpersonen zusätzlich mit einer Gesamtbeurteilung der überfachlichen Kompetenzen ihrer Schülerinnen und Schüler, wohin deren Bildungsweg sie führt.
Für SVP-Landrätin Anita Biedert aus Muttenz ist das eine unbefriedigende Situation: Mit einer Motion, die am Donnerstag im Landrat traktandiert ist, will sie erreichen, dass die Promotion künftig aufgrund der Zeugnisnoten und einer Übertrittsprüfung entschieden wird. «Entscheidend sollen einzig die fachlichen Leistungen sein», sagt Biedert. Es ergebe keinen Sinn, dass die Primarschule bei der Einteilung in die drei Leistungsniveaus andere Aspekte berücksichtige, die für den Erfolg an der Sekundarschule nicht relevant seien.
Es ist nicht der erste Vorstoss von Biedert zu diesem Thema. Bereits 2023 kritisierte sie das Übertrittssystem. Die Bildungspolitikerin ist Mitglied des Vereins «Starke Schule beider Basel», der sich kritisch zu Bildungsthemen äussert.
Lehrer sind unter Druck
Für Biedert geht es dabei nicht nur um den Leistungsgedanken nach dem Motto «Wer mehr tut, hat mehr Erfolg», sondern auch um eine Entlastung der Primarschullehrer. Diese würden bei Übertrittsgesprächen von den Eltern vermehrt unter Druck gesetzt, um ihre Schützlinge in einen Leistungszug über deren Fähigkeiten einzuteilen.
Philipp Loretz, Präsident des Lehrerinnen- und Lehrervereins Baselland (LVB), teilt diesen Eindruck: «Das deckt sich mit den Rückmeldungen, die wir von unseren Mitgliedern erhalten: Eine wachsende Zahl der Erziehungsberechtigten trete demnach fordernd gegenüber den Lehrern auf», so Loretz.
Der LVB plädiert – ergänzend zu den Zeugnisnoten – für eine Übertrittsprüfung, die von Lehrpersonen der Primar- und Sekundarstufe gemeinsam erarbeitet werden soll. Die Motion Biedert lässt die Gewichtung von Erfahrungsnoten und Übertrittsprüfung für die Promotion offen.
Der Regierungsrat lehnt die Motion ab. In seiner schriftlichen Begründung verweist er auf die kürzlich revidierte Laufbahnverordnung, die seit August 2024 in Kraft ist: Wenn die Einstufung der Klassenlehrperson nicht mit den Noten übereinstimme, müsse diese – schriftlich begründet – der Schulleitung vorgelegt werden, die den Entscheid zur Überarbeitung an die Lehrperson zurückweisen könne. Biedert begrüsst diese Massnahme. Für Loretz ist sie dagegen ein schwaches Argument, da der Nutzen sehr stark von den einzelnen Schulleitungen abhänge.
Die Entscheidung der Klassenlehrperson ist nicht anfechtbar. Die Erziehungsberechtigten können ihre Kinder aber zu einer Übertrittsprüfung anmelden. Nur: Die wenigsten schaffen es auf diesem Weg in das nächsthöhere Niveau. Für Biedert ist die Prüfung zu schwierig. Und auch Loretz, selbst Sekundarlehrer, sagt: «Die Schüler, die über die Prüfung zu mir gekommen sind, gehörten zu den leistungsstärksten.»
Der Kanton ist der Ansicht, dass die Einteilung in den allermeisten Fällen nicht zu Beschwerden führe, eine rein arithmetische Beurteilung pädagogisch nicht sinnvoll sei und das reine Lernen für eine Prüfung die ganzheitliche Bildung in den Hintergrund dränge.
Der Bildungsbericht des Kantons Baselland liess den LVB aufhorchen: 78 Prozent der Schüler werden in die Leistungsniveaus E und P eingeteilt, was im Vergleich zu 65 Prozent in Basel-Stadt, eine hohe Quote ist. Diese Zahlen bestätigen laut LVB die vermutete Tendenz, dass die Schülerinnen und Schüler zu hoch eingestuft werden, was gemäss Loretz für keinen der drei Leistungszüge gut ist: «Konsequenterweise müsste man nach der Verschärfung der Übertrittsbedingungen für die Sekundarstufe 2 auch jene für die Sek 1 anpassen.»

