«Wenn ich das kann, kannst du das auch»
10.04.2026 PersönlichNoah Buess will vom 17. bis 19. April 150 Kilometer durch das Baselbiet laufen. Der Wenslinger macht das nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern um hilfsbedürftige Kinder weltweit zu unterstützen und andere zu inspirieren.
Pascal Kamber
Herr ...
Noah Buess will vom 17. bis 19. April 150 Kilometer durch das Baselbiet laufen. Der Wenslinger macht das nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern um hilfsbedürftige Kinder weltweit zu unterstützen und andere zu inspirieren.
Pascal Kamber
Herr Buess, wie ist die Idee entstanden, in nur drei Tagen 150 Kilometer zu laufen und damit Geld für Kinder in Not zu sammeln?
Noah Buess: Ich wollte schon immer einmal etwas in dieser Art machen. Ich wusste aber nie, wie ich das anstellen soll. Eines Tages, als ich mit dem Auto von der Arbeit nach Hause fuhr, hörte ich keine Musik – und dann war der konkrete Gedanke da. Für mich war schnell klar, dass ich nicht alles am Stück laufen möchte, sondern auf mehrere Tage verteilt. Ebenso klar war mir: Wenn ich das mache, dann verbinde ich es mit einem Spendenlauf.
Warum liegen Ihnen hilfsbedürftige Kinder besonders am Herzen?
Ich habe schon vor langer Zeit eine Patenschaft für zwei Kinder in Afrika und Thailand übernommen. Mir ist es wichtig, dass ich sie unterstütze und etwas zu ihrem Leben beitrage. Dieses Thema sollte eigentlich für alle wichtig sein.
as wollen Sie mit Ihrem Spendenlauf bei den Menschen auslösen?
Ich mag es, etwas zu machen, das nicht einfach ist. Mit meinem Spendenlauf will ich die Menschen motivieren, wieder häufiger rauszugehen und Dinge zu tun, die sie mental fordern. Dabei sollen sie erkennen, was alles möglich ist. Wenn sie dann sagen: «Wenn der das kann, kann ich das auch», habe ich schon viel erreicht. Und wenn sie dabei noch Gutes tun, ist das umso besser.
ieso findet Ihr Spendenlauf ausgerechnet im Baselbiet statt?
Weil der Aufwand ziemlich gross ist, eine solche Tour zu planen, habe ich über verschiedene Apps nach geeigneten Vorschlägen in der Umgebung gesucht. Zuerst fand ich eine im Schwarzwald und später eine in den Bergen, die mit rund 9000 Höhenmetern aber zu heftig ist. Schliesslich wurde ich im Baselbiet fündig, mit Start und Ziel in Binningen wenige Meter neben meinem Zuhause. Das passt perfekt.
Wie laufen die Vorbereitungen aus organisatorischer Sicht ab?
Relativ unkompliziert. Zwei gute Freunde begleiten mich. Für uns habe ich zwei Orte herausgesucht, wo wir übernachten können. Ob wir ein Zelt und Matten mittragen oder das vorgängig an diesen Orten zusammen mit der Verpflegung deponieren, werden wir spontan wenige Tage vor dem Lauf entscheiden.
Wo führt die Strecke durch?
Wir starten in Binningen und laufen danach über Grellingen und Mümliswil nach Balsthal. Am zweiten Tag geht es weiter via Egerkingen bis zum Hauenstein. Am letzten Tag geht es via Läufelfingen, Diegten, Hölstein und später über den Gempen zurück nach Binningen.
Welcher Tag wird am anstrengendsten?
Vor allem der zweite Tag dürfte mental schwierig werden. Dann tut bereits alles weh und wir müssen trotzdem rund 4000 Höhenmeter bewältigen. Wir werden jeweils zehn bis zwölf Stunden pro Tag unterwegs sein, aber wir haben genug Zeit. Es ist kein Wettlauf.
Wie bereiten Sie Ihren Körper auf diese Belastung vor?
Zu Beginn habe ich mich mehr auf das Beintraining fokussiert. Für den Aufbau nutzte ich den Kraftraum des Turnvereins in Wenslingen. Anschliessend arbeitete ich vermehrt an der Ausdauer und ging joggen.
Welche Herausforderung ist grösser: die körperliche oder die mentale?
Definitiv die mentale. Diesen Aspekt unterschätzt man schnell. Wenn du im «Flow» bist, ist alles super. Wenn du aber zum Beispiel Blasen an den Füssen hast, weisst du nie genau, wie sich die Situation weiter entwickelt. Plötzlich fragst du dich, ob du das überhaupt noch durchziehen willst. Aus diesem Grund habe ich im Training immer versucht, meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Zudem hilft es sicher, dass ich nicht alleine unterwegs bin und wir uns gegenseitig unterstützen können.
Welche weiteren Tricks haben Sie, wenn es schwierig werden sollte?
Musik hören, aber nicht von Beginn weg. Es kann Energie geben, wenn du Lieder hörst, die du mit schönen Momenten verbindest. Oder ich gönne mir eine besondere Zwischenverpflegung.
Vor vier Jahren sind Sie zu Fuss mit einem Schulfreund von Norwegen nach Portugal gewandert.
Wieso reizen Sie solche Abenteuer?
Ich brauche eine Herausforderung, sonst wird mir schnell langweilig. Es ist ein innerer Trieb, etwas zu machen. Meistens beginnt es mit einer groben Idee, die dann konkreter wird. Sobald ich mir ein Ziel gesetzt habe, will ich es auch erreichen. Ich spüre den Druck, weil die Leute das von mir erwarten.
Welche Erfahrungen aus dieser Reise helfen Ihnen heute bei solchen Projekten?
Man darf das nicht unterschätzen. Und man muss locker bleiben. Wegen der Kälte gab es in Norwegen nicht nur lustige Momente. Da kommt man automatisch in einen Überlebensmodus – und das mag ich. Ich denke gerne rational. Heute weiss ich, dass ich beim ersten Rückschlag nicht gleich aufgeben muss, weil ich schon viel Schlimmeres erlebt habe.
Was passiert mit dem Geld, das Sie beim Spendenlauf sammeln?
Ich arbeite mit «Compassion» zusammen. Das ist ein christliches Hilfswerk, das Kinder und Familien in extremer Armut mit Bildung, Nahrung und medizinischer Versorgung unterstützt, damit sie langfristig wieder selbstständig werden können. Bei meinem Spendenlauf kann man ein Patenkind oder eine Mutter und ihr Baby unterstützen oder einen Beitrag für die Verteilung von Lebensmittelvorräten spenden. Letztere kommen besonders armen Familien in Ländern des globalen Südens zugute, zum Beispiel in Äthiopien oder Malawi.
Haben Sie sich ein konkretes Spendenziel gesetzt?
Nein. Mir ist es wichtig, dass sich die Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen. Wenn dabei nur schon eine Mutter und ihr Kind unterstützt werden, war es mir das wert.
Zur Person
kam. Noah Buess (24) ist in Wenslingen aufgewachsen, lebt in Binningen und arbeitet als Gleismonteur. Er ist aktives Mitglied des Turnvereins Wenslingen und vor allem eines: abenteuerlustig. Von Februar bis Dezember 2022 reiste Noah Buess mit einem Schulfreund zu Fuss von Norwegen nach Portugal.
Link zum Spendenlauf auf together.compassion.ch

