Wenn bereits der Boden kocht
25.08.2026 Bezirk LiestalHitze und Trockenheit schmälern die Kartoffelernte im Baselbiet
Die grosse Hitze setzt den Baselbieter Kartoffeln stark zu. Die Produzenten rechnen mit kleineren Knollen und teils deutlichen Ernteausfällen – und suchen nach Wegen, ihren Anbau an die Wetterextreme ...
Hitze und Trockenheit schmälern die Kartoffelernte im Baselbiet
Die grosse Hitze setzt den Baselbieter Kartoffeln stark zu. Die Produzenten rechnen mit kleineren Knollen und teils deutlichen Ernteausfällen – und suchen nach Wegen, ihren Anbau an die Wetterextreme anzupassen.
Elmar Gächter
62 Grad zeigt das Thermometer. Gemessen hat Dieter Weber an einem der vergangenen heissen Tage, um elf Uhr vormittags, auf einem unbedeckten Teil seines Kartoffelackers an der Kantonsstrasse zwischen Bad Bubendorf und Altmarkt. «Der Boden beginnt bei solchen Temperaturen zu kochen und wird so heiss, dass das Wachstum der Kartoffeln praktisch eingestellt ist», so der Biobauer vom Hofgut Obere Wanne in Liestal.
Ganz anders auf den bedeckten Flächen, wo die Temperatur unter der Mulchschicht «nur» 32 Grad anzeigt. Dieter Weber setzt seit mehreren Jahren auf das Mulchen. Im Herbst hat er eine winterharte Gründüngung angesät, sie im Frühling gemäht und als Mulchmaterial auf die Kartoffeldämme gestreut und zusätzlich eine vielfältige Beisaat angepflanzt. «Dank Mulch und wöchentlichem Bewässern gehen wir von einer gegenüber dem letztjährigen Superjahr zwar kleineren, jedoch qualitativ guten Ernte aus.» Er kultiviert auf rund 70 Aren grösstenteils alte Kartoffelsorten wie rote Lötschentaler, die Baselbieter «Müsli», russische Schwarze oder Ackersegen. Auch wenn sie dank Mulch von tieferen Temperaturen im Damm profitieren konnten, sind die meisten Knollen etwas kleiner als in «normalen» Jahren.
Der Kartoffelkäfer als einer von zwei potenziellen Schädlingen sei nicht stärker aufgetreten als sonst, betont Weber. Da chemisch-synthetische Insektizide auf seinem Biobetrieb nicht erlaubt sind, bekämpft er ihn mit einem Bakterienpräparat; der Drahtwurm andererseits sei bisher kein Problem. Ende August steht jetzt die Ernte an. «Wir kalibrieren die Kartoffeln nicht, sondern verkaufen sie so, wie sie aus dem Boden kommen», sagt der Biobauer. Er vermarktet sie alle selbst und ist überzeugt, dass seine Kundschaft bereit ist, wegen des schwierigen Anbaujahres und des geringeren Ernteertrags etwas mehr zu bezahlen. Die Kartoffeln zählen neben Kürbissen, Setzlingen und Blumen zu den wichtigen Zweigen des Betriebs. «Die Kartoffeln sind unsere Visitenkarte, denn an ihnen können wir die Vielfalt der ‹Oberen Wanne› demonstrieren», ist Weber überzeugt.
Unterschiedliche Qualität
Er ist sich bewusst, dass Mulchen, so wie er es praktiziert, auf grösseren Flächen schwieriger umzusetzen ist. Er muss auf seinem Hof kein Futter produzieren und kann es als Mulchmaterial nutzen. So sieht es auch sein Nachbar Werner Weber vom Neuhof, der mit Dieter Weber nicht verwandt ist. «Wer wie wir professionell Kartoffeln anbaut, kann nicht einen grossen Teil der Flächen für das Mulchmaterial verwenden. Wir brauchen den Boden, um Nahrungsmittel zu produzieren.»
Werner Weber und seine Tochter Chantal führen den Neuhof seit 2024 gemeinsam als Generationengemeinschaft. Sie zählen mit ihren rund fünf Hektaren zu den grösseren Kartoffelproduzenten des Baselbiets. Dort, wo bewässert werden konnte, beträgt der Ernteausfall je nach Sorte zwischen 20 und 40 Prozent, wo eine Bewässerung nicht möglich war, liegt er sogar bei rund 80 Prozent.
Die Hitze habe den Kartoffeln sehr zugesetzt, sie seien kleiner und der Kiloertrag geringer. Zudem seien sie früher erntereif, da das Kraut schneller altere. Die Qualität zeige sich sortenabhängig unterschiedlich; teilweise hätten die Knollen Löcher vom Drahtwurm, wodurch sie nicht mehr verkaufsfähig seien. Vor allem die Hauptsorte Erika habe unter der Hitze gelitten und bleibe kleiner als gewöhnlich.
Auch der Neuhof vermarktet die Kartoffeln selbst. «Wie es mit dem Preisen steht, sehen wir erst nach der Ernte. Sie werden auf jeden Fall höher sein als im vergangenen Jahr», sagen Webers. Dank dem guten Erntejahr 2025 konnten sie nahtlos von der alten Ernte zur neuen übergehen. Seit Anfang Juni sind die Frühkartoffeln im Hofladen. Sie rechnen mit einer Verknappung ihres Angebotes.
Sowohl Dieter Weber als auch die Generationengemeinschaft Neuhof machen sich angesichts der laufend zunehmenden Wetterextreme Gedanken, wie sie ihre Kartoffelproduktion zukunftsfähig gestalten. Für Biobauer Dieter Weber ist klar: Er bleibt beim Mulchen und vielfältiger Beisaat, deren Zusammensetzung er noch optimieren will. Werner Weber und Tochter Chantal prüfen, ob sie künftig noch so viele Kartoffeln und Zwiebeln anbauen sollen.

