Weg vom Spitalbett
16.04.2026 RegionBeide Basel prüfen Ausbau der ambulanten Versorgung
Das Kantonsspital Baselland hat seine finanzielle Lage deutlich verbessert, sieht sich aber weiterhin unter Spardruck. Rund die Hälfte des laufenden Effizienzprogramms ist umgesetzt. Der Ausbau der ambulanten Versorgung soll ...
Beide Basel prüfen Ausbau der ambulanten Versorgung
Das Kantonsspital Baselland hat seine finanzielle Lage deutlich verbessert, sieht sich aber weiterhin unter Spardruck. Rund die Hälfte des laufenden Effizienzprogramms ist umgesetzt. Der Ausbau der ambulanten Versorgung soll die Kosten weiter dämpfen.
André Frauchiger
In die Spitallandschaft beider Basel kommt Bewegung: Gleichentags wie die Medienkonferenz zum Geschäftsbericht des Kantonsspitals Baselland (KSBL) haben die Gesundheitsdirektoren beider Basel, Thomi Jourdan (EVP) und Lukas Engelberger («Mitte»), gestern in einer Medienmitteilung bekanntgegeben, dass geprüft werden soll, «ob die Optik der ‹Gemeinsamen Gesundheitsregion› verstärkt von der stationären auf die ambulante Versorgung ausgeweitet werden kann». Ergebnisse zu den Abklärungen werden bereits für den kommenden Herbst erwartet.
Die Überprüfung umfasst neben der vollen Patientenfreizügigkeit auch «griffigere Instrumente zur Mengensteuerung in der stationären Versorgung». Es geht darum, die Vertiefung der Zusammenarbeit im ambulanten Bereich zu prüfen. Abschliessend halten die beiden Gesundheitsdirektoren fest, die gleichlautenden Spitallisten im Versorgungsbereich Akutsomatik gälten weiterhin bis zum Erlass neuer Spitallisten.
Barbara Staehelin, Verwaltungsratspräsidentin des KSBL, und CEO Lukas Rist unterstrichen an der Medienkonferenz, die Strategie mit der Aufwertung der ambulanten Versorgung entspreche auch den Absichten der Spitalleitung. Die Aus- und Weiterbildung von Hausärzten müsse im Interesse einer funktionierenden und kostensparenden Versorgung gefördert werden. Eine Entlastung des teuren stationären Spitalbereichs durch Hausärzte und externe Ambulatorien sei im Sinne einer finanziell ausgewogenen und sozial ausgerichteten Gesamtversorgung.
Staehelin und Rist zeigten sich erfreut über den regierungsrätlichen Entscheid für einen Verbleib der beiden Häuser des KSBL in Liestal und auf dem Bruderholz. Sie sind zuversichtlich, dass der Landrat, wenn möglich noch vor den Sommerferien, dem Entscheid zustimmen wird. Die geprüfte Neubauvariante eines Spitals in Pratteln würde rund 300 Millionen Franken mehr kosten und darüber hinaus eine Verzögerung um 15 Jahre mit sich bringen.
Nach Aussagen der Verantwortlichen des KSBL braucht es zwei grosse Spitäler im Kanton. «Liestal» und «Bruderholz» verzeichneten im stationären Bereich im vergangenen Jahr je rund 12 000 Patientinnen und Patienten. Bekanntlich ist in Liestal ein Behandlungstrakt-Neubau auf dem Areal des heutigen Aussenparkplatzes vorgesehen, auf dem Bruderholz ein mehrgeschossiger Neubau. Die Planungen entsprächen den Bedürfnissen der Bevölkerung, erklärte Staehelin.
Finanzen bessern sich
«Im Jahr 2023 bestand für das Kantonsspital Baselland eine finanziell schwierige Situation, jetzt ist diese deutlich besser», betonte die Verwaltungsratspräsidentin in ihrer Einleitung zur Erläuterung des Jahresabschlusses 2025. Der Betriebsertrag belief sich im vergangenen Jahr auf 481 Millionen Franken, der Aufwand auf 478 Millionen Franken. Die Personalkosten machten mit 316 Millionen Franken den grössten Anteil aus.
Die sehr bescheidenen Abschreibungen (21 Millionen Franken) seien von kurzer Dauer und nur wegen der relativ alten Bausubstanz der beiden Kantonsspitäler möglich, erklärte Staehelin. Sie würden in den nächsten Jahren mit der Realisierung der Neubauvorhaben zweifellos massiv zunehmen. Die Wirtschaftlichkeit (Ebitda) des Kantonsspitals Baselland konnte von 2024 auf 2025 markant um 80 Prozent auf 25,7 Millionen Franken (5,3 Prozent Ebitda-Marge) verbessert werden. Die Zielmarge für selbsttragende Investitionen belaufe sich jedoch auf 10 Prozent, was 48 Millionen Franken entspricht. Deshalb seien weitere betriebliche Effizienzsteigerungen notwendig.
Insbesondere im Beschaffungswesen hätten im vergangenen Jahr dank höherer Effizienz Kosteneinsparungen erzielt werden können, erklärte CEO Rist. Der finanzielle Druck werde in den nächsten Jahren kaum kleiner. Die Haupteinnahmen werden nach wie vor im stationären Bereich erzielt. Im ambulanten Bereich besteht weiter das Problem, dass die Tarife nicht kostendeckend sind. Ohne Tariferhöhungen werde es für die ambulante Pflege schwierig, sich in den nächsten Jahren zu behaupten. Die Tarife müssten kostendeckend angesetzt werden. Der ambulanten Pflege gehöre die Zukunft, so auch Finanzchef Mathias Rechsteiner.
Die Hälfte ist geschafft
2025 wurden rund 270 000 ambulante Fälle (+0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr) verzeichnet – gegenüber rund 24 000 stationären (+3,7 Prozent). Gemäss Jahresergebnis hat das Kantonsspital rund 50 Prozent des Ergebnisverbesserungsprogramms von 40 Millionen erreicht – «50 Prozent stehen noch vor uns».
Wichtig ist, die teuren Notfallbereiche und Intensivstationen stets aufnahmebereit zu halten und dennoch im stationären Bereich Leerstände möglichst zu vermeiden. Dies sei eine tägliche Herausforderung, erklärte CEO Rist. Mit ambulanten Angeboten könnten die Notfallstationen jedoch wirkungsvoll entlastet werden. Das Kantonsspital ist einer der grössten Arbeitgeber im Kanton und beschäftigt rund 3500 Mitarbeitende; die Fluktuation lag 2025 bei moderaten 11,7 Prozent.
Die Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken in Basel funktioniere im Alltag sehr gut, erklärten die Verantwortlichen. Die Ausbildung von medizinischem Personal mit hochqualifizierten Lehrkräften sei kostspielig, aber notwendig. Staehelin bilanzierte zum Schluss: «Wir müssen trotz aller finanziellen Hürden Sorge tragen zu unserem sozialen Spitalsystem, in dem allen Menschen geholfen wird.»

