Waschbär
22.09.2026 BRIEFEKaum nützlich und eher schädlich, aber «putzig»
Schon der Titel «Erfolgreichstes gebietsfremdes Säugetier» erweckt den Eindruck, wir hätten es wieder einmal mit einer Bereicherung unserer Wildtierarten zu tun. Dabei kämpfen ...
Kaum nützlich und eher schädlich, aber «putzig»
Schon der Titel «Erfolgreichstes gebietsfremdes Säugetier» erweckt den Eindruck, wir hätten es wieder einmal mit einer Bereicherung unserer Wildtierarten zu tun. Dabei kämpfen verschiedene Organisationen seit Jahrzehnten für die Verbesserung der Lebensräume einheimischer Tierarten, mit mehr oder weniger Erfolg. Der Waschbär ist unbestritten ein «putziges» und intelligentes Wildtier, das in Farmen gehalten wurde und nicht ausgebrochen ist, sondern nach der Aufgabe der Pelzindustrie ausgesetzt wurde.
Dass die Population stark zugenommen hat, verdanken wir dem Umstand, dass diese Raubtiere kaum natürlichen Feinden ausgesetzt sind. Die Behauptung, der Waschbär habe keinen Einfluss auf die Biodiversität, ist falsch, für mich geradezu unverantwortlich. Gerade der Waschbär nimmt, wie jedes Tier, einen Lebensraum ein. Eine unkontrollierte Verbreitung würde sehr wohl auch dazu führen, dass die vom Waschbär auf natürliche Weise gejagten Kleintiere und Bodenbrüter betroffen wären und eben auch gefährdet.
Dass sich Waschbären nur aus Abfallsäcken und verbotenerweise an Speisen, die von Menschen vor die Haustüre gelegt werden, ernähren, dokumentiert eine völlig verschobene Haltung, was den Umgang mit den Wildtieren anbetrifft. Wildtiere dürfen grundsätzlich nicht gefüttert werden! Jägerinnen und Jäger haben den Auftrag, Waschbären zu erlegen. Das Töten respektive Erlegen von Waschbären ist zwar notwendig, jedoch nicht die zentrale Aufgabe der Jagenden. Zudem empfinden die Jagenden keinen Gefallen an diesen Abschüssen, weil sie sich in erster Linie um die einheimischen Wildtiere zu kümmern haben. Warten wir ab, bis die Population zu gross wird, hilft auch die Entnahme aus den bewohnten Gebieten und den Wäldern nicht mehr, auch wenn die angerichteten Schäden dazu Anlass geben würden.
Pro-Natura-Projektleiter Dominik Hügli neulich dazu: «Wir haben zum Waschbären keine eigene Position.» Nun, diese Aussage verkörpert eine Haltung, die überrascht und kaum eingeordnet werden kann. Unsere zentrale Aufgabe als Jagende ist, weder eine Tierart auszurotten noch als Schädlingsbekämpfer zu wirken. Zuwarten wie beim Wolf ist keine Option. Wollen wir uns nicht eher wieder um unsere Wildtiere kümmern und deren Lebensformen und -räume ins Zentrum unserer Tätigkeit stellen?
Rolf Senn-Gasser, Jäger und Jagdbuchautor, Liestal
