Warten auf die Wahrheit
05.06.2026 BubendorfBodenanalysen nach Grossbrand geben Entwarnung – Ermittlungen dauern an
Die Frage nach der Ursache des Grossbrands einer Gewerbehalle im vergangenen Februar beschäftigt die Behörden weiterhin. Die Strafverfahren gegen fünf Beschuldigte sind noch nicht abgeschlossen. ...
Bodenanalysen nach Grossbrand geben Entwarnung – Ermittlungen dauern an
Die Frage nach der Ursache des Grossbrands einer Gewerbehalle im vergangenen Februar beschäftigt die Behörden weiterhin. Die Strafverfahren gegen fünf Beschuldigte sind noch nicht abgeschlossen. Hingegen zeigen Bodenuntersuchungen keine besorgniserregenden Schadstoffwerte.
Pascal Kamber
Vier Monate nach dem verheerenden Grossbrand in einer Lagerhalle im Gewerbegebiet Grüngen in Bubendorf ist eine Frage noch immer ungeklärt: War es Brandstiftung, die dazu geführt hat, dass am frühen Montagmorgen des 9. Februars mehr als 3000 Quadratmeter Gewerbefläche den Flammen zum Opfer gefallen sind? In diesem Zusammenhang nahm die Baselbieter Polizei damals vier junge Männer fest. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft eröffnete anschliessend gegen die beschuldigten Personen ein Verfahren und beantragte beim Zwangsmassnahmengericht Untersuchungshaft.
Mittlerweile befinden sie sich wieder auf freiem Fuss, wie Michael Lutz, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft Baselland, auf Anfrage erklärt: «Die gesetzlichen Haftgründe waren nicht mehr gegeben.» Das bedeutet jedoch nicht, dass die Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung abgeschlossen sind. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Grossbrands gegen fünf Personen mit sri-lankischer Nationalität. Die Verfahren seien immer noch hängig und mit hohem Aufwand verbunden, so Lutz: «Branddelikte sind sehr komplex, weil dabei viel zerstört wird. Hinzu kommt, dass viele verschiedene Parteien involviert sind, um herauszufinden, was genau passiert ist.» Aus diesem Grund könne es eher Monate als Wochen dauern, bis die Verfahren abgeschlossen seien, so Lutz.
Somit müssen sich auch die Verantwortlichen von «Greenplaces» weiter gedulden. Das Unternehmen mit Sitz in Lausanne betreibt die Halle in Bubendorf und möchte diese bis spätestens in zwei Jahren wieder aufbauen, wie Geschäftsführerin Jacqueline Crausaz bereits im März gegenüber der «Volksstimme» bestätigte. Bevor die Arbeiter loslegen können, müsse «Greenplaces» aber die Ermittlungsergebnisse der Behörden abwarten. Neben Bubendorf betreibt das Unternehmen aus der Romandie elf weitere Standorte in der ganzen Schweiz und neun weitere in Deutschland. Von Einbrüchen oder Vorkommnissen, bei welchen Angehörige des tamilischen Volkes involviert waren, weiss Jacqueline Crausaz nichts zu berichten. «Bis zum Brand in Bubendorf hatten wir bei keinem unserer Projekte besondere Vorfälle zu beklagen», sagt sie.
Kaum Auffälligkeiten entdeckt
Vom Grossbrand betroffen waren auch mehrere Landwirtschaftsbetriebe im Umkreis des Gewerbegebiets. Durch die enorme Hitze wurden Glasssplitter von Photovoltaikanlagen und verkohltes Dämmmaterial in die Luft gewirbelt und vom Wind talabwärts bis an den Siedlungsrand von Seltisberg und Liestal getragen. Das stellte insbesondere für Weidetiere eine grosse Gefahr dar, bei denen die kleinen, scharfkantigen Glas- und Metallteile innere Verletzungen verursachen können. Nach dem Grossbrand wurden deshalb alle betroffenen Landwirtschaftsflächen systematisch kontrolliert und so die Fremdstoffe eingesammelt.
Gleichzeitig veranlasste die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) Bodenuntersuchungen. An acht Standorten wurden Proben genommen und auf Schadstoffe analysiert. Mittlerweile liegen die Resultate aus dem Labor vor. «Die Daten zeigen bei den Schwermetallen kaum Auffälligkeiten und widerspiegeln Gehalte, welche sich häufig in Landwirtschaftsböden finden oder in dieser Gegend natürlicherweise vorkommen», sagt BUD-Mediensprecher Simon Rüttimann.
Bei den Polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) weisen zwei Standorte geringe Richtwertüberschreitungen auf. PAK entstehen bei der Verbrennung von Holz, Kohle, Treibstoffen oder beim starken Grillieren von Lebensmitteln und sind in diesem Fall laut Rüttimann auf die Auswirkungen der Verkehrsträger zurückzuführen. Bei den ebenfalls krebserregenden polychlorierten Biphenylen – sie kommen beispielsweise in Hydraulikölen oder in Farben und Lacken vor und sind schwer abbaubar – registrierte das Labor keine auffälligen Werte.
Simon Rüttimann betont allerdings, dass es sich beim Grossbrand um ein Einmalereignis handle. Entsprechend schwierig sei eine eindeutige Aussage zum Eintrag von Schadstoffen. Ausserdem seien die betroffenen Böden im Gebiet bereits mit Schadstoffen vorbelastet: «Das gilt unter anderem für früher klärschlammgedüngte Böden sowie für Belastungen durch die Hauptverkehrsachse im Tal, also von der Hauptstrasse oder der Waldenburgerbahn.» Sorgen machen muss man sich aufgrund der Laborergebnisse aber nicht. Laut Rüttimann seien keine Einschränkungen bei der landwirtschaftlichen Nutzung notwendig – was die betroffenen Bauern mit Freude zur Kenntnis nehmen dürften.

