Von Königinnen und Kriminellen
12.02.2026 SissachDokumentarfilmer Hanspeter Bäni war mit seinem neuen Buch in der Gemeindebibliothek zu Gast
Der Dokumentarfilmer und Autor Hanspeter Bäni war für eine audiovisuelle Lesung zu Gast in der Bibliothek Sissach. Er nahm das Publikum mit auf eine Reise in fremde Länder und ...
Dokumentarfilmer Hanspeter Bäni war mit seinem neuen Buch in der Gemeindebibliothek zu Gast
Der Dokumentarfilmer und Autor Hanspeter Bäni war für eine audiovisuelle Lesung zu Gast in der Bibliothek Sissach. Er nahm das Publikum mit auf eine Reise in fremde Länder und eindrückliche Biografien. Ein Abend voller Menschen und Geschichten.
Barbara Saladin
Als «ein Abend zwischen Buchseiten und Filmwelten» war der Dienstagabend in der Bibliothek Sissach betitelt, und das war nicht zu viel versprochen. In einer audiovisuellen Lesung entführte Hanspeter Bäni das Publikum in sein Berufsleben als Kameramann und Dokumentarfilmer bei SRF und so über verschiedene Erdteile, von den Schweizer Alpen über den mittelamerikanischen Mangrovenwald bis ins westafrikanische Hochland.
Er war mit zwei Wochen Verspätung nach Sissach gekommen, denn der ursprüngliche Lesungstermin Ende Januar hatte verschoben werden müssen: Bäni hatte einen Velounfall erlitten und sass nun mit Krücken und mit künstlichem Hüftgelenk zwar körperlich lädiert, aber nicht minder erzählfreudig vor dem zahlreich erschienen Publikum.
Mit lebhaften Geschichten, witzigen Anekdoten und abenteuerlichen Berichten wusste Bäni zu fesseln. Er erzählte aus seinem Berufsleben, untermalt von kurzen Sequenzen aus seinen Dokumentarfilmen und unterbrochen von Lesungen aus dem druckfrischen Buch «Der Reporter – Geschichten jenseits der Dreharbeiten».
Die Sache ging nicht gut aus
In seinen Filmen begleitete Bäni im Auftrag des Schweizer Fernsehens unzählige Menschen – manchmal über Jahrzehnte. Einige seiner Filme wurden zu Quotenschlagern. So wurde etwa Katharina Hänni durch seine Dokfilmserie als «weisse Königin» berühmt: jene arbeitslose Bernerin, die vor 20 Jahren nach Kamerun zog, um einen Prinzen zu heiraten. Die Sache ging allerdings nicht gut aus und endete schliesslich mit dem Tod der Frau – unter nicht restlos geklärten Umständen, wie Bäni durchblicken liess.
Doch obwohl Hänni von einem Teil des Fernsehpublikums damals belächelt wurde: «Ich bewunderte ihren Mut, alles Vertraute hinter sich zu lassen und ein neues Leben zu beginnen», so der Filmemacher, der von Afrika immer begeistert war. Auch die bekannte Entwicklungshelferin Lotti Latrous konnte er mehrmals filmisch begleiten.
Aber nicht nur Ausgewanderte in aller Welt, sondern auch Menschen am Rand der Gesellschaft begleitete Bäni. Wahrscheinlich habe er nicht zuletzt durch seine eigene Geschichte ein Gefühl für solche Leute entwickelt, meinte er: Bänis Jugend in der Region Zürich war nicht einfach. Der Vater war gewalttätig und die Mutter verfiel dem Alkohol, doch: «Ich sehe mich nicht als Opfer.»
Ein Filmbeispiel über Menschen am Rand der Gesellschaft, das ganze mediale Debatten nach sich zog, war der Straftäter Carlos, der mittlerweile unter seinem richtigen Namen Brian Keller bekannt ist und den eine Reportage Bänis ins Rampenlicht rückte. «Diesen Film würde ich heute anders machen», sagte der Dokfilmer, der damals «nicht nur Gegenwind, sondern einem ganzen Orkan» ausgesetzt gewesen sei.
Einfühlsam und mit dem Blick auf den Menschen, aber nie anbiedernd, begleitete er sowohl Kriminelle und Betrüger als auch Prominente. Auch über die Schattenseiten seines Berufs sprach Bäni in Sissach, so etwa über Morddrohungen, Gerichtsverhandlungen und Patronenkugeln im Briefkasten an seinem Wohnort. Und dennoch: «Ich hatte das Glück, eigentlich immer im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein», sagte er, der sich glücklich schätzt, sein «bezahltes Hobby» als Berufung ausgeübt haben zu können.
Im Jahr 2021 wurde er beim Fernsehen pensioniert, doch zur Ruhe setzt er sich noch lange nicht. Mittlerweile ist unter anderem ein Kinofilm entstanden («Ihr könnt jetzt gehen») und als neuester Wurf nun das Buch «Der Reporter», das nicht zuletzt aufzeigt: Nicht nur hinter der Kamera ist Hanspeter Bäni ein begnadeter Erzähler, sondern auch zwischen Buchdeckeln.
Hanspeter Bäni: «Der Reporter – Geschichten jenseits der Dreharbeiten.» Aris Verlag, 2026. Erhältlich im Buchhandel.

