Von der Schnapsidee zur Zigarrenmarke
23.01.2026 SissachWie zwei Banker ihr Hobby zum Geschäft machten
Ein Hit aus dem Radio, ein Glas Rum und eine spontane Idee: Der Sissacher Tony Guggenbühler und sein Freund Andreas Waespi hörten im «Bad Eptingen» das Lied «Despacito» – und ...
Wie zwei Banker ihr Hobby zum Geschäft machten
Ein Hit aus dem Radio, ein Glas Rum und eine spontane Idee: Der Sissacher Tony Guggenbühler und sein Freund Andreas Waespi hörten im «Bad Eptingen» das Lied «Despacito» – und beschlossen kurzerhand, ihre eigene Zigarrenmarke zu gründen.
Carolina Mazacek
Gemütlich auf dem Sofa sitzen, ein Glas guten Rum in der einen, eine Zigarre in der anderen Hand – was klingt wie ein entspannter Feierabend, ist für Tony Guggenbühler aus Sissach zum Geschäftsmodell geworden. Zusammen mit seinem Partner Andreas Waespi brachte er 2018 die Zigarrenmarke «Despacito Cigars» auf den Markt.
Beide waren Neulinge in diesem Geschäftsbereich. Denn von Beruf waren beide Banker: Waespi war ehemaliger CEO der Bank Coop, die heute Bank Cler heisst, und Guggenbühler war in leitender Funktion bei der UBS tätig. «Es war ein stressiger Job. Deshalb habe ich mich frühzeitig pensionieren lassen, um meinen Hobbys nachzugehen – sei es Golf spielen oder eine gute Zigarre rauchen», erzählt Guggenbühler.
Wie kamen zwei pensionierte Banker überhaupt auf die Idee, Zigarren zu verkaufen? An einem Abend sassen sie bei einer Zigarre im «Bad Eptingen» beisammen, als aus dem Radio das Lied «Despacito» von Luis Fonsi lief, damals ein grosser Hit. Die beiden schauten nach, was das spanische Wort bedeutet: «langsam angehend». «Das passt doch perfekt als Name für eine Zigarrenmarke», dachten sie. Denn eine Zigarre raucht man genüsslich langsam.
Aus der spontanen Idee wurde schnell Ernst: Guggenbühler prüfte noch am selben Abend, ob der Domainname für eine Website noch frei sei – und er war es. «Wir hatten noch keinen Gedanken daran verschwendet und hatten schon die Website», sagt der 70-Jährige.
Was als Scherz begann, nahm plötzlich konkrete Formen an. Mit dem Domainnamen in der Tasche, aber belächelt von ihrem Bekanntenkreis, begannen die beiden, ein Geschäft aufzubauen. Wie Guggenbühler beschreibt: «Es war learning by doing.»
Doch wie kommt man überhaupt an qualitativ gute Zigarren? Nach langer Suche stiessen sie auf einen holländischen Produzenten, der seine Zigarren in der Dominikanischen Republik herstellen lässt. Dieser erfüllte ihre Anforderungen: Die Zigarren werden von Hand gerollt, es finden regelmässige Qualitätskontrollen statt, sie haben ein perfektes Preis-Leistungsverhältnis und es wird keine Kinderarbeit eingesetzt.
Sie besuchten ihn vor Ort, wählten eine Tabakmischung aus – und wagten den Sprung: Mit 20 000 Zigarren betraten er und Waespi unter dem Namen «Despacito Cigars» den Markt. «Wenn es nicht gut laufen würde, rauchen wir sie halt selbst», sagte Guggenbühler damals und schmunzelt inzwischen darüber.
Eigenes Lager
Heute sieht ihr Geschäftsmodell so aus: Ihr Vertrieb besteht aus einem Onlineshop, zudem sind die Zigarren in ausgewählten Restaurants und Lounges erhältlich. «Wir möchten Exklusivität wahren», betont Guggenbühler. Sie bieten den Kunden damit einen direkten Weg von der Fabrik zum Konsumenten, ohne teuren Zwischenhandel. Für ihn stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis: «Auch Pensionierte können sich bei uns eine sehr gute Zigarre leisten.»
«Wir haben alles selbst finanziert und unser Ziel ist es nicht, mit dem Geschäft gross zu verdienen», sagt Guggenbühler. Die beiden ergänzen sich: Waespi ist Verkäufer, Guggenbühler Stratege. Auch sein Sohn ist dabei und für die Website zuständig.
Wie sah es am Anfang aus? Bei den ersten verkauften Kisten ging es noch ziemlich chaotisch zu, aber es war lustig, wie Guggenbühler sagt: «Wir haben bei einem Detailhändler gefragt, ob sie leere Schachteln haben. Diese haben wir mit vielen Briefmarken beklebt.» Mittlerweile sind sie professioneller geworden. In den ersten Jahren lagerten die Zigarren bei einem befreundeten Unternehmen, doch der musste ihnen aus Platzgründen nach einem Jahr absagen. Also baute Guggenbühler zu Hause ein modernes Lager auf. Die Zigarren müssen nämlich immer bei einer Luftfeuchtigkeit von 69 bis 72 Prozent gelagert werden. Davon weiss auch die Kundschaft: «Ab und zu klopfen bei mir Kunden an und fragen, ob sie nicht schnell eine Zigarre kaufen dürfen.»
Auch wenn Zigarren ein Nischenmarkt sind, sagt Guggenbühler: «Wir haben eine treue Kundschaft, die uns weiterempfiehlt, und wir organisieren Events, wo wir unsere Kunden persönlich treffen und unsere Zigarren vermarkten können. Deshalb läuft unser Geschäft gut.»
Während der Corona-Pandemie gab es sogar einen regelrechten Boom, da die Menschen vermehrt online einkauften. Sie planten, eine «Gran Corona»-Zigarre vor der Pandemie auf den Markt zu bringen, doch dann traf der Ausbruch genau in dieser Zeit die Schweiz. Nach anfänglichem Zögern haben die beiden Geschäftsmänner die Zigarre dann doch auf den Markt gebracht, was ein voller Erfolg wurde.
In guter Gesellschaft, mit gutem Rum und vor allem Zeit zündet sich Guggenbühler seine Zigarre an. «Für eine kleine Zigarre braucht man 30 Minuten, manche rauchen die grossen Zigarren bis zu 2 Stunden», erklärt Guggenbühler und bedauert die Zigarettenraucher: «Diese zünden schnell eine an und rauchen sie schnell fertig; mit Genuss hat dies wenig zu tun.» Mit Zigaretten hat er deshalb seit Langem abgeschlossen. Er ist ein Genussmensch und wie ein altes Sprichwort sagt: «Der Luxus einer Zigarre ist nicht der Preis, sondern die Zeit, die man mit ihr verbringt.»

