Von Bock, Ries und Schindeln
31.07.2026 SportKinder lernen den Schweizer Traditionssport kennen
13 Teilnehmer im Alter von sechs bis 14 Jahren versuchten sich am Schlagen und Abtun: Die Hornussergesellschaft Tenniken bot am Mittwochnachmittag im Rahmen des X-Island-Ferienpasses ein Plausch-Hornussen für Kinder an.
...Kinder lernen den Schweizer Traditionssport kennen
13 Teilnehmer im Alter von sechs bis 14 Jahren versuchten sich am Schlagen und Abtun: Die Hornussergesellschaft Tenniken bot am Mittwochnachmittag im Rahmen des X-Island-Ferienpasses ein Plausch-Hornussen für Kinder an.
Lea Wieser
Nach einer serpentinenreichen Fahrt hinauf in die Tenniker Hügel erblickt man eingebettet zwischen zwei üppigen Waldstücken das Areal der Hornussergesellschaft Tenniken. Mit gemütlichem Vereinsbeizli, schattigem Sitzplatz und selbstverständlich dem Spielfeld mitsamt Abschussanlage – dem Ries und dem Bock – ergibt es ein idyllisches Vereinszuhause.
Am Mittwochnachmittag herrscht auf jenem Areal reges Treiben. Motiviert kommen die 13 Teilnehmenden an. Nach kurzer Vorstellungsrunde und Einführung kann der Hornussen-Plausch beginnen. Adrian Oberer, der Nachwuchsverantwortliche des Vereins, zeigt den Teilnehmenden, wie man den Hornuss richtig abschlägt. Lässig schlenkert er den «Stecken», den Schläger beim Hornussen, einmal um seine Schulter und wieder zurück. Mit zirpendem Geräusch saust der kleine, aber schwere Hornuss – mit ungeübtem Auge in der Luft kaum sichtbar – über das Ries. Während die elegante Rumpfdrehung und das Treffen des Hornuss bei dem 41-jährigen Tenniker aussehen wie ein Kinderspiel, erklärt er, dass es in der Regel einige Übung und Präzisionsarbeit benötigt, um einen erfolgreichen Abschlag zu erreichen. Auch der 15-jährige Mathias Bauer aus Känerkinden, einer der Nachwuchshornusser und am Mittwoch Hilfstrainer, kommt bei seinem Versuch nicht so weit wie Oberer, obwohl der Jugendliche für sein Alter schon versiert ist.
Die Kinder werden in zwei Gruppen aufgeteilt, eine jüngere und eine ältere. Eine Gruppe übt das Schlagen, die andere das Abtun, später wechseln sie. Beim Schiessen wird zuerst ohne Bock geübt, um den richtigen Stand und die Bewegungen kennenzulernen. Oberer erklärt, hierbei sei es wichtig, breitbeinig dazustehen und den Körper gerade zu halten, statt der Tendenz nachzugehen, sich beim Abschuss nach vorne zu beugen.
Am Anfang tun sich die Teilnehmenden nicht leicht, die richtige Körperhaltung einzunehmen und dabei gleichzeitig den Ball zu treffen. Am Ende des Nachmittags können jedoch alle Kinder zu Hause erzählen, sie hätten einen Hornuss vom Bock geschlagen – durchaus ein Erfolgserlebnis.
Geschicklichkeit geht vor
Am anderen Ende des Felds geht es ans Abtun. Zu Beginn leitet Mathias die Kinder in unterschiedlichen Geschicklichkeitsübungen an, um ein Gefühl für den Ball zu bekommen. Der Ball wird balanciert, aufgeworfen und wieder gefangen. Nun geht es an die «Schindeln». Die Teilnehmenden stellen sich mit den Holzschildern auf, Mathias wirft die Bälle, und so wird mit Elan wie beim richtigen Hornussen das Abtun trainiert.
Alle Übungen ausser dem Abschlagen vom Bock machen die Teilnehmenden mit Tennisbällen. Oberer ist es wichtig, die Kinder keiner Verletzungsgefahr auszusetzen, denn der Hornuss ist äusserst hart und wegen seiner Grösse und schwarzen Farbe schwierig zu fangen. Auch Trinkpausen macht die Gruppe regelmässig, um sich bei 35 Grad bestmöglich vor der Hitze zu schützen. Die umsäumenden Bäume spenden teilweise Schatten, der dankbar ausgenutzt wird.
Aufhalten lassen sich die Kinder von den Temperaturen ohnehin nicht. Sie sind mit Tatkraft dabei, einige von ihnen auch nicht zum ersten Mal. So auch die 12-jährige Livia und ihre beiden Schwestern: «Ich bin schon zum vierten Mal am Plausch-Hornussen vom Ferienpass.» Hier könne sie richtig viel Energie rauslassen, was das Hornussen für sie zu einem super Sport mache. Dem 9-jährigen Yaron gefällt es sogar so gut, dass er das Hornussen zu seinem Hobby machen möchte.
Auf der Suche nach der Jugend
«Das ist unser Ziel», sagt Adrian Oberer. «Wir machen regelmässig Schnuppertage, und auch das Ferienpass-Angebot dient schon einige Jahre dem Wunsch, die Jugend fürs Hornussen zu begeistern und idealerweise weiteren Nachwuchs für den Verein zu finden.» Auch Mathias sei vor fünf Jahren mit den Ferienpass beim Hornussen gewesen und habe sich für den Sport zu begeistern begonnen. Der Verein hat zwar vier Kinder und Jugendliche, die am Mittwochabend ins Training gehen, aber für eine eigene Nachwuchsmannschaft reiche das nicht. «Man merkt schon, dass das Interesse am Hornussen eher abnimmt», findet Oberer. Die Hornussergesellschaft bietet aus diesem Grund auch Events für Vereine oder Firmen an, um den Menschen den Kontakt zum Hornussen zu ermöglichen.
Während der Sport oft als sehr traditionell angesehen werde, sei der Verein in Wirklichkeit viel breiter gefächert. «In unserer Mannschaft findet sich alles, vom Bauern bis zum Banker», erzählt der Jugendtrainer. Frauen und Männer sowie Spieler jeden Alters stünden gemeinsam auf dem Platz, das sei beim Hornussen völlig normal. «Unser jüngstes Mitglied ist Mathias mit 15. Der älteste Spieler ist 83», sagt Oberer schmunzelnd. Tradition wird in der Tenniker Hornussergesellschaft wohl gelebt, aber auf niederschwellige und offene Weise.




