Vom Daig
16.04.2026 Persönlich«I ha scho gmaint, me seht my nid!», het die Frau lut gruefe. Aber vo Aafang aa: Vor meh als 20 Joor hani als Ushilf bim Globus z Basel gschafft. Chunde berote, yykassiere, Gschänggli und d Waare wiider schön aanebüschele, wo d Lüt bim Läädelen ...
«I ha scho gmaint, me seht my nid!», het die Frau lut gruefe. Aber vo Aafang aa: Vor meh als 20 Joor hani als Ushilf bim Globus z Basel gschafft. Chunde berote, yykassiere, Gschänggli und d Waare wiider schön aanebüschele, wo d Lüt bim Läädelen aadööplet häi. Das sy in der Huushaltsabteilig myni Ufgoobe gsi. Eigentlig weere nur es paar Mönet in der stränge Wienechtsszyt plant gsi, aber irgendwie bini länger in däm Job blyybe hange.
Die erschten Erfahrige hani denn ebbe zmitts im Wienachts-Klimbim gmacht, wo en einzelni Chuugelen amme locker s Dopplete vo mym Stundelohn koschtet het.
Einisch het e «Frau vom Daig» die halb Usstattig für ihri Feriewohnig by mir kauft. Byygewys Baddüecher und Wäschlümpen us «ägyptischer, gekämmter Baumwolle» für Hunderti vo Franke hani an d Kasse gschleppt. Nach em Zahle het sy mir es Visitechärtli aaneghebt und in herrligem Baseldütsch gsäit «Sy könne das jetz alles yypagge, Fröilein. Und denn könne sy mir das Taxi do bstelle, i wart ooben im Kaffi uf my Fahrer.» Prompt isch sehr schnäll e Taxifahrer in dritte Stock ufe cho. Er het zerscht die ville Gugge vo deere Damen und denn sälli im Kaffi abholt.
Einisch hani e Samschtig lang müessen Espresso-Maschine voorfüere, will d Promotionsdame plötzlig abgsäit het. Ich, sällmol in myne wilde Joor Afang Zwänzgi, bi hundemüed mit eme heftige Kater vom Fyyre a däm Kaffistand umme gstanden und ha so do, als weer i wach und hätt vill Ahnig. Ich weiss no, ass i vom litterwyys Kaffi lüttere der ganz Daag der Zitteri gha ha. Zur grosse Freud vom Chef hani aber schnäll jeedes Espresso-Detail kennt und überraschend vill vo deene Maschiinli verchauft.
I weiss au no, ass i öppe mol die huuseigene Dedektiv beobachtet ha. Meischtens häi sy die bescht agläite Fraue bim Stäähle verwütscht. Amme hets au am Usgang vo der Chunde-Toilette pyypst, wenn öpper e Rolle WC-Papier klaut het. In deene Rolle häi ebbe – wie bi de würklig wärtvolle Sache – au Diebstahlsicherige kläbt.
My Lieblings-Anekdote vo myner Globus-Zyt isch aber die älteri Dame vom Daig. Ame rächt volle Nommidag isch die us em Lift cho und stoh bliibe. Wien e Diva uf der Operebühni isch si dört gstanden und het gwartet. I bi an der Kasse am Päckli yypacke gsi. Drum hanis erscht chly spöter gschafft, es fründlichs, aber knapps «Grüezi» über die andere Chunden in ihri Richtig z rüefe. Sy het theatralisch mit em Chopf gwagglet und ganz lut und erlyychteret gruefe «I ha scho gmaint, me seht my nid!»
Aber i ha se alli gseh! Die ryyche, Schmuck-behangene, daigige Dame. Die Lüt, wo nur sy cho schneuggen und notüürlig die nätte Stammchunde, wo d Nääme vo fascht allne Verchäuferinne kennt häi. Und egal, wie all die Lüt my sällmol gseh häi, es isch en unterhaltsaame Job gsi, zmitts in Basel und zmitts im Daig.
Marianne Lindner-Köhler, 1981 im Baselbiet geboren und aufgewachsen, lebt mit ihrer Familie in München. Als Mary Long tritt sie auf bayerischen und Schweizer Poetry-Slam- und Kleinkunstbühnen auf.

