Volksmusik und Hardrock
19.06.2026 Kultur, Sissach«Cheesmeyer»-Talk mit Deborah Regez und Wolfgang Bortlik
vs. Heute in einer Woche diskutiert Ueli Mäder mit der Musikerin Deborah Regez und dem Krimi-Autor Wolfgang Bortlik darüber, was traditionelle Volksmusik und harter Rock mit Heimat zu tun haben. ...
«Cheesmeyer»-Talk mit Deborah Regez und Wolfgang Bortlik
vs. Heute in einer Woche diskutiert Ueli Mäder mit der Musikerin Deborah Regez und dem Krimi-Autor Wolfgang Bortlik darüber, was traditionelle Volksmusik und harter Rock mit Heimat zu tun haben. Regez ist in Sissach aufgewachsen und aktive Fasnächtlerin. Sie pendelt zwischen Basel und Malmö. Und Bortlik stammt aus München. Der ehemalige Leader einer Zürcher Rockband aus dem Untergrund hat auch einen Roman über die drei schönsten Toten der Basler Fasnacht verfasst.
Alle Krimis von Bortlik spielen in Basel. Das deute «schon ein gewisses Heimatgefühl an», meint der im Aargau aufgewachsene Schriftsteller. Aber er thematisiere Heimat kaum. Der berühmte Dichter Heinrich Heine habe im 19. Jahrhundert den Begriff des «portativen Vaterlands» erfunden. Man könne demnach auch in der Fremde eine Heimat finden. Und der «leider sehr unbekannte» Schweizer Philosoph und Schriftsteller Adrien Turel habe gesagt: «Dein Werk soll deine Heimat sein.» Bortlik folgt diesen beiden Definitionen. Seine Heimat sei dort, wo er lebe und schreibe. «Und so bin ich selbstverständlich in meinen Romanen zu Hause», sagt der Schriftsteller.
Bortlik hat gut 30 Jahre als Autodidakt in Rockbands gesungen und Schlagzeug gespielt. Rockmusik wurde seine neue Heimat, nachdem er 13-jährig in die Schweiz kam. Er möge auch Volkslieder aus vielen Ländern sehr, bleibe aber gegenüber «volkstümlichen Hudigäggeler» verschlossen. Und zur Fasnacht empfinde er weder besondere Zuneigung noch bemühte Distanz. Fasnacht sei einfach ein Brauchtum. Und Menschen benötigten offenbar sich wiederholende Rituale. Er stehe da «eher abseits, bewundere aber die Hingabe an die Fasnacht und die Arbeit, die da geleistet werde».
Heimatliche Nestwärme empfand Bortlik, der immer noch aktive Fussballer, einst im alten «Joggeli-Stadion». Aber das ist passé. Die WM in den USA berühre ihn kaum. Wie schon die letzte in Katar. Geld und Macht zerstörten die Freude am Spiel. Zudem müssten «wir auch den toxischen Gebrauch des Heimat-Begriffs Heimat ansprechen». Das Überhöhen des «Schweizertums» verleite zu Rassismus und Nationalismus.
Deborah Regez ist «mehr unterwegs als zu Hause». Das Baselbiet sei «die Region ihrer Kindheit». Und irgendwann habe es sie «in die Stadt und noch weiter weg gezogen». Doch: «Der Klang meines Instruments ist für mich Heimat oder das Zusammenspiel mit andern.»
Die Fasnacht habe für sie «primär mit dem Leben zu tun, mehr als mit Heimat». Unter der Larve tauchten sogar «grundlegende Fragen» auf wie: «Wer bin ich maskiert, wenn mein Gesicht verdeckt ist, und ich dennoch die Reaktionen der Zivilisten auf mich in meinem Kostüm sehe?» Aber da kämen dann auch Sprache und Klänge zum Ausdruck. Und «jeder Ort, wo wir einfach sein dürfen», könne zur Heimat werden. Und so habe eben «auch Fasnacht etwas mit Heimat zu tun».
Doch Regez beschäftigt sich vor allem mit der traditionellen Volksmusik und alten Tänzen. Und da sei sie eher «eine Quereinsteigerin», die Freude habe und Freude vermitteln wolle, ohne etwas zu konservieren. Beim Musizieren liessen sich menschliche Fähigkeiten erwerben. Und diese könnten, weiter verbreitet, durchaus Frieden stiften. Widersprüchlich sei indes die Frage nach der Heimat. Denn Heimat ermögliche je nachdem mehr Geborgenheit für alle oder eben nur für wenige Auserwählte.
Heimat könne also «vielerlei bedeuten». Selten sei es das blosse Überqueren einer Landesgrenze. «Aber anzukommen und eine Begegnung mit Menschen, denen ich vertraut bin», könnten heimatliche Gefühle auslösen. «Wie, in den vergangenen Jahren immer mehr, das Unterwegssein.» Und «der Versuch, nachhaltig zu leben». Er könne, stimmig umgesetzt, ebenfalls positiv beheimaten.
Gespräch mit Deborah Regez und Wolfgang Bortlik, Moderatin Ueli Mäder, Donnerstag, 25. Juni, 19.30 bis 21.00 Uhr, «Cheesmeyer», Sissach.

