Vo ganzem Härz dankbar
30.04.2026 PersönlichGrüendunnschtig am halb Ölfi znacht. Worum nit scho geschter? Worum die blööde Sprüch: «Das haut doch mi nit um, I bin e zeeche Siech, do hämmer scho Strüübers überstande!» Worum die dummi Verboortheit?
Zwei duregsüüchti ...
Grüendunnschtig am halb Ölfi znacht. Worum nit scho geschter? Worum die blööde Sprüch: «Das haut doch mi nit um, I bin e zeeche Siech, do hämmer scho Strüübers überstande!» Worum die dummi Verboortheit?
Zwei duregsüüchti Täg und Nächt ooni jede Schloof han I scho hinder mer mit däm Hueschte. Gescht het mer my guete Fründ und Huusarzt no Mittel brocht, aber die häi nümm welle hälfe. Vori het er mer am Telifon ultimativ befoole, jetz müess I goo, süscht bring er mi sälber. Jo denn halt, wenn d meinsch! Voruss stoot scho Pfrä Kuchen parat und fahrt mi. Sii isch immer doo, wenn I Hilf bruuch. Sii isch die Beschti.
Nüt as e jämmerligs Hüffeli Eländ schlepp I mi z Lieschtel in d Notfallstation mit em Köfferli und mit em Chüssi undrem Arm, numme non e Schatte vo mer sälber. Sofort füehrt mi e besorgti Pflägeren ohni vill Formaliteete diräkt ins Untersuechigszimmer. Alles vor em Gsicht verschwimmt wie dur e Schleyer. Es isch, as dörf I e schweere Rucksack abstelle, losloo und aneligge. Samfti Stimme reede mit mer. Öbber zieht mer d Soggen ab und misst mer s Fieber im Oor. Links e chlyyne, fascht tröschtlige Stich in Underarm. Sii setzen en Infusion aa. «Entspanne Sii sich, das wird scho wiider guet.» In einer Sälbverständligkeit isch undereinisch so vill Wermi, Sorgsamkeit und Güeti um mi umme. Wie wohl das tuet.
Do chömme mer für ei Momänt d Tränen eso übernächtigt, fiebrig und dünnhütig, und I schämm mi derfür. Und schämm mi au für dä scheusslig Hueschte, dä Uswurf und für die Umständ, won I allne dene Lüt do mach no so spoot znacht. Öbber steckt mer en Inhalator zwüsche d Lippe. «Tief yyschnuufe, denn wirds grad besser!» Und nach e paar Züüg chan I ändlig wiider rächt schnuufe.
Hinderenand mache sii jetz Röntgebilder, en EKG und e Covid-Tescht, nämme Bluet und mässe Druck, Puls und Suurstoffsettigung, chlopfen uf Bruscht und Ruggen und loose my röchligi Lungen ab. Und bringe mer sogar e Schüsseli Tee und e Sandwich. Hunger syg scho mol e guets Zeiche, han I non e Stimm im Oor.
Spöter ligg I warm zuedeckt und geborgen im ne halbdunkle Zimmer. E Suurstoffgrät lullt mi mit sym Summen yy und schickt mi ändlig überen in e gnädig dunkle Schloof.
Am Morgen schyynt d Sunnen ynen und I fühl mi scho besser. All zäh Minute böbberlets und e frööligi Pflägere froggt nach myne Wünsch, chunnt öbbis cho mässen oder bringt mer zässe. Zmittag erkläre mer der Chef und d Oberärztin, ass sich in myner Lungen e widerlig böses Virus ustoobt häig. Aber das heebe sii jetz mit de richtige Medikamänt under Kontrolle brocht und uf d Oschtere dörf I wiider hei.
Einisch mee han I so vill Hochachtig vor all dene Menschen in eusem Gsundheitssystem, wo Tag und Nacht für eim do sy, wenns eim emol so schampar dräckig goot. I cha gar nit usdrucke, wie dankbar ass I bi für alles Wüssen und Chönne, für alli Hilf und Fürsorg und für alli Empathie! Eifach vo ganzem Härz!
Florian Schneider wurde 1959 geboren und stammt aus Reigoldswil. Er ist Sänger, Schauspieler und Liederschreiber und lebt mit Tochter Mina in Eptingen.

