Visionäre Idee oder doch zu teuer?
08.04.2026 BRIEFELeserinnen und Leser äussern sich zum Projektierungskredit über 1,02 Million Franken
Aus dem Leben eines Dorfschulmeisterleins
1974 erhielt ich eine Anstellung an der Oberstufe in Gelterkinden. Beim ersten Rundgang durchs Schulgelände mit Fritz ...
Leserinnen und Leser äussern sich zum Projektierungskredit über 1,02 Million Franken
Aus dem Leben eines Dorfschulmeisterleins
1974 erhielt ich eine Anstellung an der Oberstufe in Gelterkinden. Beim ersten Rundgang durchs Schulgelände mit Fritz Graf, dem damaligen Rektor, traf ich auf 20-jährige Schulgebäude, die bereits bei Weitem nicht mehr ausreichten. Darum wurden für zehn Schulklassen Provisorien errichtet. Fritz Graf erklärte mir, diese Baracken seien nur provisorisch für fünf bis sieben Jahre errichtet worden, danach werde ein neuer Schulbau auf der Hofmatt stehen.
1984 – die Provisorien hiessen nun Pavillon – war von einer Planung nichts mehr zu hören. Geld wurde bereits nicht mehr in diese Gebäude gesteckt, weil sie bald ersetzt würden. Sogar der von mir beantragte, zweite Kaltwasserhahn mit einem etwas grösseren Wasserbecken wurde aus dem Budget gestrichen. So stand den 25 Jugendlichen nach dem Malen mit Wasserfarben nur ein Platz zur Verfügung. Bärti Gass, der damalige Abwart, korrigierte den Mangel auf meine Rechnung.
Im Jahr 1994 wurde der Schulzimmerboden immer weicher. Bald war er übersät von tiefen Kratern, welche durch die Stühle entstanden sind. Der Boden blieb so, weil kein Geld mehr in die Pavillons gesteckt wurde. Etwa zu dieser Zeit entstand der Pavillon Süd. Mit aller Deutlichkeit hat der zuständige Gemeinderat an der Eröffnung betont, dass dieses Gebäude ein Provisorium für höchstens sechs bis acht Jahre sei und auf keinen Fall dasselbe Schicksal erleiden werde wie die anderen Pavillons. Ein Kollege lachte lauthals, was gar nicht gut ankam. 2006 habe ich nach 32 Jahren die Schule Gelterkinden verlassen, die Provisorien standen weiterhin.
2026 sind wieder 20 Jahre vergangen und alle drei Provisorien blieben erhalten. Eines muss man zugeben: Die sind hartnäckig! Meine ersten Schülerinnen und Schüler werden jetzt ordentlich pensioniert. Sie brauchen keine neuen Schulbauten mehr, auch ihre Kinder nicht, aber vielleicht ihre Grosskinder.
2036 werden die Provisorien noch immer in der Hofmatt stehen. Will jemand eine Wette mit mir eingehen?
Housi Frei, Gelterkinden
Ja zu Tagesstrukturen, Nein zum Schulhaus-Projekt
Als Unterstützerin von Tagesstrukturen der ersten Stunde bin ich gegen den Projektierungskredit für das neue Schulhaus. Das ist kein Widerspruch, denn: Die Tagesstrukturen müssen bedarfsgerecht und finanziell tragbar sein. Die geplante Umnutzung des Pavillons Süd ist zwar visionär, zielt aber an der Realität vorbei.
Als zu 100 Prozent berufstätige Mutter sehe ich die Vorteile: Tagesstrukturen auf dem Schulareal bündeln Unterricht und Betreuung an einem Ort. Mit dem integrierten Kindergarten stünde dieses Angebot auch jüngeren Kindern zur Verfügung. Der Haken ist: Während dieses Konzept in städtischen Gegenden sinnvoll ist, zielt es im ländlichen Gelterkinden an der gesellschaftlichen Realität vorbei. Der Gemeinderat rechnet mit 40 bis 50 Betreuungsplätzen – tatsächlich nutzen heute weniger als zehn Kinder pro Nachmittag das Betreuungsangebot. Es gibt keine Anzeichen, dass diese Zahlen in absehbarer Zeit stark steigen werden.
Ähnlich verhält es sich beim geplanten Kindergarten auf dem Schulareal: Diese Lösung wäre nur sinnvoll, wenn genügend Familien eine ganztägige Betreuung von Montag bis Freitag im Sinne eines Tageskindergartens nutzen würden. In unserer Gemeinde werden Kindergartenkinder jedoch meist nur punktuell familienergänzend betreut. Ein Tageskindergarten wäre somit kaum ausgelastet und läge zudem auf dem Schulareal für viele Kinder ungünstig. Sinnvoller wäre es, bei Bedarf den zentral und derzeit stillgelegten Kindergarten «Chillerain» wieder zu öffnen.
Fazit: Die Umnutzung des Pavillons Süd basiert auf unrealistischen Annahmen. Ohne diese Zweckentfremdung besteht aber auch kein dringlicher Bedarf für zusätzliche Klassenzimmer. Damit entfällt das zentrale Argument für das Projekt «Campus Loggia».
Ein Nein zum Projektierungskredit ist deshalb kein Nein zu Tagesstrukturen, sondern ein Ja zu einer realistischen Planung und einem verantwortungsvollem Umgang mit öffentlichen Mitteln.
Martina Freivogel, Gelterkinden
Ohne Gruppenphase direkt an die Finalspiele
Gelterkinden braucht ein neues Schulhaus. Dem können mittlerweile viele zustimmen. Schön. Unschön aber, wie der Abstimmungskampf läuft. Das Projekt «Ratio» überschreitet für mich viele rote Linien. Wie wäre es, wenn sich eine Fussballnation mit ihrem Team direkt für die Finalspiele qualifizieren könnte, weil ein Bericht vorliegt, der besagt, dass sie stärker aufgestellt sei als der Gruppensieger der Gruppe A? Undenkbar.
Genau das aber suggeriert das Nein-Komitee mit dem Projekt «Ratio». Ich bin erstaunt, dass sich ausgerechnet Kenner der Kommunalpolitik zu diesem Vorgehen hinreissen lassen – im Wissen um die nötigen politischen Prozesse und Auflagen für öffentliche Bauten. Gelterkinden kann nicht wählen zwischen zwei Projekten. Es gibt keinen Einstieg in die Fussball-WM nach der Gruppenphase. Ich frage mich eher: Wo war Projekt «Ratio» in der Wettbewerbsphase? Warum gerade jetzt? Das Preisschild hat sofort des Betrachters Aufmerksamkeit.
Doch wenn ich mir den Inhalt genauer anschaue, folgt die Ernüchterung. Äpfel werden mit Birnen verglichen. Planungskosten sind auf der einen Seite nicht eingeschlossen, bereits definierte Einsparmöglichkeiten auf der anderen Seite ausser Acht gelassen. Obwohl «Ratio» keine Alternative zum vom Gemeinderat und der Wettbewerbskommission ausgewählten Projekt «Campus Loggia» ist, wird dies suggeriert und als meinungsmanipulierendes Werkzeug eingesetzt.
Ich setze mich für eine ehrliche und transparente Gemeindepolitik ein. Es gibt keinen Einstieg nach der Gruppenphase. Ich jage keine Seifenblasen und stimme deshalb «Ja» zum vorliegenden Projekt des Gemeinderats.
Sandra Grossmann, Gelterkinden
Manifestation von Dominanz
In Gelterkinden steht am 26. April mit dem Projektierungskredit für einen Schulhaus-Neubau («Campus Loggia») eine wichtige Referendums-Abstimmung gegen den Beschluss der Gemeindeversammlung vom 10. Dezember bevor. Es war eine denkwürdige Versammlung, die auch einiges über das kommunale «Macht-Meccano» erkennen liess.
Im soeben erschienenen Protokoll dieser «Gmäini» ist der Name Baader nicht weniger als 40-mal erwähnt, mehrheitlich im Zusammenhang mit ähnlich gelagerten Wortmeldungen von sechs Familienangehörigen zu Finanzfragen wie dem Schulhaus-Neubau.
Mich stört nicht der öffentliche Auftritt des eingesessenen Familienverbunds. Er hat selbstverständlich das Recht zur freien Meinungsäusserung. Störend war diesmal die schamlose Manifestation von Dominanz und Deutungsmacht.
Wünschenswert wäre etwas mehr Fingerspitzengefühl, was Stil und Ton betrifft. Alt Nationalrat Caspar Baader wäscht den Finanzchefs immer wieder im Offizierston die Leviten («So geht das nicht»). Bauingenieur Köbi Baader, einer seiner Söhne und beruflich selbst im Baugewerbe tätig, diskreditierte den siegreich aus dem Wettbewerb hervorgegangenen Architekten: «Der kann das nicht.»
Köbi Baader ist Mitglied der Gemeindekommission, die den Projektierungskredit einstimmig befürwortet. Doch jetzt tritt er führend in einer Gruppe von lokalen, an Bauaufträgen interessierten Unternehmern auf, die einen angeblich viel billigeren Alternativvorschlag («Ratio») aus dem Hut zaubern. Damit soll der Projektierungskredit bekämpft werden.
Die Stimmberechtigten sollten sich vom eilends abgegebenen Dumping-Versprechen nicht blenden lassen. Warum jetzt wieder von vorn beginnen? Weshalb werden die «Ratio»-Interessenvertreter erst jetzt aktiv? Können sie Erfahrung im Schulhaus-Bau nachweisen?
Neu aufgetauchte kommerzielle Interessen könnten den Schulhaus-Bau aber um Jahre verzögern. Ich möchte aber endlich vorwärts machen und sage deshalb Ja zum Projektierungskredit.
Peter Knechtli, Gelterkinden
Für unsere Zukunft ein Nein zum Kredit
Bei der Abstimmung am 26. April geht es nicht um die Frage, soll der Pavillon Ost abgerissen und ein neues Schulhaus am selben Ort erstellt werden oder soll kein Schulhaus gebaut und der Pavillon Ost weiter betrieben werden. Es geht einzig und allein um die Frage, ist «Campus Loggia» mit rund 10,8 Mio plus/minus 25 Prozent Baukosten das richtige Projekt und soll dafür ein Projektierungskredit von rund 1 Million Franken gesprochen werden?
In der Abstimmungsbroschüre formuliert der Gemeinderat «Das heisst, auch von einer Neuplanung sind keine tieferen Baukosten zu erwarten»? Unternehmer aus unserer Region machen deutlich, dass es sehr wohl möglich ist, ein Schulhaus nach dem vom Gemeinderat vorgegebenen Raumprogramm mit acht Klassenzimmern, Gruppen- und Nebenräumen, PV-Anlage und Umgebungsgestaltung für rund 6,7 Millionen plus/minus 10 Prozent zu erstellen. Dieses Projekt beruht nicht auf Annahmen und unsachlichen Argumenten. 53 Prozent vom ermittelten Kostenvoranschlag sind durch Unternehmerofferten hinterlegt.
«Campus Loggia» ist zu teuer – es ergibt keinen Sinn, weiteres Geld in dieses Projekt zu investieren. Sagen deshalb auch Sie Nein zu diesem Projektierungskredit von rund 1 Million Franken.
Christine Mangold, Gelterkinden
Ja zum Schulhaus-Neubau
Für den unbeteiligten Beobachter erscheinen Vorgehen und Argumentarium der prominent besetzten «Ratio»-Gruppe» gleichermassen unverständlich, irrational und geradezu grotesk. Nachdem lange behauptet wurde, dass für einen Neubau kein Bedarf bestehe, wird nun als Unterzug ein in aller Stille vorbereitetes Projekt propagiert, mit dem der bis anhin als nicht notwendig deklarierte Bau wesentlich günstiger zu realisieren sei. Ein Projekt zudem, das wegen der Vorbereitung in aller Eile im stillen Kämmerlein – ob bewusst oder unbewusst – nicht sämtliche relevanten Kostenpositionen beinhaltet.
Ist das glaubwürdig? Obstruktion? Verletzter Stolz? Wahrung der Eigeninteressen? Oder einfach eine Zwängerei? Sicher ist auf jeden Fall, dass im Falle einer Ablehnung der Bau auf unbestimmte Zeit weiter verzögert würde, die Bauteuerung die behauptete, mögliche Einsparung auffressen würde und die bisherigen Aufwände als nutzlos abgeschrieben werden müssen.
Ich meine, dass wir unseren demokratisch gewählten, aktuellen Gemeindebehörden dasselbe Vertrauen schenken dürfen wie damals ihren Vorgängern und stimme trotz der lokal bauprominenten Gegnerschaft zum Wohle unserer Jugend überzeugt Ja.
Willi Rudin, ehemaliger Präsident FC Gelterkinden
Endlich vorwärts!
Ich habe bis zu meiner Pensionierung vor eineinhalb Jahren im Pavillon Ost Musik und Bewegung unterrichtet. Für dieses Unterrichtsfach ist man auf Schulzimmer angewiesen, die auf die entsprechenden Bedürfnisse (Platz, Instrumente) ausgerichtet sind. Die Aussage des Referendumskomitees, dass geeignete Räume bereits ausserhalb des Schulareals bestehen würden, ist falsch. Dass in den Pavillon Ost nichts mehr investiert wird, verstehe ich, denn er ist in einem desolaten Zustand. Völlig unverständlich ist, dass Lehrpersonen und Kinder seit Jahren vertröstet und hingehalten wurden. Nun steht mit «Campus Loggia» endlich eine sorgfältig geplante, wohldurchdachte Lösung für die prekäre Situation des Pavillon Ost sowie für die zu spärlichen Raumverhältnisse an der Primarschule in Aussicht. Es muss jetzt endlich vorwärts gehen. Darum stimme ich am 26. April Ja für den Projektierungskredit des Schulhausneubaus, denn die Kinder sind unsere Zukunft!
Anita Stolz, Gelterkinden
Wo ist das Vertrauen?
Mit Besorgnis beobachte ich das «Theater» um den Projektierungskredit «Neubau Schulhaus Hofmatt und Umbau Pavillon Süd». Wo ist das Vertrauen in den von uns gewählten Gemeinderat? In die Gemeindekommission (Geko)? Diese hat den Projektierungskredit einstimmig zur Annahme empfohlen.
Und doch: So nebenbei musste ich bei genauerer Betrachtung feststellen, dass es wohl vereinzelt Geko-Mitglieder gibt ,die in diesem «Theaterstück» mehrere Rollen spielen, was leider einer produktiven, vertrauensvollen und transparenten Zusammenarbeit und Glaubwürdigkeit nicht unbedingt förderlich ist.
Ich bin davon überzeugt, dass der Gemeinderat das Bestmögliche macht. Trotz Spardruck dafür sorgen, dass das Dorf attraktiv bleibt, ist ein schwieriges Unterfangen. Ich bin dankbar, gibt es noch genügend Freiwillige, die sich für das Amt zur Verfügung stellen.
Das zunehmende Misstrauen gegen deren Handeln und gegen Fachexpertisen, wie zum Beispiel auch bei der Photovoltaikanlage auf der Mehrzweckhalle, finde ich müssig. Ich stimme mit Überzeugung für den Projektierungskredit und vertraue auf den Gemeinderat, dass er die Empfehlungen prüft und die Sparmöglichkeiten ausschöpft.
Martina Waldner, ehemaliges Gemeindekommissionsmitglied Gelterkinden

