Viel Sonne, wenig Wasser
28.08.2026 BaselbietDie Zwetschgenernte hat dieses Jahr deutlich früher begonnen als normal
Die Aussichten für die Ernte der Zwetschgen sind grundsätzlich gut bis sehr gut, doch die aussergewöhnliche Trockenheit und nun der Regen machen den Produzenten zu schaffen. Sie wirkt sich ...
Die Zwetschgenernte hat dieses Jahr deutlich früher begonnen als normal
Die Aussichten für die Ernte der Zwetschgen sind grundsätzlich gut bis sehr gut, doch die aussergewöhnliche Trockenheit und nun der Regen machen den Produzenten zu schaffen. Sie wirkt sich insbesondere auf die Grösse der Früchte aus.
Wendy Maltet
Bereits Mitte Juli konnten im Baselbiet die ersten Zwetschgen geerntet werden. «Der Hauptgrund dafür ist die warme Witterung», sagt Martin Fiechter, Fachmann Obstbau am Ebenrain-Zentrum für Landwirtschaft, Natur und Ernährung in Sissach. Die hohen Temperaturen hätten die Vegetationsentwicklung und damit die Reife der Früchte beschleunigt. Gleichzeitig sei seit Mitte Mai nur sehr wenig Regen gefallen.
Auch Dominik Dettwiler vom Baselbieter Obstverband, der in Buus selbst Zwetschgen produziert, beobachtet einen frühen Saisonstart. Er spricht von einer rund 14 Tage früheren Ernte. Bei kalter und nasser Witterung könne sich der Erntebeginn dagegen um bis zu drei Wochen nach hinten verschieben.
Direkte Auswirkungen des trockenen und heissen Sommers beobachtet auch Stefanie Spycher aus Oltingen, die mit ihrer Familie rund 45 Hochstamm-Zwetschgenbäume bewirtschaftet. Auf ihrem Hof sind bereits drei ältere Hochstamm-Bäume der Trockenheit zum Opfer gefallen. Ob die jüngeren Bäume überleben, werde sich zeigen.
Gute Qualität, kleinere Früchte
Die Qualität der Zwetschgen wird von den Fachleuten bislang positiv beurteilt. «Auch die Qualität der Früchte ist bislang sehr gut», sagt Fiechter. Die vielen Sonnenstunden sorgen für süsse Früchte. Laut Dettwiler hatte die trockene Witterung zudem einen positiven Nebeneffekt: Weil es morgens kaum Tau und insgesamt wenig Feuchtigkeit gab, war der Pilzbefall gering.
Die Trockenheit bringt allerdings auch Nachteile. Für die Entwicklung der Früchte benötigen die Bäume ausreichend Wasser. Bei Wassermangel bleiben die Zwetschgen häufig kleiner oder werden teilweise vorzeitig abgestossen.
Eine Mindestgrösse von 33 Millimetern Durchmesser wird von Produzenten und Handel erwartet. «Zwetschgen sind dieses Jahr eher zu klein», sagt Dettwiler. Für die Nordwestschweiz rechnet er deshalb mit rund 400 Tonnen Ertrag. Ursprünglich seien rund 500 Tonnen erwartet worden. Das entspricht einem Rückgang von etwa 20 Prozent.
Schweizweit fällt die Prognose von Fiechter dagegen deutlich positiver aus: Erwartet werden rund 3600 Tonnen Zwetschgen, das sind nahezu 40 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Zwischen den einzelnen Betrieben und Standorten bestehen jedoch grosse Unterschiede.
Entscheidend ist das Wasser
Wie stark die Trockenheit die Ernte beeinflusst, hängt laut Fiechter insbesondere von der Wasserversorgung ab. Wo ausreichend Wasser vorhanden ist und bewässert werden kann, können gute Fruchtgrössen erreicht werden. Auf Standorten ohne Bewässerungsmöglichkeit und mit ungünstigen Bodenverhältnissen kam es dagegen teilweise zu stärkerem Fruchtfall.
Auch Dettwiler beobachtet grosse Unterschiede zwischen den Betrieben. Entscheidend sei unter anderem, wie viel Wasser ein Boden speichern könne. Auf flachgründigen Böden, bei denen die Wurzeln rasch auf Gestein stossen, oder an Hängen sei die Situation schwieriger. Unter den extremen Hitzebedingungen seien teilweise sogar Bäume abgestorben.
Bei Stefanie Spycher steht die Haupternte der Hauszwetschgen, einer eher späten Sorte, noch bevor. Wie diese ausfallen wird, kann sie derzeit nicht abschätzen. «Die Bäume stossen aufgrund der Trockenheit noch laufend Früchte ab. Mal sehen, ob dann überhaupt noch etwas an den Bäumen hängt, wenn sie reif sind.»
Herausforderung für die Zukunft
Die diesjährige Trockenheit zeigt laut Fiechter, vor welchen Herausforderungen der Zwetschgenanbau künftig stehen könnte. «Eine der grössten Herausforderungen wird künftig der Umgang mit zunehmender Trockenheit und Hitze sein.» Neben einer ausreichenden Bewässerung gewännen auch Sonnenschutz sowie Hagel- und Vogelschutz an Bedeutung.
Ebenso wichtig seien eine sorgfältige Bodenpflege sowie die Wahl geeigneter Sorten und Standorte.
Dettwiler sieht insbesondere bei der Bewässerung Handlungsbedarf. Wasser müsse gespeichert oder über Tropfsysteme gezielt zu den Bäumen gebracht werden. Gleichzeitig stelle sich die Frage, woher das Wasser komme und wie lange es gespeichert werden müsse. Auch für die Menschen auf den Betrieben ist die Hitze eine Belastung. «Wenn um 6 Uhr abends noch 37 Grad ist, lastet das auch auf den Arbeitern», sagt Dettwiler.
Noch ist die Saison nicht abgeschlossen. Und auf den letzten Metern haben die Zwetschgenproduzenten noch einmal Wetterpech, absurderweise wegen Regen: Die jüngsten Regenfälle hätten viele Zwetschgen der späten Sorte Top Hit aufplatzen lassen, sagt der Bretzwiler Landwirt Bernhard Straumann auf Anfrage. Dies, nachdem er mit dem Ausdünnen des Behangs grossen Aufwand betrieben habe. Trotz sehr guter Qualität der für ihn wichtigen Sorte werde nun ein erheblicher Teil «ins Fass» kommen und zu Schnaps verarbeitet.
Grundsätzlich fällt die Bilanz dennoch eher positiv aus: viel Sonne, gute Qualität und süsser Geschmack. Gleichzeitig zeigt das Erntejahr deutlich, wie wichtig eine verlässliche Wasserversorgung für den Zwetschgenanbau wird.


