Viel Arbeit und (zu) wenige Helfer
14.04.2026 BaselbietFachkräftemangel betrifft auch die Landwirtschaft
Vom Fachkräftemangel ist seit geraumer Zeit in vielen Branchen die Rede. Dass es einen solchen auch in der Landwirtschaft gibt, ist weniger bekannt. Die «Volksstimme» hat nachgefragt, warum auch Bauernhöfe ...
Fachkräftemangel betrifft auch die Landwirtschaft
Vom Fachkräftemangel ist seit geraumer Zeit in vielen Branchen die Rede. Dass es einen solchen auch in der Landwirtschaft gibt, ist weniger bekannt. Die «Volksstimme» hat nachgefragt, warum auch Bauernhöfe Mühe haben, geeignetes Personal zu finden.
Brigitte Keller
Die Schweizer Landwirtschaft produziert gesunde und nachhaltige Lebensmittel, sie erhält unsere Lebensgrundlagen und pflegt dabei die Kulturlandschaft. Genauso vielfältig wie diese Leistungen sind auch die Herausforderungen, mit denen Bauernfamilien konfrontiert sind.
«Die Arbeit geht uns nicht aus – aber die Arbeitskräfte.» Dies sagte Patrick Chuard-Keller, Chefökonom beim Schweizerischen Arbeitgeberverband anlässlich der Fachkonferenz «Brennpunkt Nahrung» im vergangenen November in Luzern. Hauptgründe dafür seien der demografische Wandel, neue Anforderungen der Generation Z und der Wettbewerb der Branchen untereinander.
In der Landwirtschaft fallen diese Punkte noch stärker ins Gewicht als andernorts. Und als wären dies nicht schon Herausforderungen genug, kommen noch ein paar spezifische dazu.
Diese seien nicht weniger anspruchsvoll und alles hänge zusammen, sagt Marc Brodbeck, Präsident des Bauernverbands beider Basel auf Anfrage der «Volksstimme».
«Da sind die Arbeitsbedingungen für Tierhaltungsbetriebe gemäss Normalarbeitsvertrag NAV, die es einzuhalten gilt und wofür die Betriebsleiter die Verantwortung haben», beginnt er die Aufzählung. «Im Weiteren ist da die Entschädigung, die in anderen Branchen ganz klar höher ist. Das ist zwar nicht der Hauptgrund, aber ein wichtiger.»
Die Umstellung von zwei auf drei Lehrjahre habe zusätzlich dazu geführt, dass weniger ausgebildete Arbeitskräfte auf dem Markt seien. Früher, nach zwei Jahren Ausbildung, seien die ausgebildeten Landwirte als Betriebshelfer tätig gewesen. Mit dem heutigen Modell der dreijährigen Ausbildung würden viele kurz nach Lehrabschluss die Rekrutenschule oder den Zivildienst anschliessen. Und diejenigen, die eine weiterführende Ausbildung absolvieren, suchten höchstens eine Praktikumsstelle und stünden nicht für eine Vollzeitanstellung zur Verfügung.
Und erst recht fehlten all jene, die der Landwirtschaft ganz den Rücken kehrten. Marc Brodbeck erklärt, dass dies früher von 15 Lehrabsolventen etwa im Durchschnitt drei Personen getan hätten. Heute sei das Verhältnis beinahe umgekehrt. «Und hat sich jemand dazu entschieden, gewinnt man ihn nicht mehr zurück.» Die jungen Landwirte würden sich mit ihren Kollegen vergleichen und sehen, wie Arbeitsbedingungen, Löhne und Freizeitregelungen in anderen Branchen aussehen.
Mehrere Beispiele in der Region
Ein Landwirtschaftsbetrieb, der seit Längerem eine Vollzeitstelle anzubieten, aber trotz intensiven Bemühungen bisher niemanden gefunden hat, ist der Hof Habsen von Robert und Sonja Degen in Eptingen. Die dortigen Betriebszweige sind die Eierproduktion mit 9000 Legehennen, Kuhmilchwirtschaft, eine Erdbeerplantage sowie Kirschbaum- und Zwetschgenbaum-Anlagen.
Kräftezehrend bemerkbar gemacht habe sich das Fehlen einer solchen Fachkraft ganz besonders im vergangenen Winter, als Betriebsleiter Robert Degen sich bei einem Sturz verletzt habe und ausfiel. Die bereits hohe Arbeitslast habe von den übrigen Familienmitgliedern auf dem Hof zusätzlich zu allem anderen gestemmt werden müssen. «Ich weiss noch von mindestens zwei weiteren Bauernbetrieben in der näheren Umgebung, die ebenfalls händeringend jemanden suchen», sagt Sonja Degen. «Die Person, die wir suchen, sollte motiviert sein und gewisse Grundkenntnisse von der Landwirtschaft mitbringen, damit sie – nach einer Einführungszeit – selbstständig Arbeiten erledigen kann.»
Die Marktsituation trägt laut Marc Brodbeck auch nicht dazu bei, dass sich an der Situation bald etwas ändert. Der Markt für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus einheimischer Produktion sei angespannt und die explosionsartig steigenden Energiepreise setze die Betriebe weiter unter Druck. Die Betriebsleiter müssten genau rechnen, ob sie eine Vollzeitstelle anbieten oder jemanden für ein Teilzeitpensum oder das Abdecken von Randzeiten suchen.
«Die Betriebe werden auch immer grösser», führt Brodbeck weiter aus, «und der administrative Aufwand wird dadurch nicht weniger, ganz im Gegenteil.» Ein Betriebsleiter müsse überlegen, was eine Vergrösserung für Auswirkungen auf den Personalbedarf mit sich bringe. Gehe die Rechnung nicht auf, hätte dies Konsequenzen für die ganze Familie, denn Landwirte haften mit ihrem ganzen Privatvermögen.
Die Suche aktiv zu betreiben, in den Schulen Inserate aufzuhängen, auf Jobbörsen zu inserieren und aktive Mund-zu-Mund-Propaganda sind die Rezepte, zu denen der Präsident des Bauernverbandes beider Basel rät. Ein Geheimrezept, um Leute für einen Job in der Landwirtschaft zu motivieren, hat er nicht. Und wenn das nicht reicht? «Dann geht es wahrscheinlich nur über mehr Lohn – und weiterhin viel Idealismus für den Beruf.»

