Versorgung auf dem Land gefährdet
16.10.2026 BaselbietPetition fordert höhere Tarife für Physiotherapie
Der Regionalverband Physioswiss beider Basel übergibt heute der Landeskanzlei eine Petition mit 5775 Unterschriften. Er fordert eine Erhöhung des Taxpunktwerts durch den Kanton um mindestens 30 Prozent. Ansonsten droht ...
Petition fordert höhere Tarife für Physiotherapie
Der Regionalverband Physioswiss beider Basel übergibt heute der Landeskanzlei eine Petition mit 5775 Unterschriften. Er fordert eine Erhöhung des Taxpunktwerts durch den Kanton um mindestens 30 Prozent. Ansonsten droht eine Unterversorgung.
Tobias Gfeller
Wer in einem kleinen Dorf im Oberbaselbiet Physiotherapie braucht, muss dafür oftmals längere Wege zur nächsten Praxis auf sich nehmen. Gerade nach Unfällen, Spitalaufenthalten oder im Alter, wenn die Mobilität eingeschränkt ist, ist dies nicht mehr so leicht möglich.
Abhilfe schafft in solchen Fällen die sogenannte Domizilbehandlung, wenn die Physiotherapie in den eigenen vier Wänden erfolgt. Solche Behandlungen können von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden und sind aufgrund der Anfahrtswege für die Therapeutinnen und Therapeuten teurer als die Behandlung in der Praxis. Die Domizilbehandlung sei aber gefährdet, warnt Natascha Magnusson, Co-Präsidentin des Regionalverbands Physioswiss beider Basel: «Die Behandlung zu Hause ist gerade im Oberbaselbiet ein grosses Thema. Kann diese aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr geleistet werden, droht eine Unterversorgung der Patientinnen und Patienten. Dann ist die Versorgungssicherheit nicht mehr gegeben.»
Natascha Magnusson wohnte früher in Zeglingen und kennt die Voraussetzungen in ländlichen Gebieten als Privatperson und Physiotherapeutin. Sie sorge sich um das Wohl der Patientinnen und Patienten. Um dieses zu erhalten, brauche es eine Erhöhung des Taxpunktwerts für die Physiotherapie, betont Magnusson. Der nationale Verband Physioswiss hat schweizweit mit der unter dem Motto «100 Prozent geben. 70 Prozent bekommen» stehenden Petition rund 127 000 Unterschriften gesammelt. In diesen Tagen werden in sämtlichen 26 Kantonen die Unterschriftsbögen eingereicht. Im Kanton Baselland sind 5775 Unterschriften zusammengekommen. Diese werden heute Freitag der Landeskanzlei in Liestal übergeben.
Neben der Erhöhung des Taxpunktwerts um mindestens 30 Prozent fordert der Verband in der Petition die Sicherstellung des Zugangs zur physiotherapeutischen Versorgung in den Städten und in den ländlichen Regionen. Die Forderung richtet sich direkt an die Baselbieter Gesundheitsdirektion um Thomi Jourdan (EVP). Weil sich Physioswiss und die Krankenversicherer nicht auf einen Taxpunktwert einigen konnten, muss der Regierungsrat diesen festlegen.
Kosten deutlich gestiegen
Mit Ausnahme einer einzigen Tariferhöhung vor zwölf Jahren seien die Entschädigungen für die Physiotherapie seit Jahren konstant auf gleichem Niveau geblieben, während sich die Kosten für die Praxen teilweise markant erhöht hätten, sagt Natascha Magnusson: «Die Mieten für die Räumlichkeiten sind deutlich gestiegen, die allgemeine Infrastruktur ist teurer geworden, die Physiotherapie benötigt heute mehr Material und Geräte und es werden mehr Weiterbildungen verlangt.» Gehen die Entwicklungen so weiter, ohne dass sich auf der Einnahmenseite etwas tut, können Praxen nicht mehr kostendeckend betrieben werden, befürchtet Physioswiss.
Auch sei es wichtig, betont Magnusson, dass die Branche faire Löhne bezahlen kann. «Wir haben jetzt schon Mühe, Fachkräfte zu finden. Auch stellen wir fest, dass immer mehr angehende Therapeutinnen und Therapeuten nach wenigen Berufsjahren aussteigen, weil der Beruf aus finanziellen Gründen immer weniger attraktiv wird», sagt sie.
Die Physiotherapie habe sich in den vergangenen 20 bis 30 Jahren enorm gewandelt, erklärt Natascha Magnusson. Zur Berufsausübung braucht es mittlerweile ein abgeschlossenes Bachelorstudium. Auch sei die Physiotherapie heute evidenzbasierter und decke ein breiteres Spektrum ab als früher, als man noch Krankengymnastik sagte. «Die Bedeutung der Physiotherapie hat sich in der gesamten Gesundheitsversorgung gewandelt und nimmt in Sachen ‹ambulant vor stationär› eine tragende Rolle ein», sagt Magnusson.
Die Co-Präsidentin des Regionalverbands Physioswiss beider Basel ist sich bewusst, dass die steigenden Krankenkassenprämien für viele Menschen eine Belastung darstellen. Sie erinnert aber auch daran, dass die Physiotherapie einen Beitrag leisten kann, damit unter anderem Spitalaufenthalte verkürzt und operative Eingriffe vermieden werden können. Dank der Physiotherapie können auch Kosten gespart werden, wenn Patientinnen und Patienten wieder schneller mobil sind und früher an den Arbeitsplatz zurückkehren können. Zudem sei sie einer der kleinsten Posten bei den Kosten der Gesundheitsversorgung, rechnet Magnusson vor. «Laut Kostenmonitoring des Bundesamts für Gesundheit macht die Physiotherapie 3,7 Prozent der Kosten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung aus. Kommen unsere Forderungen durch, sind es immer noch weniger als 5 Prozent.»

