Verkehr
29.10.2026 BRIEFEStaus verhindern, statt sie zu verwalten
Zu den Artikeln «Zwei Grossbaustellen, zweimal grosser Stau?» und «Velowege aus dem Zauberhut?» in der «Volksstimme» vom 22. Oktober, Seite 3 und Seite 7
Wie viel Geld investieren wir, um ...
Staus verhindern, statt sie zu verwalten
Zu den Artikeln «Zwei Grossbaustellen, zweimal grosser Stau?» und «Velowege aus dem Zauberhut?» in der «Volksstimme» vom 22. Oktober, Seite 3 und Seite 7
Wie viel Geld investieren wir, um den Autoverkehr trotz Grossbaustellen am Laufen zu halten – und wie viel, um Menschen attraktive Alternativen zum Auto zu bieten? Die beiden Artikel in der «Volksstimme» werfen die Frage auf, welche Prioritäten in der kantonalen Verkehrspolitik gesetzt werden.
Während Bund und Kanton viel Geld in die Planung investieren, damit der Verkehr während der Sanierungen von A22 und Chienbergtunnel möglichst reibungslos weiterfliesst, sollen die Gemeinden den Ausbau kommunaler Velorouten finanzieren. Ohne verbindliche Umsetzungsfristen und eine angemessene finanzielle Unterstützung durch den Kanton besteht jedoch die Gefahr, dass der Ausbau ein schöner Vorsatz bleibt, statt Realität zu werden.
Im Oberbaselbiet verzichten viele Menschen aufs Velo, weil sie sich im Strassenverkehr nicht sicher fühlen. Eltern lassen ihre Kinder aus Sorge um deren Sicherheit nicht mit dem Velo zur Schule fahren. So werden selbst kurze Strecken mit dem Auto zurückgelegt – nicht zuletzt, weil sich viele Menschen darin sicherer fühlen. Die Stadt Paris zeigt, dass Investitionen in ein zusammenhängendes Velonetz Wirkung haben können: Zwischen 2020 und 2025 nahm dort der Veloverkehr auf den beobachteten Routen um 47 Prozent zu.
Auch bei uns könnten sichere, direkte Veloverbindungen zwischen den Gemeinden, Schulen, Bahnhöfen und Arbeitsplätzen dazu beitragen, Autofahrten zu vermeiden und die Strassen zu entlasten. Natürlich lässt sich nicht jede Autofahrt ersetzen, und notwendige Strassensanierungen bleiben unumgänglich. Doch wäre es nicht sinnvoll, neben der Bewältigung des Autoverkehrs konsequenter in sichere Alternativen zu investieren? Denn wer Staus nachhaltig reduzieren will, muss nicht nur den Verkehr umleiten, sondern auch dafür sorgen, dass weniger Autos unterwegs sein müssen.
Katharina Gunzenhauser, Sissach
