Verein als Kitt für Dorfgemeinschaft
08.05.2026 HemmikenNeuer Dorfverein gegründet
Aus zwei mach eins. Es ist ein nicht alltäglicher Akt gegen den Zeitgeist des Vereinssterbens und für die Gemeinschaft: In Hemmiken wurde ein neuer Verein gegründet. Schon ein Viertel der Dorfbevölkerung war als Gründungsmitglied ...
Neuer Dorfverein gegründet
Aus zwei mach eins. Es ist ein nicht alltäglicher Akt gegen den Zeitgeist des Vereinssterbens und für die Gemeinschaft: In Hemmiken wurde ein neuer Verein gegründet. Schon ein Viertel der Dorfbevölkerung war als Gründungsmitglied dabei.
Barbara Saladin
Einen Verein zu gründen, liegt derzeit alles andere als im Trend. In Zeiten, in denen Vereine eher aufgrund von Mitgliederschwund und unersetzbaren Lücken im Vorstand aufgelöst werden, hat Hemmiken zwar das eine getan – aber das andere eben nicht gelassen. Und genau das macht es aus: Am 1. Mai wurde der neue «Dorfverein Hemmiken» gegründet, und die Gründungsversammlung in der Alten Turnhalle stiess auf grosses Interesse.
Zwar lag auch dieser Vereinsgründung die altbekannte und überall beklagte Vereinsmisere zugrunde, denn sowohl der Frauenverein Hemmiken als auch die Handdruckspritzenfreunde Hemmiken-Farnsburg standen unlängst vor der schwierigen Frage, wie ihre Vorstände auch in Zukunft besetzt werden können, da keine engagierten neuen Vorstandsmitglieder in Sicht waren. Doch anstatt allein unterzugehen, entschloss man sich zum gemeinsamen Neuanfang. Im vergangenen März hatten sowohl der Frauenverein als auch die Handdruckspritzenfreunde an ihren GVs die Auflösung beschlossen, um Platz zu machen für den neuen Dorfverein. Dieser wurde nun feierlich aus der Taufe gehoben, und das rege Interesse der Bevölkerung zeigt: Die Idee war richtig. Mit einem Bestand von über 60 Gründungsmitgliedern – was über einem Viertel der gesamten erwachsenen Dorfbevölkerung Hemmikens entspricht – konnte der neue Dorfverein gegründet werden, dessen Name alle ansprechen soll. Der Vorstand setzt sich je zur Hälfte aus Leuten des Frauenvereins und der Handdruckspritzenfreunde zusammen und war schnell gefunden worden.
Fahrdienst und Spritzenunterhalt
Nach der Begrüssung an der gut besuchten Gründungsversammlung durch den Präsidenten Freddy Alispach wurden die Statuten beschlossen und die Beitrittserklärungen ausgefüllt. Danach konnten die Wahlen stattfinden, was mit Applaus geschah. Auch die Festsetzung des Mitgliederbeitrags und die Genehmigung des Budgets gingen problemlos über die Bühne. Der Verein kann sich auf ein solides Startkapital aus den beiden aufgelösten Vereinen Frauenverein und Handdruckspritzenfreunde von je rund 30 000 Franken stützen sowie das Vereinsvermögen des bereits vor Jahren aufgelösten Gemischten Chors Hemmiken von rund 10 000 Franken, das seither von der Gemeinde treuhänderisch aufbewahrt worden war, ebenfalls übernehmen.
Einzige Aktivitäten, die bereits gesetzt – und auch in den Statuten prominent festgehalten – sind, sind als Bestandteile aus den alten Vereinen einerseits der Fahrdienst für handicapierte und kranke Menschen, den bisher der Frauenverein leistete, und andererseits der Unterhalt der historischen Feuerwehr-Handdruckspritze «Schenk 1895». Ansonsten ist im neuen Verein alles möglich, was ein aktives Dorfleben fördert und für die Gemeinschaft gut ist. Alle Vereinsmitglieder sind explizit dazu aufgefordert, mitzudenken und mitzugestalten. Der frischgebackene Vereinspräsident Freddy Alispach betonte, dass es wichtig sei, als Verein offen zu sein: «Es soll etwas entstehen, das für alle ist.»
Neben Vereinstätigkeiten, die von den beiden «alten» Vereinen übernommen wurden, wie etwa Abendwanderung, Kinoabend oder Handdruckspritzen-Treffen, kann der Verein bereits mit neuen Aktivitäten aufwarten. So werden im Juni etwa eine gemeinsame Sonntagmorgen-E-Bike-Tour oder ein Digital-Kaffi angeboten. Und die Handdruckspritze wird ihren ersten Ausflug seit Jahren über die Kantonsgrenze hinaus antreten und in Balsthal eine Dampflok mit Wasser befüllen.
Das Beispiel des neuen Dorfvereins aus Hemmiken zeigt, dass es zusammen besser geht und dass auch aus der Not Neues und Schönes entstehen kann, wenn man zeitgeistbedingte Änderungen nicht beweint, sondern in eine Chance umwandelt. Der motivierte Vorstand, das rege Interesse der Dorfbevölkerung und die mit einem gemütlichen Apéro ausklingende Gründungsversammlung zeigen, dass vieles möglich ist. Gerade im laufenden Jahr, dem internationalen Jahr der Freiwilligen, setzt ein kleines Dorf somit ein hoffnungsvolles Zeichen.

