«Unterhaltsam, aber nicht plump»
18.01.2024 KienbergJubiläum für die «Theaterfründe Kienberg»
Die «Theaterfründe Kienberg» feiern im Januar und Februar ihre 100. Theater-Aufführung. Aufgeführt werden immer Lustspiele. Rolf Marti, seit 35 Jahren Regisseur, blickt optimistisch in die ...
Jubiläum für die «Theaterfründe Kienberg»
Die «Theaterfründe Kienberg» feiern im Januar und Februar ihre 100. Theater-Aufführung. Aufgeführt werden immer Lustspiele. Rolf Marti, seit 35 Jahren Regisseur, blickt optimistisch in die Zukunft.
André Frauchiger
Herr Marti, seit 1919 wird in Kienberg Theater gespielt. Können Sie uns in diese lange Geschichte einen Einblick geben?
Rolf Marti: Der Männerchor Kienberg wurde im Jahr 1919 gegründet und führte im gleichen Jahr ein erstes Theaterstück auf. Bis zum Jahr 2011 führte der Männerchor – mit einem kurzen Unterbruch – dann jährlich ein Stück auf. Überalterung und Mitgliederschwund zwangen den Chor dann aber, das Theater aufzugeben beziehungsweise es einer neu gegründeten Theatergruppe, den «Theaterfründe Kienberg», zu übergeben. Ich war der Hauptinitiant, zusammen vor allem mit Frauen, aber auch mit Männern, die das Theaterleben weiterführen wollten. Unter Präsidentin Anastasia Kehr hat sich seither die Theatergruppe ganz toll entwickelt.
Sie sind selbst seit Jahrzehnten aktiv. Wie hat sich Ihre Laufbahn entwickelt?
Seit 46 Jahren bin ich nun beim Theater Kienberg engagiert, zuerst als Schauspieler, seit 35 Jahren als Regisseur. Schon mein Vater hat mehr als 50 Jahre in Kienberg Theater gespielt. Es ist also eine Art Familientradition. Nur in den Kriegsjahren und in der Corona-Zeit, in den Jahren 2021 und 2022, hatten wir Spielunterbrüche. Im Lauf der Jahrzehnte wurden rund 90 verschiedene Lustspiele aufgeführt, mit den Wiederholungen sind es insgesamt 100 Stücke. Deshalb feiern wir dieses Jahr dass 100. Theater-Jubiläum. Dies mit einem Luststück in drei Akten des norddeutschen Autors Jens Exler.
Spielen nur Bewohnerinnen und Bewohner aus Kienberg im Ensemble mit?
Das Ensemble setzt sich aus zwölf Schauspielerinnen und Schauspielern zusammen, dies im Alter zwischen 22 und 68 Jahren. Wir verzeichnen bei den «Theaterfründe Kienberg» insgesamt 25 Aktivmitglieder. Und nur zwei Mitglieder sind nicht in Kienberg wohnhaft.
Welche der Lustspiele waren für Sie besonders prägend?
Das sind verschiedene Werke. Tragende Stücke in den Jahren seit 2010 waren beispielsweise «D Schwindelfiliale» im Jahr 2012, «Rente gut – alles gut» im Jahr 2013 und «Ausser Kontrolle» im Jahr 2015. Der 1932 geborene Ray Cooney, einer der erfolgreichsten zeitgenössischen englischen Komödienautoren, hat es mir dabei besonders angetan.
Wer sucht die Stücke aus?
Wir besprechen das zu dritt, zwei Kolleginnen und ich. Wir lassen die Stücke, die uns interessieren, von den Verlagen kommen, lesen sie durch und besprechen uns dann. Wir besuchen auch viele Theaterinszenierungen von anderen Gruppen aus der Region. Gewisse Stücke können wir Jahre später dann auch aufnehmen. Entscheidend ist für mich: Ein Stück muss zu den Schauspielern passen. Der abschliessende Entscheid, welches Stück jeweils gespielt wird, liegt bei mir als Regisseur.
Wird das schauspielerische Können von Laien im Lauf der Jahre immer besser?
Ja, das ist so. Die Stücke müssen aber wie gesagt zu unseren Schauspielerinnen und Schauspielern passen, das ist wichtig. Wir bringen nur Lustspiele auf die Bühne, die unterhaltsam, aber nicht plump sind. Es braucht den feinen Humor. Die Auswahl der Stücke ist aber heute bei uns sehr offen.
Sie schreiben die Stücke teilweise auch um. Wie weit gehen Sie dabei?
In vielen Fällen muss ich ein Stück ein wenig zusammenstreichen, weil es zu langfädig ist, insbesondere gegen den Schluss. Beim neuen Stück «und z’oberscht wohne s’Ängels» habe ich die Rollen von ursprünglich sieben auf zwölf Personen erhöht. Ich habe noch Rollen eingeflochten, darunter diejenige einer guten Putzfrau und eines Polizisten. Die tragenden Dialoge bleiben im Wesentlichen aber unverändert. Ich pflege übrigens keine direkten Kontakte zu den Autoren, sondern nur zu den Schweizer Verlagen. Und die Lustspiele sind alle bereits auf Deutsch übersetzt.
Was können Sie über den Inhalt des neuen Stücks «und z’oberscht wohne s’Ängels», die 100. Jubiläums-Inszenierung, bereits verraten?
Das Stück spielt auf zwei Geschossen in einem Mietshaus. Es wurde 1978 im Hamburger Ohnsorg-Theater uraufgeführt. Die Geschichte ist folgendermassen: Zwei alte Frauen, die Schwestern Ängel, wollen unbedingt die schöne und grössere untere Wohnung erhalten, die aber nur an eine Familie vermietet wird. Das hindert die beiden Damen aber nicht daran, dauernd nach unten zu klopfen, zu stören, um die grössere untere Wohnung schliesslich doch noch zu erhalten. Dies mit der Hilfe eines Neffen. Die Geschichte nimmt dann ihren Lauf, mit bunten Bewohnern und Geistern – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur noch dies: Das Bühnenbild besteht aus einem Haus mit zwei bespielten Geschossen. Das Ganze lebt.
Sie haben das Stück bereits einmal aufgeführt. Warum kommt es nun nochmals zur Aufführung?
Im vergangenen Jahr fragten wir unsere Besucherinnen und Besucher, welches von fünf ausgewählten Stücken aus der Vergangenheit wir als Remember zum Jubiläum wieder spielen sollten – und «und z’oberscht wohne s’Ängels» wurde mit grosser Mehrheit gewünscht. Ich inszeniere eigentlich nicht gerne das gleiche Stück zweimal – aber ich mache jetzt wegen des 100. Bühnen-Jubiläums eine Ausnahme.
Wie viele regelmässige Besucherinnen und Besucher zählen Sie?
Wir zählen jeweils rund 1800 Besucherinnen und Besucher, etwa dreimal mehr als das Dorf Kienberg Einwohnerinnen und Einwohner zählt. Sie kommen aus dem Baselbiet, dem Fricktal und aus dem Raum Olten und Aarau.
Was ist am Jubiläum zu erwarten?
Wir führen einen nicht öffentlichen Galaanlass mit allen heutigen und früheren Schauspielerinnen und Schauspielern durch, das sind rund 150 Personen. Dabei gibt es auch eine eindrückliche Diashow mit Fotos aus dem Jahr 1931 bis heute. Und dann natürlich die sieben Aufführungen in der Zeit vom 20. Januar bis 3. Februar.
Welche weiteren Pläne verfolgen Sie mit den «Theaterfründe Kienberg»?
Wir wollen das Theaterleben weiterhin pflegen, auf dem Boden bleiben und nicht übermütig werden. Es geht dabei darum, immer wieder mit Fleiss ein neues Stück zu erarbeiten. Ein Stück muss jeweils innerhalb von zwei Monaten einstudiert werden. In den letzten drei Wochen vor der Aufführung wird im Januar praktisch jeden Tag geprobt. Es steckt viel Spass und Fleiss in der Theaterarbeit. Für mich ist es wichtig, dass die Beteiligten motiviert sind. Und das ist nach wie vor der Fall. Wir haben einen guten Vorstand, ein motiviertes Ensemble – und sind somit gut aufgestellt. Alles ist ehrenamtlich. Mit den Eintrittsgeldern werden einfach die Kosten gedeckt. Seit zwei Jahren kümmern sich die örtlichen Turnvereine an den Aufführungen um die Gastronomie. Auch die Tombola wird von den Vereinen bestritten. Es gibt übrigens auch jeden Abend eine Tanzmusik – als Rahmenprogramm zur Theateraufführung. Rund 250 Personen haben in der Halle Platz. Eine halbe Stunde nach Beginn des Vorverkaufs sind jeweils bereits 90 Prozent der Plätze verkauft. Das ist sehr schön und motivierend. Zweifellos: Wir haben einen grossen Fanklub.
Jubiläumsaufführungen der «Theaterfründe Kienberg»:
Samstag, 20. Januar, 20 Uhr;
Sonntag, 21. Januar, 13.30 Uhr;
Samstag, 27. Januar, 20 Uhr;
Sonntag, 28. Januar, 13.30 Uhr;
Mittwoch, 31. Januar, 20 Uhr;
Freitag, 2. Februar, 20 Uhr, sowie
Samstag, 3. Februar, 20 Uhr,
Mehrzweckhalle, Bühlstrasse 192, Kienberg. www.theater-kienberg.ch
Zur Person
fra. Rolf Marti, Jahrgang 1959, ist verheiratet und wohnt seit vielen Jahren im gleichen Haus in Kienberg, wie er nicht ohne Stolz erklärt. Er ist gelernter Elektriker und frühpensioniert. Während 30 Jahren arbeitete er in einem grossen Pharmaunternehmen in Stein am Rhein. Zu seinen Hobbys – neben der Regie und dem Schauspielern im ortseigenen Laientheater – zählen unter anderem die Pflege seiner Gartenbäume, das Alphornspielen und das Singen im Jodlerklub Gelterkinden. Rolf Marti: «Ich bin recht aktiv, und so gefällt es mir.»