«Unser Ziel ist es, das Leben zu feiern»
25.09.2026 PersönlichMorgen beschliesst «Kunz» mit dem Auftritt am «Schupfart Festival» seinen Festivalsommer. Im Interview erzählt der Luzerner, weshalb ihn singende Fans berühren, warum er auf Schweizerdeutsch singt und was für ihn ein gelungenes Konzert ausmacht.
...Morgen beschliesst «Kunz» mit dem Auftritt am «Schupfart Festival» seinen Festivalsommer. Im Interview erzählt der Luzerner, weshalb ihn singende Fans berühren, warum er auf Schweizerdeutsch singt und was für ihn ein gelungenes Konzert ausmacht.
Lea Wieser
■ Herr Kunz, morgen ist «Kunz» Headliner am «Schupfart Festival». Was darf das Publikum von Ihnen erwarten?
Marco Kunz: Das «Schupfart Festival» ist unser letzter Auftritt diesen Sommer. Wir sind gut eingespielt und heiss auf unseren letzten Festival-Auftritt. Unser kurzweiliges Programm nimmt die Leute mit, auch wenn sie uns nicht so gut kennen. Unser Ziel ist es, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen zu feiern.
■ Was wartet nach der Festival-Saison auf Sie?
Im Oktober und November habe ich ein bisschen Zeit für meine Familie und zum Schreiben. Recht bald beginnen wir auch mit den Vorbereitungen für die Wintertour, die im Dezember startet.
■ Ein Flugplatz ist nicht der konventionellste Ort für ein Festival. Gibt es andere Orte, wo Sie unbedingt einmal auftreten möchten?
Da gibt es ganz viele. In der Schweiz sind die Möglichkeiten allerdings irgendwann ausgeschöpft. Auf den grossen Open Airs wie dem Gurten oder dem Open Air St. Gallen haben wir noch nie gespielt, darauf hätte ich Lust. Ausserhalb der Schweiz höre ich von allen, die schon dort gespielt haben, wie einzigartig es ist, in der Royal Albert Hall in London aufzutreten.
■ Was ist für Sie das Schönste an einem Live-Auftritt?
Wenn die Stimmung gut ist, dann ist alles gut. Und was mich immer berührt, sind die Leute, die mitsingen. Wenn du ins Publikum siehst und merkst, dass das Lied, das wir gerade spielen, dieser Person total viel bedeutet. Solche Momente zu beobachten, geniesse ich sehr.
■ Spielen Sie lieber Festivals oder Konzerte?
Das sind zwei total unterschiedliche Dinge für mich. Auf Festivals spielt man 60 oder vielleicht 90 Minuten, das ist manchmal ein wenig stressig. Dafür ist das Publikum grösser und die Stimmung oft richtig gut. Ausserdem hören viele Leute zu, die einen zuvor kaum kannten. Im Nachhinein zu hören, dass sie positiv überrascht von uns waren, ist immer wertvoll. Die Wintertour ist intimer. Wir spielen etwa zwei Stunden und sind viel näher an den Fans. Wir können Songs bringen, die länger nicht mehr gespielt wurden, und das Publikum singt auch dort mit.
■ Überwiegt bei Ihnen vor einem Auftritt die Vorfreude oder die Nervosität?
Auftritte sind meine Berufung. Ich mache das schon so lange, normalerweise empfinde ich davor nur Vorfreude. Ich mag es, wenn meine Freude so überschwänglich wird und ich endlich auf die Bühne will. Ich will immer das Beste geben, damit die Musik am schönsten klingt, die Stimmung am besten ist und ich die Leute mitnehmen kann. Nervös sein finde ich da fast kontraproduktiv.
■ Anfang dieses Jahres haben Sie Ihr neues Album veröffentlicht. Worum geht es?
Das Album ist ein Auszug aus dem Leben mit vielen verschiedenen Themen, die, glaube ich, ganz viele andere Leute auch erleben. Ich schreibe über den Ort, an dem ich lebe, darüber, ein Mensch in dieser Gesellschaft zu sein und in der Schweiz mit ihren vielfältigen Regionen zu leben. So habe ich versucht dem, worüber ich schreibe, einen Namen zu geben. Daraus wurde der «Stadt Land Fluss Poet».
■ Sie singen ausschliesslich Mundartmusik. Was kann Schweizerdeutsch, das andere Sprachen nicht können?
Ich habe gemerkt, dass ich die Menschen nicht so berühren kann, wenn ich auf Englisch singe. Auf Schweizerdeutsch zu singen ist viel direkter. Ausserdem rede ich Mundart, nur das zeigt mich so richtig als Person.
■ Was sind die Nachteile davon, Mundartmusiker zu sein?
Man hat potenzielle 5 Millionen Hörerinnen und Hörer, mit hochdeutscher Musik hätte man allein in Deutschland potenzielle 80 Millionen. Ausserdem ist die Schweiz klein, wodurch die Auftrittsmöglichkeiten begrenzt sind. All das hat aber auch Vorteile. Dank der Schweizer Höflichkeit beispielsweise lässt es sich auch als öffentliche Person normal hier leben.
■ Neben Ihrem Musikerleben haben Sie und Ihre Frau vier Kinder. Wie sieht ein typischer Tag in Ihrem Leben aus, wenn Sie nicht auf Tour sind?
Einen normalen Alltag gibt es im Leben eines Musikers nicht. Ich liebe es allerdings, nicht immer von Montag bis Freitag gleich zu arbeiten, sondern nach verschiedenen Zeiten zu leben. Für den Familienalltag haben meine Frau und ich zum Glück Hilfe von unserer Familie, auf die wir zurückgreifen können.
■ Was denken Sie, wie Ihr Leben aussehen würde, wenn Sie nicht Musiker geworden wären?
Bevor ich als Musiker erfolgreich wurde, habe ich Maurer gelernt. Wahrscheinlich wäre ich irgendwo auf dem Bau oder als Bauführer tätig. Aber ganz ehrlich, für mich gab es nie etwas anderes als die Musik. Schon mit 12 habe ich gesagt: «Ich gehe auf die Bühne, dort bin ich zu Hause.»
■ Wenn jemand Ihre Musik noch nie gehört hat, mit welchen Liedern soll die Person anfangen?
Am besten mit «S Gröschte». Da kommt die Lebensfreude, die wir mit unserer Musik verkörpern wollen, gut zum Vorschein. «Lüüt so wie mer» ist auch ein wichtiges Lied, in dem es darum geht, was wir hier haben und wofür wir stehen. Zum Schluss darf «Chliini Händ», unser Hit, das Lied, das die meisten in der Schweiz kennen, nicht fehlen. Dieses Lied zeigt die Energie von «Kunz» sehr gut. Zu verstehen, was das bedeutet, denke ich, ist ohnehin das Wichtigste.
Zur Person lw.
Marco Kunz (41) wuchs im luzernischen Mauensee auf. Bevor er unter dem Namen «Kunz» mit Mundartmusik bekannt wurde, absolvierte er eine Maurerlehre und sang in der Acappella-Gruppe «a-live». Sein erstes Album «Eifach so» erschien 2014. 2022 gewann er zwei Swiss Music Awards: als bester männlicher Act und für sein Album «Mai». Im Februar veröffentlichte er sein siebtes Studioalbum «Stadt Land Fluss Poet». Kunz und seine Frau haben vier Kinder.


