Tschernobyl-Katastrophe
28.04.2026 BRIEFEUnverantwortlicher Umgang
Zum Artikel «Die Katastrophe, welche die Welt veränderte» in der «Volksstimme» vom 24. April, Seite 7
Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl ein Unfall: Der vierte Reaktor explodierte ...
Unverantwortlicher Umgang
Zum Artikel «Die Katastrophe, welche die Welt veränderte» in der «Volksstimme» vom 24. April, Seite 7
Am 26. April 1986 ereignete sich im Kernkraftwerk Tschernobyl ein Unfall: Der vierte Reaktor explodierte und führte zu einem massiven Austritt von Radioaktivität. Ursache der Katastrophe waren gefährliche Reaktortests, die auf Anordnung Moskaus durchgeführt wurden. Die Schulen informierten, dass die Kinder zu Hause bleiben sollen. Daher dachten die Kinder, es sei Ferien. Doch die Situation war sehr gefährlich.
800 000 Menschen – hauptsächlich Wehrpflichtige und Reservisten – waren an den Aufräumarbeiten beteiligt und erhielten dabei hohe Strahlendosen. 350 000 Menschen wurden aus den umliegenden Siedlungen evakuiert und waren ebenfalls erheblichen Strahlendosen ausgesetzt. Die deutsche Organisation «Internationale Ärztinnen und Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges» geht von 264 000 Strahlentoten aus.
In der Sowjetunion wurden verschiedene Tragödien vertuscht. Am 28. April 1986 gaben die sowjetischen Behörden lediglich eine kurze Erklärung zu dem Unfall ab, und erst nachdem in Schweden erhöhte Strahlungswerte gemessen worden waren, wurde die Katastrophe öffentlich gemacht. Das Kernkraftwerk Tschernobyl liegt 100 Kilometer von der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw entfernt. Trotzdem ordnete Moskau am sechsten Tag nach dem Unfall eine Maifeier in Kyjiw und anderen ukrainischen Städten an, an der nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder teilnahmen.
Im Februar 2025 führte Moskau einen Angriff mit Drohnen vom Typ Shahed mit 50 Kilogramm Sprengstoff auf den Schutzsarkophag des Reaktors von Tschernobyl durch. Im März 2022 eroberten russische Truppen das Kernkraftwerk Saporischschja in der Ukraine und nutzen es seither als Militärstützpunkt. Im September 2022 schlug eine russische Rakete 300 Meter neben den Reaktoren des südukrainischen Kernkraftwerks ein und beschädigte die Gebäude. Diese russischen Akte des Nuklearterrorismus zielen darauf ab, die nukleare Sicherheit zu bedrohen, die eine Gefahr für den gesamten Kontinent darstellt.
Petro Sahun, Sahuniwka (Ukraine)
