Keine Steuern auf Trinkgelder
Was zunächst wie ein schlechter Scherz klang, hätte beinahe Realität werden können: Der Bund prüfte ernsthaft, elektronisch bezahlte Trinkgelder künftig mit AHV-Beiträgen und Steuern zu belasten. ...
Keine Steuern auf Trinkgelder
Was zunächst wie ein schlechter Scherz klang, hätte beinahe Realität werden können: Der Bund prüfte ernsthaft, elektronisch bezahlte Trinkgelder künftig mit AHV-Beiträgen und Steuern zu belasten. Begründet wurde dies mit der angeblichen «sozialen Absicherung» der Betroffenen. Doch sind wir ehrlich: Trinkgeld ist kein Lohnbestandteil, sondern eine freiwillige Anerkennung der Gäste für guten Service.
Gerade im Gastgewerbe arbeiten viele Menschen zu unregelmässigen Zeiten, also abends oder an Wochenenden und an Feiertagen, und das oft für vergleichsweise bescheidene Löhne. Das Trinkgeld ist deshalb ein wichtiger Zustupf und vor allem ein Zeichen der Wertschätzung. Wenn der Staat beginnt, auch noch diesen freiwilligen Beitrag zu besteuern, dann greift er den Arbeitenden damit direkt ins Portemonnaie.
Der Ständerat hat diesbezüglich zum Glück ein klares Zeichen gesetzt: Mit 42 zu 1 Stimmen hat er eine Motion angenommen, die solche Abgaben verhindern will. Dass ausgerechnet die Baselbieter Ständerätin Maya Graf als einzige für eine solche Belastung von Trinkgeldern stimmte, wirft Fragen auf. Wollen wir wirklich eine solche Vertretung für unseren Kanton im Ständerat? Trinkgeld ist eine freiwillige Geste der Anerkennung und kein Steuersubstrat für kreative Finanzpolitik. Es bleibt zu hoffen, dass auch der Nationalrat diese Einsicht teilt und dem Versuch, den Serviceangestellten noch den letzten Zustupf zu nehmen, eine klare Absage erteilt.
Sarah Regez, Sissach