«Triathlon ist mein Leben»
15.11.2024 SissachSabina Fenner (61) ist weltweit vorne mit dabei Schwimmen, Velofahren und Laufen sind die Leidenschaft der 61-jährigen Sissacherin Sabina Fenner. Die Triathletin gehört in ihrer Altersgruppe zu den Weltbesten.
Timo Wüthrich
Nach exakt 13 Stunden, 42 ...
Sabina Fenner (61) ist weltweit vorne mit dabei Schwimmen, Velofahren und Laufen sind die Leidenschaft der 61-jährigen Sissacherin Sabina Fenner. Die Triathletin gehört in ihrer Altersgruppe zu den Weltbesten.
Timo Wüthrich
Nach exakt 13 Stunden, 42 Minuten und 59 Sekunden war es im September so weit: Sabina Fenner überquerte die Ziellinie der Ironman-WM über die Langdistanz auf der «Promenade des Anglais» in Nizza. Dies tat sie als eine der schnellsten ihrer Altersklasse, in der 60- bis 64-jährige Frauen gewertet werden: Die Sissacherin klassierte sich auf dem 12. Platz.
Interessant am sportlichen Werdegang der 61-Jährigen ist, dass sie bis ins mittlere Alter alles andere als eine Leistungssportlerin war: «Bis Mitte 40 habe ich überhaupt keinen Sport getrieben. Als ein guter Freund von mir erkrankte und arbeitsunfähig wurde, begleitete ich ihn jeweils einen Tag pro Woche in den Wellness-Bereich eines Hallenbads. Eines Tages überwand ich mich, sprang beherzt ins daneben liegende Schwimmbecken und legte die ersten Meter zurück.»
Sabina Fenner hatte Blut geleckt und trainierte immer öfter. Nach zwei Jahren absolvierte sie die erste Seeüberquerung. Mit 47 Jahren begann sie mit dem Laufen. Durch Bekannte lernte sie schliesslich die Sportart Triathlon kennen, wenig später stand sie das erste Mal am Start eines Rennens über die Sprintdistanz.
Das Feuer war nun richtig entfacht und Fenner strebte nach mehr: Nach einigen Saisons, in denen sie Wettkämpfe auf den kurzen Distanzen bestritten hatte, folgte 2015 der Schritt zur Mitteldistanz. «Ein Jahr später, 2016, wollte ich es richtig wissen und absolvierte im Rahmen des ‹Ironman Switzerland› meinen ersten Langdistanz-Triathlon in Zürich. Ich finishte in meiner Altersklasse auf dem vierten Platz.» Sieben Jahre später gelang es der Sissacherin schliesslich, sich für die Weltmeisterschaft 2024 in Nizza zu qualifizieren.
Stundenlanges Training
3,8 Kilometer schwimmen, deren 180 auf dem Velo zurücklegen – an der Weltmeisterschaft mit 2500 Höhenmetern bestückt – und als «Dessert» ein Marathonlauf über 42,2 Kilometer: Um einen Langdistanz-Triathlon zu bewältigen, bedarf es unzähliger Stunden im Wasser, im Sattel und mit Laufschuhen. Was motiviert die Ausdauersportlerin, sich jede Woche viele Stunden dem Training zu widmen? «Mir gefällt der gesundheitliche Aspekt des Triathlons. Mit dem Athletiktraining laufen vier Sportarten ineinander, es entstehen keine einseitigen Belastungen», sagt Fenner. «Und es gibt nichts Schöneres, als sich in der Natur zu bewegen.» Ebenso fasziniere es sie, zu erleben, zu welch ausserordentlichen Leistungen der Körper auch im Alter noch fähig ist», so die passionierte Triathletin. Zum Beruf, in den sie aufgrund ihres 80-Prozent-Pensums viel Zeit investiert, kommen je nach Trainingsphase 14 bis 20 Stunden Sport pro Woche hinzu.
Im Triathlon stellt das Beenden eines Ironman-Langdistanz-Wettkampfs noch lange nicht das Ende der Fahnenstange dar. Der deutsche Extremsportler Jonas Deichmann stellte diesen Sommer einen unfassbaren Weltrekord auf: An 120 aufeinanderfolgenden Tagen absolvierte er je einen Triathlon über die Langdistanz. Solche Leistungen sind in anderen Sphären anzusiedeln. «Ob eine solche Belastung über einen langen Zeitraum wirklich gesund ist, steht auf einem anderen Blatt», kommentiert Fenner augenzwinkernd.
Doch die Sissacherin fügt hinzu: «Klar, auch ich hatte zwei bis drei Tage nach dem WM-Rennen in Nizza etwas Muskelkater in den Beinen, aber ich habe keine strukturellen Schäden oder Verletzungen davongetragen.» Das Beenden eines Triathlons über die Langdistanz an einem Tag sieht sie als sportliche Herausforderung, die im Grunde jeder gesunde Mensch mit genügend Vorbereitung und Willenskraft schaffen kann.
Bald Schluss?
Das nächste grosse Ziel der Ausdauersportlerin befindet sich am anderen Ende der Welt: Im neuseeländischen Taupo findet Mitte Dezember die Weltmeisterschaft über die Ironman-Halbdistanz statt. Dies kommt Fenner gelegen, denn das Reisen ist neben dem Sport ihre grösste Leidenschaft. Wie ihre sportliche Karriere nach diesem Rennen für sie weitergeht, wird sich zeigen: «Ich habe immer gesagt, dass ich nach dieser WM über die Halbdistanz meine Wettkampf-Karriere beende. Über zehn Jahre habe ich Woche für Woche nach Trainingsplänen gelebt», so die 61-Jährige. «Dann ist Schluss! Ob mir dies wirklich gelingt, steht noch in den Sternen. Meine Freunde lachen auf jeden Fall herzhaft darüber.»