Töne aus dem Baselbiet
12.03.2026 BaselbietVerschiedene Organisationen informieren via Podcast
Im Baselbiet haben Organisationen und Einzelpersonen den Podcast entdeckt. Sie nutzen das Medium als modernes Mittel, um Themen in die Region zu tragen und gehört zu werden.
Melanie Frei
Wer heute ...
Verschiedene Organisationen informieren via Podcast
Im Baselbiet haben Organisationen und Einzelpersonen den Podcast entdeckt. Sie nutzen das Medium als modernes Mittel, um Themen in die Region zu tragen und gehört zu werden.
Melanie Frei
Wer heute auf dem Weg zur Arbeit die Ohrstöpsel einsteckt, hört vielleicht nicht mehr nur Musik oder Radio. Immer öfter sind es Stimmen aus der Region: ein Psychiater aus Liestal, der über Sucht spricht. Ein Unternehmer aus Reinach, der von seinem Lebensweg erzählt. Ein Journalist, der alleine in seinem Heimstudio über die Kantonshauptstadt sinniert. Das Baselbiet podcastet.
Psychische Erkrankungen werden noch immer häufig tabuisiert oder stigmatisiert. Das ist der Ausgangspunkt des Podcasts «Psychoversum» der Psychiatrie Baselland (PBL) in Liestal. Seit dem Start der Reihe 2025 sprechen Fachpersonen über Themen aus ihrem Klinikalltag, schildern anonymisierte Fallbeispiele und beantworten Fragen, die Zuhörende vorab über Social Media einreichen können.
«Podcasts bieten die Möglichkeit, offen über sensible Themen zu sprechen, ohne dass Bewegtbilder eingesetzt werden müssen», sagt Joëlle Beeler, Leiterin Kommunikation und Marketing der PBL. Das Audioformat schaffe einen authentischen Raum, der zugleich eine gewisse Anonymität ermögliche. Früher informierte die Psychiatrie die Bevölkerung – mit überschaubarer Reichweite – über Vorträge vor Ort. Heute sind die Episoden jederzeit auf «Spotify» und «Apple Podcasts» abrufbar.
Allein auf «Apple Podcasts» zählt «Psychoversum» rund 2443 Wiedergaben und 298 Follower. Eine Folge über Social Media und künstliche Welten bei Kindern und Jugendlichen wurde insgesamt etwa 690-Mal abgespielt. Der Podcast ist ein Produkt der internen Kommunikationsabteilung; Moderation und Produktion werden von zwei Externen aus der Region übernommen. Und er hat überregionale Anerkennung erhalten: «Psychoversum» kann sogar für den Publikumspreis der Suisse Podcast Awards nominiert werden.
Wirtschaft mit Gesicht
Zwei Podcastreihen betreibt die Handelskammer beider Basel und die Themen könnten unterschiedlicher kaum sein: Menschen und Mobilität. Mit «Wirtschaft on Air» (bisher 36 Episoden) porträtiert die Handelskammer Wirtschaftsvertreterinnen und -vertreter aus der Region. Neben persönlichen Geschichten und humorvollen Anekdoten stehen aktuelle Herausforderungen und Handlungsfelder im Mittelpunkt.
«Unser Ziel ist es, das Verständnis für unternehmerisches Handeln und Denken zu fördern», schreibt Kommunikationsleiterin Jasmin Fürstenberger auf Anfrage. Der Podcast entstehe in Zusammenarbeit mit «PrimeNews»; Journalist Christian Keller führe die Gespräche und übernehme die Produktion. Das Format ist Teil des Engagements «Wirtschaft in bester Gesellschaft».
Mit «Basel tracks» widmet sich die Handelskammer einem konkreten Infrastrukturthema: der trinationalen S-Bahn. Die bisher sechs Episoden werden inhouse produziert.
Im Haus der Wirtschaft in Pratteln läuft das Mikrofon fast ununterbrochen. Mit «HDW Off The Record» erscheint wöchentlich ein Podcast, der Politik, KMU-Wirtschaft, Bildung und Gesellschaft beleuchtet. Moderiert wird er von Michael Köhn, stellvertretendem Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. Produziert wird die Reihe von der hauseigenen Full-Service-Agentur IWF AG. Das Haus der Wirtschaft setzt nicht nur auf das Audioformat, sondern auch auf Videopodcasts auf ihrem «YouTube»-Kanal.
Daneben verantworten sie den Energie-Liga-Podcast, der monatlich erscheint und der sich mit Energiepolitik und Energieversorgung mit regionalen und nationalen Gästen auseinandersetzt. Mit Christine Frey, Präsidentin der Energie Liga, ist eine feste Stimme in jeder Folge dabei.
Der Aufwand pro Folge liege in der Regel bei rund einer Stunde Aufnahme plus Vor- und Nachbereitung, so Köhn. Die Podcasts werden über den «Standpunkt der Wirtschaft», die eigene Website und den wöchentlichen Newsletter beworben. Perspektivisch plant die Wirtschaftskammer zusätzlich einen Podcast, der sich noch stärker mit KMU-Themen befassen soll.
Eine Stimme für Liestal
Während Handels- und Wirtschaftskammer mit Agentur und Infrastruktur im Rücken produzieren, macht Daniel Aenishänslin sein «Stadtgspröch» alleine. Print, Fernsehen und Radio hat er alles schon gemacht. Den Podcast noch nicht. Der erfahrene Journalist und auch Schreiber für diese Zeitung produziert mit «Stadtgspröch» eine One-Man-Show über und für Liestal. «Ich war schon lange der Meinung, dass es mehr aus der Kantonshauptstadt zu berichten gibt», sagt er. Für das Audioformat hat er sich bewusst entschieden: «Um ein Gespräch zu filmen, braucht es mindestens drei Kameras, wovon zwei bedient sein sollten. Das braucht schnell viel Geld.»
Und der Aufwand ist schon ohne Video beträchtlich: Mit Ausnahme eines einzigen Gesprächs sind alle Folgen sorgfältig vorbereitet. Vorbereitung, Aufnahme, Schnitt und Verbreitung beanspruchen gut zwei Tage Arbeit pro Episode. Das Projekt ist querfinanziert.
Die Reichweite ist lokal und doch überraschend weit: Zwischen 200 und 1000 nachweisbare Klicks verzeichnet Aenishänslin pro Folge. Nicht alle Hörenden kommen aus Liestal. Der Sohn von Stadtoriginal Hanspeter Meyer etwa schaltet sich aus Australien zu. Das Feedback sei fast durchgehend positiv, wenngleich Aenishänslin das nüchtern einordnet: «Es ist einfacher, jemandem zu sagen, dass man seine Arbeit gut findet, als umgekehrt.»
Das Gemeinsame dieser vier Projekte ist nicht nur das Format, sondern die Haltung dahinter: Nähe. Zur Region, zu den Menschen, zu den Themen. Der Podcast ersetzt keine Zeitung, kein Radio, keine Veranstaltung. Aber er ergänzt sie auf eine Art, die etwas Besonderes hat: Er kommt mit, wenn man geht. Im Fall vom «Stadtgspröch» sogar bis nach Australien.
