Theater Palazzo erliegt Struktur-Problemen
23.05.2025 Bezirk LiestalDas Kinder- und Jugendtheater muss den Betrieb einstellen
Die angefangene Spielzeit wird das Theater Palazzo am Liestaler Bahnhof noch abschliessen. Aber Ende August ist Schluss: Der Verein «Neues Theater Palazzo» wird sich auflösen, nachdem alle Sanierungsversuche ...
Das Kinder- und Jugendtheater muss den Betrieb einstellen
Die angefangene Spielzeit wird das Theater Palazzo am Liestaler Bahnhof noch abschliessen. Aber Ende August ist Schluss: Der Verein «Neues Theater Palazzo» wird sich auflösen, nachdem alle Sanierungsversuche gescheitert sind.
Peter Sennhauser
Die Rechnung kann auf Dauer nicht aufgehen: In einem Kindertheater kann man nicht mehr als 10 Franken Eintritt verlangen – «und bei 70 Plätzen im Publikum kann man damit auch bei vollem Haus nicht kostendeckend wirken», sagt die künstlerische Leiterin des Theaters Palazzo, Cynthia Coray. Dabei seien die Besucherzahlen unter ihrer Leitung gestiegen. Aber insgesamt – das muss sie zusammen mit dem Vorstand des Trägervereins feststellen – lässt sich der Betrieb trotz Hilfe von Stadt und Kanton nicht aufrechterhalten.
Dabei war Coray vor rund eineinhalb Jahren voller Optimismus angetreten und hatte mit dem Trägerverein und dessen neu konstituiertem Vorstand einen ambitionierten Sanierungsplan für das Theater aufgesetzt. «Wir haben über 20 Stiftungen angeschrieben und weitere Unterstützung gesucht», sagt Coray, «doch leider waren wir damit nicht erfolgreich. Wir sind aber im Austausch mit dem Kanton zur Zukunft des Kinder- und Jugendangebots, unabhängig von einer Trägerschaft.»
Zugleich sei es ihr aber absolut wichtig gewesen, einen soliden und seriösen Betrieb zu führen. Als Beispiel führt sie an, dass sie den Anspruch hatte, mit den sechs Mitarbeitenden in Kleinstpensen Jahresgespräche zu führen und ihnen Möglichkeiten zur Weiterentwicklung zu bieten.
Vereinspräsidentin Sanja Arcerito ergänzt, dass sich auch der ehrenamtlich arbeitende Vorstand des Vereins bemüht habe, den Betrieb, den man mit einem strukturellen Defizit bereits überschuldet übernommen habe, auf eine solide Basis zu stellen.
Das Schiff in den Hafen bringen
Immer deutlicher aber habe sich gezeigt, schildern die beiden Frauen übereinstimmend, dass im vorliegenden Setting ein Betrieb mit diesem Anspruch nicht möglich ist. «Uns blutet das Herz», so Arcerito, «aber wir haben uns entschieden, das havarierte Schiff immerhin noch mit Würde in den Hafen zu bringen.» Sprich: Die Insolvenz mit entsprechenden Nachteilen für Lieferanten und Mitarbeitende zu vermeiden.
Für das Scheitern könne weder die Pandemie noch sonst irgendein einzelner Umstand verantwortlich gemacht werden. Es seien «strukturelle und infrastrukturelle Probleme», mit denen das Theater zu kämpfen hatte. Zu den Letzteren gehört die nach wie vor ausstehende Sanierung des Gebäudes selbst, bis hin zur gesetzlich geforderten baulichen Anpassung, um barrierefrei zu werden. Die Gebäudeeigentümerin, Niggi Messerlis Kulturhaus Palazzo AG, habe im Rahmen ihrer Möglichkeiten geholfen, sagt Arcerito. Trotzdem hätten Investitionen wie die Anschaffung eines Computers oder die Gestaltung eines neuen Logos, aber auch Werbung und Social Media den Rahmen dessen gesprengt, was man mit ohnehin klammen Finanzen stemmen könne, so Cynthia Coray.
Und selbst wenn jemand dem Theater eine Finanzspritze verabreichen würde, eine nachhaltige Lösung wäre dies nicht, betonen Coray und Arcerito. Während Coray mit einem 60-Prozent-Pensum alle zusätzlichen Herausforderungen und Personalausfälle zu bewältigen hatte, arbeiteten die Mitglieder des Vereins, alle voll berufstätig, unentgeltlich. «Irgendwann ist man dann auch einfach müde», sagt Coray. Und Arcerito beschreibt, sie hätte nie aufgegeben, neue Mitwirkende für den Vorstand zu finden – angesichts der Schieflage des Vereins jedoch ohne jeden Erfolg.
Wenn sie einen Weg gefunden hätten, wie es hätte klappen können, hätten sie ihn eingeschlagen, sagen die beiden Frauen. «Wenn jemand anderes kommt, der es versuchen will: Ich würde mich sehr freuen», sagt Coray. Aber Tipps geben könne sie nicht – sie sei in diesem Fall mit ihrem Latein am Ende.


