Temperaturen wie an Eisheiligen – und wie an Hundstagen …
09.06.2026 Baselbiet… und das innerhalb eines halben Monats
Dass wegen des Klimawandels vermehrt mit Hitzewellen, Trockenzeiten, Stürmen und Starkregen zu rechnen ist, haben die meisten gemerkt. Der krasse Temperaturanstieg wie in diesem Mai hat trotzdem viele überrascht.
...… und das innerhalb eines halben Monats
Dass wegen des Klimawandels vermehrt mit Hitzewellen, Trockenzeiten, Stürmen und Starkregen zu rechnen ist, haben die meisten gemerkt. Der krasse Temperaturanstieg wie in diesem Mai hat trotzdem viele überrascht.
Heinz Döbeli
Auch ich wurde auf dem falschen Fuss erwischt. Aufgrund der Erfahrungen der vergangenen Jahre wage ich es seit mehreren Jahren, Tomaten lange vor den Eisheiligen ins Freiland zu setzen. Dieses Jahr begann ich damit Ende April. Als dann die Meteorologen für die Eisheiligen vor Bodenfrost warnten, räumte ich alle Setzlinge in den Keller, und bereits gesetzte Pflanzen deckte ich mit Pflanzkübeln zu. Das war ziemlich aufwendig, aber alle Setzlinge haben überlebt, trotz Temperaturen von nur knapp über null Grad. Kurz nach der Kalten Sophie folgte der nächste Schock: Das Thermometer zeigte 30 Grad.
Die Pflanzen im Freiland mussten zwei Probleme lösen. Einmal mussten sie die Eisheiligen überleben und als Nächstes die Hitze und die Trockenheit. Der zarte Kopfsalat hatte Mühe mit dieser klimatischen Kneippkur – ob er es je auf den Teller schafft, ist unsicher. Der Lattich von Pro Specie Rara hatte einen temporären Durchhänger, erholte sich aber vollständig. Unbeeindruckt zeigte sich der Löwenzahn. Seine jungen Blätter gelten auch als Salat, aber der ist bitter. Junge Gierschsprosse bevorzuge ich. Auch diese blieben ohne Schäden.
Die «Tricks» der Pflanzen
Pflanzen, die bei uns heimisch sind, können mit solchen Wetterkapriolen umgehen. Dazu nutzen sie mehrere «Tricks». Am einfachsten zu verstehen sind Frostschutzmittel: Was im Kühlwasser unserer Autos das Ethylenglykol ist, ist bei Pflanzen Zucker. Sowohl Ethylenglykol als auch Zucker bewirken, dass Wasser erst bei tieferen Temperaturen gefriert. Weiter können einige Pflanzen das Gefrieren des Wassers so steuern, dass es ausserhalb der Zellen einfriert. Beim Gefrieren dehnt sich das Wasser aus; Pflanzenzellen werden so geschädigt wie volle Glasflaschen im Tiefkühlschrank. Auch gegen Hitze und Trockenheit haben viele Pflanzen «Tricks».
Diese «Tricks» sind in den Genen verankert. Über lange Zeit haben sich die hiesigen Pflanzen an unser wechselhaftes Klima angepasst. Oberstes Ziel dieses Prozesses war das langfristige Überleben. Pflanzenzüchter haben meist andere Optimierungsziele. Das können kulinarische Kriterien sein (zarte Blätter), optische Erscheinung (grosse Kirschen), Haltbarkeit und Transportfähigkeit (Tomaten). Mehrere Eigenschaften gleichzeitig zu optimieren, ist schier unmöglich. Oft leiden andere Eigenschaften wie Geschmack (die meisten kaufen mit den Augen ein, nicht mit dem Geschmackssinn), Toleranz gegen Frost, Trockenheit oder Schneckenfrass (Bitterstoffe).
Gut angewachsene Rosen sind erstaunlich gut gegen Hitze und Trockenheit gewappnet. Das beobachtete ich in meinem Garten und auch bei Nachbarn. Ebenso scheint der Temperatursprung bei den Rosen sowohl bei einer Kollegin in Attenschwiller (im Elsass) als auch im Kreuzgang des Basler Münsters keinerlei Schäden hinterlassen zu haben. Einzig die Blühdauer scheint sich bei Hitzewellen zu verkürzen, dafür blühen sie intensiver.
Die Resistenz gegen Hitze und Trockenheit verdanken die Rosen vor allem ihren tiefen Pfahlwurzeln. Deshalb ist es hilfreich, wenn man sie nicht mit zu häufigem Giessen und Düngen «verhätschelt». Lieber in grösseren Zeitabständen giessen und dafür reichlich, damit das Wasser in tiefere Bodenschichten versickert und so die Wurzeln dorthin gelockt werden.

