Tanzsaal gerettet, «Rössli» verloren
18.08.2026 BRIEFEZum Artikel «Das ‹Rössli› steckt in der Zwickmühle» in der «Volksstimme» vom 14. August, Seite 5
Als Genossenschaftsmitglied und Einwohner von Wintersingen macht mich der Bericht über die Zukunft des «Rössli» betroffen und ...
Zum Artikel «Das ‹Rössli› steckt in der Zwickmühle» in der «Volksstimme» vom 14. August, Seite 5
Als Genossenschaftsmitglied und Einwohner von Wintersingen macht mich der Bericht über die Zukunft des «Rössli» betroffen und auch ratlos. Da versucht
eine Genossenschaft, mitten im Dorf etwas Neues entstehen zu lassen: altersgerechte Wohnungen, ein Restaurant als Treffpunkt, damit wieder Leben in ein Gebäude einkehrt, das heute leer steht. Doch statt diesen Einsatz zu unterstützen, werden Forderungen gestellt, die das Projekt wirtschaftlich immer schwieriger machen.
Beispielhaft ist der Tanzsaal. Für die Denkmalpflege ist er das «Herzstück des Gasthauses» und deshalb erhaltenswert. Nur stellt sich die einfache Frage: Wer braucht diesen Tanzsaal heute noch? Es ist leicht, den Erhalt eines Gebäudeteils zu verlangen, wenn man die Kosten nicht selbst tragen muss. Für eine Genossenschaft muss ein Projekt aber finanzierbar bleiben. Wohnungen müssen zu tragbaren Preisen vermietet werden können.
Genau hier liegt das Problem: Mit solchen Auflagen schützt man ein Gebäude nicht zwingend, sondern riskiert das Gegenteil. Wird eine wirtschaftlich sinnvolle Erneuerung verhindert, verliert das «Rössli» an Attraktivität für Investoren. Im schlimmsten Fall findet sich niemand mehr, der das Risiko trägt. Das Gebäude bleibt leer, verfällt weiter und wird zum Schandfleck mitten in Wintersingen. Dann wäre zwar der Tanzsaal gerettet – das «Rössli» aber unter Umständen nicht.
Vielleicht sollte der Kanton deshalb eine Kasse schaffen: Immer wenn denkmalpflegerische Auflagen eine sinnvolle und finanzierbare Erneuerung verhindern oder massiv verteuern, könnte diese die Mehrkosten übernehmen. So wäre auch der Erhalt des Tanzsaals für kommende Generationen gesichert. Finanziert werden sollte dies nicht durch neue Steuern, sondern aus dem Budget der Denkmalpflege. Reicht dieses nicht, müsste man auch dort über Einsparungen nachdenken. Wer Kosten verursacht, sollte auch Verantwortung tragen.
Ich habe nichts gegen Denkmalschutz. Aber er braucht Augenmass. Es kann nicht sein, dass einzelne Teile so geschützt werden, dass am Ende das ganze Gebäude verloren geht. Das «Rössli» braucht eine Zukunft – nicht nur eine Vergangenheit.
Urs Weber, Wintersingen
