Tankstelle wird «überrannt»
12.03.2026 BaselbietEnergiepreise steigen wegen Iran-Kriegs
Die «Volksstimme» hat eine Umfrage unter Tankstellenbetreibern durchgeführt. Das Ergebnis: Die Preise für Benzin und Diesel sind aufgrund des Kriegs im Nahen Osten um rund 10 Prozent gestiegen. Doch das könnte erst der ...
Energiepreise steigen wegen Iran-Kriegs
Die «Volksstimme» hat eine Umfrage unter Tankstellenbetreibern durchgeführt. Das Ergebnis: Die Preise für Benzin und Diesel sind aufgrund des Kriegs im Nahen Osten um rund 10 Prozent gestiegen. Doch das könnte erst der Anfang sein.
Paul Aenishänslin
Der Krieg im Nahen Osten und die damit verbundene Sperrung der wichtigen Strasse von Hormus vor dem Iran haben auch Auswirkungen auf die Treibstoffpreise im Oberbaselbiet. Über diese Meerenge werden rund 20 Prozent der weltweiten Erdölförderung verschifft. Eine Umfrage der «Volksstimme» von gestern Mittwoch bei regionalen Tankstellen zeigt: Die Preise sind deutlich gestiegen.
Vor rund drei Wochen kostete ein Liter bleifreies Benzin 95 Oktan im Durchschnitt noch etwa 1.50 Franken. Heute liegt der Preis im Schnitt bei rund 1.66 Franken pro Liter – ein Anstieg um etwa 15 Rappen oder rund 10 Prozent. Unsere Umfrage zeigt zudem, dass sich die Angebote der verschiedenen Tankstellen nur geringfügig unterscheiden. Bleifrei 95 kostet derzeit häufig um die 1.65 Franken pro Liter, wobei die nicht öffentliche Tankstelle des Kantons beim A2-Werkhof in Sissach nur 1.46 Franken verlangt. Die Nutzung dieser Tankstelle ist den Kantonsangestellten vorbehalten. Super 98 bewegt sich je nach Tankstelle im Oberbaselbiet zwischen 1.74 Franken und 1.86 Franken, während Diesel durchschnittlich etwa 1.86 Franken pro Liter kostet.
Eine der günstigsten Anbieterinnen beim bleifreien Benzin 95 (1.61 Franken) sowie beim Diesel (1.83 Franken) ist derzeit die kleine Tankstelle der Nebiker AG in Sissach. Laut Inhaberin Susanne Nebiker ist die Nachfrage dort entsprechend hoch: Ihre Tankstelle werde derzeit «richtig überrannt», berichtet sie.
Wie sich die Preise weiter entwickeln werden, lässt sich derzeit kaum abschätzen. Eine Vertreterin der Agrola AG, die Tankstellen in Gelterkinden und Bubendorf betreibt, verweist darauf, dass vieles davon abhänge, ob die Prognose von Donald Trump zutreffe. Der US-Präsident hatte Anfang Woche erklärt, der aktuelle Nahostkonflikt rund um den Iran könne bald wieder beendet sein. Sollte der Krieg jedoch länger dauern, könnten die derzeitigen Entwicklungen erst der Beginn einer längeren Phase steigender Energiepreise sein, so die Agrola-Vertreterin.
Auch beim Heizöl zeigt sich die Entwicklung bereits deutlich. In den vergangenen zweieinhalb Wochen sind die Preise kontinuierlich gestiegen. Bei der Agrola AG kostet Heizöl derzeit 116.15 Franken pro 100 Liter, bei der Nebiker AG rund 120 Franken.
Wie sich die Lage weiter entwickelt, bleibt ungewiss. Viel wird davon abhängen, wie rasch der aktuelle Konflikt rund um den Iran beendet werden kann. Für Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet dies vorerst vor allem eines: eine Phase der Unsicherheit und höhere Ausgaben bei den Energiepreisen.
Das sagt der Benzinpreisradar
Ein Blick auf den gesamtschweizerischen Benzinpreisradar des Touring Clubs Schweiz (TCS) zeigt, dass sich die Entwicklung auch landesweit bemerkbar macht. Gemäss der Auswertung von rund 3200 Tankstellen ist der Dieselpreis seit Ausbruch des Iran-Kriegs innerhalb von zehn Tagen durchschnittlich um 8,6 Prozent gestiegen – von 1.75 auf rund 1.90 Franken pro Liter. Beim Benzin fiel der Anstieg etwas moderater aus: Bleifrei 95 verteuerte sich im gleichen Zeitraum um rund 3,7 Prozent auf durchschnittlich etwa 1.70 Franken pro Liter. Die Daten basieren auf Preisangaben von Nutzerinnen und Nutzern und gelten als Indikator für die aktuelle Entwicklung an den Schweizer Tankstellen.
Deutschland hat inzwischen angekündigt, wegen der stark gestiegenen Ölpreise einen Teil seiner strategischen Ölreserven freizugeben, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA schreibt. Insgesamt hält das Land Vorräte für mindestens 90 Tage; rund 19,5 Millionen Barrel – etwa ein Fünftel der deutschen Reserven – könnten nun auf den Markt kommen, um die angespannten Energiemärkte zu beruhigen und den Preisanstieg zu dämpfen.

