Täter empfing Polizei mit blutigen Händen
10.12.2024 BaselbietVor rund vier Jahren hat ein heute 60-jähriger Mann in Pratteln seine Schwiegertochter mit zahlreichen Messerstichen getötet. Der Tat vorausgegangen waren heftige Streitigkeiten, worauf der Täter den Plan fasste, die Mutter seines Enkels zu töten.
Thomas ...
Vor rund vier Jahren hat ein heute 60-jähriger Mann in Pratteln seine Schwiegertochter mit zahlreichen Messerstichen getötet. Der Tat vorausgegangen waren heftige Streitigkeiten, worauf der Täter den Plan fasste, die Mutter seines Enkels zu töten.
Thomas Immoos
Im Sommer 2015 sollten zwei Brüder Doppelhochzeit feiern. Doch eine der Verlobungen scheiterte noch vor dem Fest. Deshalb machten Verwandte Valon* mit einer Frau aus seiner Heimat Kosovo bekannt. In der Folge kam es dann mit ihr doch noch zur geplanten Doppelhochzeit. Und schon ein Jahr später waren Valon und Lumi Eltern eines Sohnes.
Zufällig erfuhr Lumi davon, dass ihr Mann vor der Ehe bereits verlobt gewesen war. Sie war enttäuscht und fühlte sich betrogen. Die Ehe begann zu kriseln. Valon sagte ihr schliesslich, dass er sie nie geliebt habe. Es kam zu lautstarken Auseinandersetzungen; der Mann schlug seine Frau. Das Ehepaar erwog die Trennung. Noch 2019 fand ein vermittelndes Treffen des Ehepaars mit den Vätern des Paares im Kosovo statt.
Mord war geplant
Die Lage verschlimmerte sich aber weiter, zumal sich Valons Eltern in die Beziehung des jungen Ehepaares regelmässig einmischten. Vor allem der Vater Ardit «zog die Fäden» einer Intrige mit dem Ziel, die ungeliebte Schwiegertochter loszuwerden. So wurde Valon geraten, belastendes Material gegen seine Frau zu sammeln. Zu diesem Zweck installierte er eine Kamera in der Wohnung. Damit sollte gezeigt werden, wie Lumi ausrastete, während Valon ruhig blieb. Auch hetzten sich die weiteren Angehörigen regelrecht gegenseitig gegen die Ehefrau Valons auf. Sie beschimpften Lumi unter anderem als «Gesichtslose» und «dumme Kuh». Man wollte Lumi auch als psychisch krank und als schlechte Mutter darstellen.
Und der Vater erkundigte sich im Internet, wer das Sorgerecht im Fall einer Scheidung erhalten würde. Und ob es vorteilhafter wäre, wenn Valon mit Lumi in den Kosovo zöge, um sich dort scheiden zu lassen. Ardit suchte nach Wegen, Lumi loszuwerden. «Dabei zog er auch die Tötung seiner Schwiegertochter in Erwägung», heisst es in der Anklageschrift.
Am 20. Juli 2020 suchte Lumi ihren Schwiegervater in dessen Wohnung in Pratteln auf, um ihn nach einem weiteren heftigen Streit mit Valon um Rat zu fragen. Im Verlauf des Gesprächs erklärte sie, zur Polizei gehen zu wollen. Daraufhin eskalierte der Streit, in dessen Verlauf Ardit Lumi vorwarf, seine Familie kaputtmachen zu wollen. In der Folge wies Ardit seine Frau, die Schwiegermutter Lumis, an, den Enkel zu nehmen und die Wohnung zu verlassen. Ardit schloss die Tür und versperrte Lumi die Möglichkeit, allenfalls über den Balkon zu fliehen. Er ging mit einem gezackten Rüstmesser auf seine Schwiegertochter los. Mit einem Stich in den Hals verletzte er sie an der Halsvene. Nach zahlreichen weiteren Messerstichen in Hals, Gesicht und an den Händen sackte Lumi schliesslich zusammen und verblutete. Todesursache war letztlich eine Lungenembolie.
Niederträchtige Motive
Als Lumi sterbend am Boden lag, verabschiedete er sich von ihr und ging danach ins Badezimmer, um seine Hände zu waschen. Auch zog er sich ein neues T-Shirt an. Die Schreie der Frau waren auch ausserhalb der Wohnung zu hören. Ohrenzeugen waren sowohl Ardits Frau als auch dessen Mutter und der vierjährige Enkel. Jemand hatte dann wohl die Polizei gerufen. Als die Polizei an der Wohnungstür klingelte, öffnete Ardit mit dem Messer in der Hand. «Ruhig und abgeklärt», gemäss Anklageschrift, sagte er, dass er soeben seine Schwiegertochter getötet habe.
Die Anklageschrift schildert, wie Ardit den Plan, Lumi zu töten, gefasst hatte, weil sie seine Familie zerstören wollte. Und um sicherzugehen, dass sein Enkel bei ihm beziehungsweise dem Ehemann bleiben konnte, was im Fall einer Scheidung vermutlich nicht der Fall gewesen wäre. «Aus besonders niederträchtigen und belanglosen Motiven» hat Ardit die Tötung Lumis geplant und schliesslich ausgeführt, schreibt die Staatsanwaltschaft in der Anklageschrift weiter. Deshalb lautet die Anklage auf Mord.
Seit 2022 befindet sich Ardit im vorzeitigen Strafvollzug. Für die Verhandlungen vor dem Strafgericht in Muttenz sind zwei Tage angesetzt; das Urteil soll kommende Woche gefällt werden. Dem Täter droht lebenslange Haft. Der Fall wird am 11. Dezember verhandelt. Bis dahin gilt die Unschuldsvermutug.
*Alle Namen geändert.
