SVP-Landrat will Allianz mit Linken schmieden
11.03.2025 BaselbietMehrere Dörfer im Oberbaselbiet sollen vom regulären Busverkehr abgeschnitten werden. Der Diegter SVP-Landrat Matthias Ritter will sich im Parlament dagegen wehren. Er sagt, dass der geplante öV-Abbau den Gemeinden auf dem Land schade.
Janis Erne
...Mehrere Dörfer im Oberbaselbiet sollen vom regulären Busverkehr abgeschnitten werden. Der Diegter SVP-Landrat Matthias Ritter will sich im Parlament dagegen wehren. Er sagt, dass der geplante öV-Abbau den Gemeinden auf dem Land schade.
Janis Erne
Der Diegter SVP-Landrat Matthias Ritter ist nicht einverstanden damit, dass aus Kostengründen in seinem Wahlkreis drei Buslinien gestrichen werden sollen. «Das geht nicht», sagt der Diegter. Alle Menschen im Baselbiet hätten ein Recht auf attraktive ÖV-Verbindungen. Für Ritter muss jedes Dorf an sieben Tagen in der Woche mindestens stündlich und bis Mitternacht angefahren werden.
Andernfalls, so Ritter, bestehe die Gefahr, dass die Dörfer auf dem Land allmählich aussterben oder zumindest an Bevölkerung verlieren. Er kenne persönlich ein Ehepaar aus Bretzwil, das sein Haus verkaufen wolle – unter anderem wegen der bevorstehenden Umstellung des Busbetriebs in ihrer Gemeinde.
Der Kanton will die Linie 74 zwischen Bretzwil und Reigoldswil durch einen Schulbus und einen kommunalen Fahrdienst ersetzen. Für Ritter der falsche Ansatz: «Damit werden nicht nur fast 750 Personen in Bretzwil vom öV-Netz abgeschnitten, sondern auch mehr als 300 Personen in Lauwil.» Das Mindeste wäre, so Ritter, den Schulbus für alle Fahrgäste freizugeben. Dies wird derzeit vom Kanton geprüft.
Das ganze Oberbaselbiet im Blick
Von den geplanten Kürzungen betroffen sind auch die Linien 92 (Hölstein–Bennwil–Oberdorf–Liedertswil) und 93 (Lausen–Ramlinsburg–Lampenberg), die auf Ende Jahr durch Rufbusse ersetzt werden sollen. Während einige Gemeinderäte (Bennwil oder Lampenberg) dies als Chance sehen, sind andere (Ramlinsburg) deutlich skeptischer. Ritter, der dem zurzeit laufenden Rufbus-Testbetrieb nicht grundsätzlich abgeneigt ist, hat ebenfalls Bedenken: «Das Bestellen und Warten auf den Rufbus ist für die Fahrgäste deutlich umständlicher als der Linienbetrieb.»
Kurzum: Matthias Ritter hält es für falsch, beim öffentlichen Verkehr zu sparen – zumal der Kanton für andere Projekte «Millionen an Franken aus dem Fenster wirft». Der Diegter Landrat verweist dabei zum Beispiel auf die Evaluation des künftigen Kantonsspitalstandorts, den Rückbau der Birsbrücke oder die Mehrkosten bei der Hochwasserschutzsanierung in Niederdorf.
Ritter will sich in der Bau- und Planungskommission des Landrats, der er seit 2015 angehört und die sich in wenigen Tagen wieder trifft, gegen den geplanten ÖV-Abbau im Oberbaselbiet einsetzen. Dabei hat er nicht nur seinen Wahlkreis im Blick, sondern beispielsweise auch die Gemeinde Hemmiken, die nach 20 Uhr vom ÖV-Netz abgeschnitten werden soll.
Ob Ritter die nötige Allianz mit Parlamentarierinnen und Parlamentariern anderer Parteien schmieden kann? Unwahrscheinlich ist es nicht – denn auch Mitglieder von SP, Grünen und EVP stehen der Streichung von regulären Buslinien skeptisch gegenüber, wie die Vernehmlassung zum ÖV-Programm für die Jahre 2026 bis 2028 gezeigt hat (die «Volksstimme» berichtete).

