Stromtarife
24.09.2026 BRIEFEVorreiter der Energiewende werden benachteiligt
Replik zum Artikel «EBL-Strompreise sinken – aber mit Haken» in der «Volksstimme» vom 17. September, Seite 5
Mit den neuen Stromtarifen der Elektra Baselland werden ausgerechnet jene ...
Vorreiter der Energiewende werden benachteiligt
Replik zum Artikel «EBL-Strompreise sinken – aber mit Haken» in der «Volksstimme» vom 17. September, Seite 5
Mit den neuen Stromtarifen der Elektra Baselland werden ausgerechnet jene Haushalte stärker belastet, die früh auf die Energiewende gesetzt haben. Über Jahre wurden Hauseigentümer ermutigt, Photovoltaikanlagen zu installieren, Wärmepumpen einzubauen und auf Elektroautos umzusteigen. Viele haben dafür investiert. Nun wird mit dem neuen Leistungspreis monatlich die höchste 15-Minuten-Leistungsspitze verrechnet: 2.40 Franken pro kW und Monat bei 1,5 kW Freibetrag.
Die von der EBL angeführte Ersparnis greift zu kurz. Sie basiert auf einem durchschnittlichen Vierpersonenhaushalt mit 4500 kWh Jahresverbrauch. Dieser soll 2027 knapp 102 Franken weniger bezahlen. Für ein modernes Einfamilienhaus mit Wärmepumpe und Elektroauto ist dieses Verbrauchsprofil jedoch kaum realistisch. Solche Haushalte benötigen deutlich mehr Strom und erreichen höhere Leistungsspitzen. Ob sie tatsächlich sparen, lässt sich aus dem 4500-kWh-Beispiel nicht ableiten.
Gerade elektrifizierte Haushalte bildet sie nicht ab. Ein tieferer Arbeitspreis allein sagt noch nichts über die Jahresrechnung aus. Laufen Wärmepumpe, Kochgeräte und die Ladestation gleichzeitig, kann schon eine einzige Viertelstunde die Leistungskosten des ganzen Monats bestimmen. Wer diesen Effekt ausblendet, vermittelt ein unvollständiges Bild. Viele Verbraucher dürften deshalb mit den neuen Tarifen eine unangenehme Überraschung erleben.
Der Netzbetrieb muss finanziert werden. Doch die neue Struktur setzt fragwürdige Anreize: Wer weiterhin mit Öl oder Gas heizt, ist weniger betroffen als jene, die den politischen Zielen gefolgt sind. Statt Vorreiter zusätzlich zu belasten, sollten intelligente Steuerungen, Batteriespeicher und netzdienliches Verhalten gezielt gefördert werden. Die Energiewende braucht faire Bedingungen und Planungssicherheit.
Philipp Schweizer, Arboldswil
