Strom wird in den meisten Dörfern günstiger
10.09.2026 BaselbietIm Oberbaselbiet sinken die Tarife 2027 meist – besonders kräftig in Maisprach
Die Strompreise gehen 2027 vielerorts zurück. Im Oberbaselbiet fällt die Entlastung allerdings unterschiedlich aus. Maisprach macht einen Preissprung nach unten, während Reigoldswil ...
Im Oberbaselbiet sinken die Tarife 2027 meist – besonders kräftig in Maisprach
Die Strompreise gehen 2027 vielerorts zurück. Im Oberbaselbiet fällt die Entlastung allerdings unterschiedlich aus. Maisprach macht einen Preissprung nach unten, während Reigoldswil gegen den Trend aufschlägt.
tho. Ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden bezahlt in der Schweiz 2027 im Mittel 26,45 Rappen pro Kilowattstunde. Das sind rund 4 Prozent weniger als im laufenden Jahr. Die jährliche Stromrechnung sinkt damit im Mittel um 53 Franken, wie die Eidgenössische Elektrizitätskommission (Elcom) bekannt gab. Hauptgrund sind günstigere Energiepreise, während Netz- und Messkosten tendenziell steigen.
Auch im Oberbaselbiet geht es bei den Tarifen überwiegend abwärts. Bei den kleinen Elektras fällt vor allem Maisprach auf – dort gibt es den grössten Preissturz. Neu kostet die Kilowattstunde im kommenden Jahr noch 25,63 Rappen statt 32,09 Rappen wie derzeit. Das entspricht einem Minus von bemerkenswerten 20,1 Prozent. Für den Modellhaushalt mit vier Personen bedeutet dies eine Ersparnis von rund 291 Franken im Jahr: Statt 1444 Franken werden noch 1153 Franken fällig.
Damit verliert Maisprach gleichzeitig seinen wenig schmeichelhaften Spitzenplatz: 2026 war die Gemeinde mit ihrer kleinen Elektra-Genossenschaft mit 32,09 Rappen pro Kilowattstunde noch die teuerste im ganzen Kanton.
Reigoldswil gegen den Trend
Anders sieht es in Reigoldswil aus: Die Elektra Reigoldswil erhöht ihren Tarif von 28,06 auf 29,83 Rappen pro Kilowattstunde – ein Plus von 6,3 Prozent. Der Modellhaushalt bezahlt dadurch rund 80 Franken mehr und kommt auf knapp 1342 Franken pro Jahr. Reigoldswil gehört damit 2027 zu den Gemeinden, in denen Strom spürbar teurer wird.
Sissach bewegt sich dagegen leicht nach unten. Der Tarif der Elektra Sissach sinkt um 2,4 Prozent von 27,75 auf 27,07 Rappen. Für 4500 Kilowattstunden macht dies rund 31 Franken weniger im Jahr aus. Die Rechnung beläuft sich künftig auf knapp 1218 Franken.
Günstiger ist der Strom in Itingen: Die Elektra Itingen reduziert ihren Tarif von 24,31 auf 23,80 Rappen. Für den Vierpersonenhaushalt ergibt das eine Jahresrechnung von rund 1071 Franken – etwa 23 Franken weniger als bisher. Itingen liegt damit auch 2027 klar unter dem schweizerischen Mittel.
Eine stärkere Entlastung gibt es im grossen Versorgungsgebiet der EBL. Das Unternehmen senkt den durchschnittlichen Preis für sein Standardprodukt «EBL Blau» um 7,5 Prozent von 30,20 auf 27,94 Rappen. Der Modell-Vierpersonenhaushalt bezahlt laut EBL im kommenden Jahr noch 1257 Franken und spart 102 Franken. Sowohl Energieals auch Netztarife werden günstiger. Eine Besonderheit gibt es ab 2027 bei der Tarifstruktur: Bei Haushalten mit «Smart Meter» spielt auch eine Rolle, zu welchem Zeitpunkt Strom verbraucht wird, weshalb der effektive Preis je nach Verbrauchsverhalten vom Durchschnittswert abweichen kann.
Höhere Tarife bei Primeo und IWB
Nicht jede Gemeinde im oberen Baselbiet hängt am Netz der EBL oder einer lokalen Genossenschaft. Lupsingen und Lauwil etwa werden von Primeo Energie – vormals EBM – versorgt. Auch Primeo senkt 2027 die Strompreise, allerdings lediglich um durchschnittlich rund 2 Prozent. Für einen Haushalt mit 4500 Kilowattstunden ergibt das nach Angaben des Unternehmens rund 30 Franken Entlastung.
Das Ausgangsniveau ist dort allerdings vergleichsweise hoch. In Lupsingen lag der Tarif für einen solchen Haushalt 2026 bei 31,98 Rappen pro Kilowattstunde. 2027 sinkt er auf 31,21 Rappen. Damit liegt Lupsingen weiterhin deutlich über dem EBL-Vergleichswert sowie über Itingen, Sissach oder Maisprach und ebenso über dem schweizerischen Mittelwert von 26,45 Rappen.
Auf der anderen Seite der Kantonsgrenze entwickelt sich der Strompreis leicht nach oben: Die IWB erhöhen die Kosten in Basel-Stadt 2027 für einen Haushalt mit 4500 Kilowattstunden von 1496 auf 1504 Franken – um 8 Franken beziehungsweise rund 0,5 Prozent. Das entspricht gut 33 Rappen pro Kilowattstunde und ist damit deutlich mehr als in den meisten Baselbieter Gemeinden. Preissteigernd wirken in Basel unter anderem höhere Abgaben für die öffentliche Beleuchtung und die Solarstrombörse.
Im schweizweiten Vergleich sind allerdings noch weit grössere Unterschiede möglich. Für den Modellhaushalt mit 4500 Kilowattstunden ist die Gemeinde Rongellen im Kanton Graubünden 2027 mit 10,56 Rappen pro Kilowattstunde am günstigsten. Am anderen Ende steht Kestenholz im Kanton Solothurn mit 45,88 Rappen. Dort kostet dieselbe Menge Strom mehr als viermal so viel.
Der Blick in die Schweiz zeigt damit einmal mehr: Ob die Stromrechnung 2027 deutlich sinkt, sich kaum verändert oder sogar steigt, hängt stark vom Wohnort und vom zuständigen Versorger ab. Haushalte können sich diesen nicht aussuchen – Privatkunden bleiben grundsätzlich an die Grundversorgung ihres lokalen Netzbetreibers gebunden.

