Strafenflut im Spitzenspiel
04.02.2025 Eishockey, SportDer EHC Zunzgen-Sissach verpasst im Spitzenspiel der Masterround gegen den EHC Brandis den Qualifikationssieg. Für reichlich Gesprächsstoff sorgte nach dem Heimspiel jedoch nicht die 3:5-Niederlage, sondern die Strafenflut von insgesamt 150 Strafminuten.
Thomas ...
Der EHC Zunzgen-Sissach verpasst im Spitzenspiel der Masterround gegen den EHC Brandis den Qualifikationssieg. Für reichlich Gesprächsstoff sorgte nach dem Heimspiel jedoch nicht die 3:5-Niederlage, sondern die Strafenflut von insgesamt 150 Strafminuten.
Thomas Ditzler
«Viel mehr als die Niederlage ärgert es mich, dass wir als Team am Schluss die Fassung verloren haben», sagte Lukas Kamber am Samstagabend nach dem 3:5 gegen den EHC Brandis. Der ZS-Trainer spricht damit die rekordverdächtige Strafenflut an, die sein Team im Spitzenkampf kassierte. 103 Strafminuten (!) und mit Nicolai Gusset, Daniel Gysi und Ueli Dietrich ein Trio, das vorzeitig unter die Dusche geschickt wurde.
Aufseiten des Gegners, der an diesem Abend insgesamt 47 Strafminuten verbuchte, gesellte sich mit Captain Christoph Hirsbrunner ein weiterer Akteur hinzu, der wegen einer Strafe das Spiel nicht zu Ende spielen durfte. «Die Zündschnur war bei einigen am heutigen Abend sehr kurz», fügte ZS-Captain Remo Hunziker hinzu und meinte: «Mit so vielen Strafen kannst du keine Spiel gewinnen.»
Cleverness hat gefehlt
Obwohl vor der dritten Masterround-Partie bereits beide Teams für den Play-off-Halbfinal qualifiziert waren, ging es noch darum, wer die Qualifikationsphase auf dem Leaderthron beenden würde. Die nötige Brisanz war gegeben, obwohl für Lukas Kamber der 1. Rang keine Priorität hatte, wie er betonte. Dass seine Spieler sich aber immer wieder auf Provokationen einliessen und sich so zu unnötigen Strafen und teils unsportlichem Verhalten verlocken liessen, ärgerte den 37-Jährigen: «Schon die ganze Saison thematisieren wir, dass wir die Emotionen im Griff haben müssen. Die Spieler mussten einiges einstecken. Es waren wohl einfach zu viele Faktoren, die bei einigen das Fass zum Überlaufen gebracht haben.»
In der 6. Minute war es, als Brandis-Captain Christoph Hirsbrunner das erste Powerplay ausnutzte und sein Team in Führung schoss. Keine Minute später gelang Fabio Iseli der zweite Brandis-Treffer. ZS reagierte auf die beiden frühen Gegentore und Rony Spreyermann gelang in der 10. Minute – im ersten ZS-Powerplay – der Anschlusstreffer.
Während bei den Oberbaselbietern im Spitzenkampf zeitweise die nötige Cleverness und Coolness fehlte, wussten auf der anderen Seite die Gäste aus dem Emmental das Maximum aus ihren wenigen Chancen zu holen. Denn sowohl bei Marcel Soltermanns Treffer zum 3:1 (17.) als auch beim Treffer von Andri Brunner (19.) zum 4:1, konnten die Gäste jeweils in doppelter Überzahl agieren.
Niederlage als gutes Omen
«Wir liessen uns vom Geschehen im ersten Drittel definitiv nicht verunsichern und haben bis am Schluss an den Sieg geglaubt», betonte Trainer Kamber nach der Partie. So war es dann auch sein Team, das im Mitteldrittel besser ins Spiel fand. Nach einem schnellen Gegenzug reagierte Remo Müller nach einem Abpraller am schnellsten und erzielte das 2:4 (25.). Anstelle von weiteren Toren bekamen die 267 Zuschauer in der Folge immer wieder Zweikämpfe oder kleinere Scharmützel zu sehen. Diese zogen wiederholt weitere Strafen und Unterbrüche nach sich. «Dies hat nicht nur unseren Spielrhythmus gestört. Wir haben dadurch auch zeitweise den Fokus etwas verloren», so ZS-Captain Remo Hunziker.
Euphorie in Form eines Torjubels kam aufseiten der Gastgeber erst wieder in der 55. Minute auf, als Jérôme Lanz nach einem Konter den 3:4-Anschlusstreffer erzielte. Die ZS-Aufholjagd wurde in der Folge jedoch wiederum von weiteren Strafen jäh gestoppt. Die Brandis Siegsicherung mit dem 3:5 erfolgte erst knapp zwei Sekunden vor der Schlusssirene ins leere ZS-Tor.
«Wir wollten in dieser Partie im Hinblick auf die Play-offs ein Zeichen setzen, jedoch nicht in dieser Form», so Kamber. Der ZS-Trainer hofft jedoch, dass dieses Spiel ein Weckruf für seine Mannschaft war. «Wir dürfen uns auf Provokationen des Gegners einfach nicht einlassen», sagte der Trainer, denn: «Spielerisch wären wir eigentlich überlegen. So wie dieses Spiel aber gelaufen ist, war es für uns schwierig.»
Gar von einem Omen sprach Captain Hunziker nach Spielschluss: «Vor einem Jahr verloren wir auch das letzte Spiel der Qualifikation und beendeten diese Phase auf dem 2. Rang.» Danach sei man zum Meistertitel durchmarschiert. Er wolle diesem Spiel gar nicht zu viel Wert geben, sagte Hunziker, der selber auch noch nie derart viele Strafminuten in einer Partie miterlebt hatte: «Wir müssen es als Sonderfall abhaken und den Fokus Richtung Play-offs legen.» Diese starten für den EHC Zunzgen-Sissach mit einem Heimspiel am Dienstag, 11. Februar. Bis dahin bleibt genü- gend Zeit, um die erhitzten ZS-Gemüter herunterzukühlen.
TELEGRAMM
EHC Zunzgen-Sissach – EHC Branis 3:5 (1:4; 1:0; 1:1). Eisbahn: Sissach. Zuschauer: 267.
Schiedsrichter: Schädler, De Capitani. Tore: 6. Hirsbrunner (Gerber; Ausschluss J. Lanz) 0:1; 7. Iseli (Soltermann, Trnavsky) 0:2; 10. Spreyermann (Hunziker; Ausschluss Kasper) 1:2; 17. Soltermann (Gerber; Ausschluss Model und J. Lanz) 1:3; 19. Brunner (Gerber, Aebischer; Ausschluss J. Lanz und Gyger) 1:4; 25. R. Müller (Gusset) 2:4; 55. J. Lanz 3:4; 60. (59:59) Soltermann (Salvisberg; Ausschluss Dietrich) 3:5. Strafen: 9-mal 2 Minuten und diverse Disziplinarstrafen gegen ZS; 6-mal 2 Minuten und diverse Disziplinarstrafen gegen Brandis.
EHC Zunzgen-Sissach: Tschan (40. Lepori); Lenz, Dietrich; C. Lanz, Malik; Gysi, Gusset; Dörig; Hunziker, Gyger, Spreyermann; Niederhauser, Model, J. Lanz; Imhof, R. Müller, D. Müller; Schneider.
Bemerkungen: ZS ohne F. Müller, Di Biase, Seiler, Giess (alle verletzt), Dietrich, Gfeller, Scholer, Bertschy (alle abwesend). 56:46 Timeout ZS; ab 59:51 ZS ohne Torhüter.