Stille Revolution: Wie KI unsere Gemeinden verändert
29.01.2026 PolitikMatthias Mundwiler, Gemeindepräsident Bubendorf, FDP
Während in den Medien vor allem über «ChatGPT» und selbstfahrende Autos gesprochen wird, vollzieht sich in den Gemeindeverwaltungen eine stille, aber bedeutsame Transformation. Künstliche Intelligenz hält Einzug in die kommunale Verwaltung und kann die Art und Weise, wie Einwohnerinnen und Einwohner mit ihrer Gemeinde interagieren, grundlegend verändern.
Wer schon einmal einen Bauantrag gestellt oder eine Gewerbeanmeldung eingereicht hat, kennt die Prozedur: Formulare ausfüllen, Dokumente zusammenstellen, warten. Hier liegt enormes Potenzial. KI-Systeme erfassen eingehende Dokumente automatisch, extrahieren relevante Informationen und qualifizieren Anträge vor. Was früher Tage dauerte, ist in Stunden erledigt.
Es geht dabei nicht nur um Geschwindigkeit, sondern um Ressourcen: Verwaltungsmitarbeitende, die bisher viel Zeit mit repetitiven Aufgaben verbracht haben, können sich wieder auf das konzentrieren, wofür keine Maschine einen Ersatz bietet – persönliche Beratung, komplexe Einzel- fallentscheidungen und den menschlichen Kontakt.
Stellen Sie sich vor: Es ist 22 Uhr und Sie wollen wissen, welche Unterlagen für die Hundeanmeldung nötig sind. Heute warten Sie bis zum nächsten Werktag. Mit einem intelligenten Chatbot erhalten Sie sofort eine präzise Antwort. Solche Systeme geben nicht nur Auskunft, sie führen auch durch komplexe Abläufe und kommunizieren in mehreren Sprachen.
Die Sorge, der persönliche Kontakt gehe verloren, ist verständlich. Die Praxis zeigt aber das Gegenteil: Einfache Fragen lassen sich digital schneller klären. Für komplexe Anliegen bleibt am Schalter mehr Zeit, weil Routineanfragen die Mitarbeitenden weniger blockieren.
Gemeinden sammeln täglich Daten zu Verkehrsströmen, Energieverbrauch und der Nutzung öffentlicher Angebote. KI erkennt Muster, die dem Auge verborgen bleiben. So wird klarer, wann Strassen saniert werden sollten, wo zusätzliche Kindergartenplätze nötig sind und wie sich der öffentliche Verkehr optimieren lässt. Gleichzeitig gilt: Datenschutz hat oberste Priorität. Verwaltungen arbeiten mit sensiblen Informationen, daher müssen KI-Lösungen strenge Vorgaben erfüllen. Ebenso wichtig ist Transparenz, damit nachvollziehbar bleibt, wie Entscheidungen zustande kommen.
KI ist kein Allheilmittel und löst die grundlegenden Probleme der kommunalen Verwaltung nicht – knappe Budgets, Fachkräftemangel, komplexe rechtliche Rahmenbedingungen. Sie ist aber ein mächtiges Werkzeug, das klug eingesetzt werden will. Am besten wirkt sie dort, wo sie Hand in Hand mit Menschen arbeitet, nicht als Ersatz, sondern als Unterstützung; wo sie Routinen übernimmt, damit sich Mitarbeitende auf das Wesentliche konzentrieren können; wo sie Informationen liefert, die Entscheidung aber beim Menschen bleibt.
Was wir brauchen, ist ein nüchterner Blick auf Möglichkeiten und Grenzen. Weder blinde Technikbegeisterung noch grundsätzliche Ablehnung führen weiter. Stattdessen sollten wir fragen: Wie kann KI dazu beitragen, dass unsere Gemeinden bürgernäher, effizienter und gerechter werden? Die Antworten darauf werden in den nächsten Jahren die Zukunft unserer Kommunen prägen.
Die stille Revolution in den Gemeindeverwaltungen hat erst begonnen. Es liegt an uns allen, dafür zu sorgen, dass sie im Dienst der Gemeinschaft steht.
In der «Carte blanche» äussern sich Oberbaselbieter National- und Landratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gemeindebehörden zu einem selbst gewählten Thema.

