Steuererleichterungen für Fachkräfte
10.07.2026 BaselbietHandelskammer will mit «Flat-Rate» im Steuerwettbewerb punkten
Günstiger für Mittelstand und Fachkräfte – und erst noch einfacher: Die Handelskammer beider Basel (HKBB) schlägt ein neues Steuersystem für den Kanton Baselland vor. Die Kosten von 130 ...
Handelskammer will mit «Flat-Rate» im Steuerwettbewerb punkten
Günstiger für Mittelstand und Fachkräfte – und erst noch einfacher: Die Handelskammer beider Basel (HKBB) schlägt ein neues Steuersystem für den Kanton Baselland vor. Die Kosten von 130 Millionen Franken hält die HKBB für verkraftbar.
Regula Vogt-Kohler
Im nationalen Ranking der Maximalsteuersätze für die Einkommen natürlicher Personen sind nur gerade Bern, Waadt und Genf hinter dem Kanton Baselland klassiert. In den Nachbarkantonen Aargau und Solothurn ist die Belastung deutlich tiefer, und auch Basel-Stadt liegt noch vor dem Baselbiet. Weil das im Alltag für die Unternehmen konkrete Folgen hat, beschäftigt sich die Handelskammer beider Basel auch mit der steuerlichen Belastung der Arbeitnehmenden.
«Es ist entscheidend im Wettbewerb um Fachkräfte, dass die Einkommenssteuern attraktiv sind», sagte Martin Dätwyler, Direktor der Handelskammer beider Basel, an einem Medienanlass. Immer wieder höre die HKBB von Unternehmen, dass die Anstellung von hoch qualifizierten Fachkräften an der Höhe der Einkommenssteuern im Kanton Basel-Landschaft scheitere, sagte Luca Urgese, Leiter Finanzen und Steuern bei der HKBB. Das Baselbieter System sei aber nicht nur wegen der Höhe der Einkommenssteuer wenig attraktiv, sondern auch wegen seiner Komplexität.
Lösung: «Flat-Rate»
Nach heutiger Regelung werden die Einkommenssteuern mittels einer Formel berechnet. Diese basiert auf einem mathematischen Gleichungssystem mit zahlreichen Parametern. Es sei deshalb nicht so einfach, die zu erwartende Steuerbelastung auszurechnen, sagte Urgese. «Jeder Franken hat einen anderen Steuersatz», erläuterte Matthias Setz, Autor der Studie «Einkommenssteuer Basel-Landschaft», welche Ecoplan im Auftrag der HKBB erarbeitet hat. So gehörte neben einer gezielten Entlastung insbesondere für Fachkräfte und den Mittelstand auch eine Vereinfachung des Systems zum Studienauftrag.
Aus der Prüfung verschiedener Modelle ging eine dreistufige «Flat-Rate-Tax» nach dem Vorbild des Kantons Basel-Stadt als Siegerin hervor: In diesem System gibt es nur noch drei Steuerstufen mit je einem einheitlichen Steuersatz. Die angestrebte Entlastung von Fachkräften und des Mittelstands werde damit am besten erreicht, heisst es im Kurzbericht der Studie. Bei einer Erhöhung der steuerfreien Untergrenze profitieren gleichzeitig auch tiefere Einkommen.
Im Ranking würde der Kanton Baselland mit der dreistufigen «Flat-Rate-Tax» einen Sprung nach oben machen: Das Niveau des Kantons Aargau bleibt zwar unerreichbar, doch Solothurn und Basel-Stadt würde das Baselbiet hinter sich lassen.
Mit der Bemessung der angestrebten Entlastung hat die Handelskammer beider Basel eine Balance gesucht: Es sei um einen Betrag gegangen, der für die Steuerzahlenden spürbar, gleichzeitig aber auch für den Kanton finanzierbar sei, hielt Luca Urgese dazu fest. Rechne man die Auswirkungen auf die Gemeindesteuern hinzu, beliefen sich die Kosten auf 130 Millionen Franken, davon entfielen mindestens 80 Millionen Franken auf den Kanton.
Durchaus finanzierbar
«Wir wollen weder den Kanton noch die Gemeinden in Schieflage bringen», beteuerte HKBB-Direktor Martin Dätwyler. «Wir sind davon überzeugt, dass sich der Kanton das leisten kann.» Das Problem der Gemeinden seien nicht fehlende Einnahmen, sondern ein starkes Anwachsen der Ausgaben, sagte Urgese. In einem nächsten Schritt geht es nun darum, den Reformvorschlag in die politische Pipeline einzuspeisen. Dazu will die Handelskammer beider Basel das Gespräch mit der Regierung und den Parteien suchen.
