Starke Zahlen und eine Prise Humor
05.05.2026 BubendorfOrdentliche Generalversammlung der Bachem
Weltmarktführer mit Millionenumsatz – und doch eine Generalversammlung wie im Dorfverein: Die Bachem Holding AG zeigt in Bubendorf, dass wirtschaftliche Grösse und Bodenständigkeit kein Widerspruch sein müssen.
...Ordentliche Generalversammlung der Bachem
Weltmarktführer mit Millionenumsatz – und doch eine Generalversammlung wie im Dorfverein: Die Bachem Holding AG zeigt in Bubendorf, dass wirtschaftliche Grösse und Bodenständigkeit kein Widerspruch sein müssen.
Pascal Kamber
Wenn riesige Konzerne zu ihrer Generalversammlung laden, dann geschieht das meist im grossen Stil. So auch bei der UBS, die vor knapp drei Wochen ihre ordentliche Mitgliederversammlung fast schon traditionell in der Basler St. Jakobshalle abhielt. Die Halle fasst mehrere Tausend Menschen und ist damit einer der wenigen Veranstaltungsorte in der Schweiz, die genug Platz bietet für die zahlreichen UBS-Aktionärinnen und -Aktionäre. Insbesondere nach der Übernahme der Credit Suisse vor drei Jahren ist das Interesse an der Grossbank deutlich gestiegen.
Wie die UBS spielt auch die Bachem Holding AG im Konzert der Wirtschaftsgrössen mit. Und zwar an vorderster Front: Der Pharmazulieferer aus Bubendorf gilt als weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung und Herstellung von Peptiden und Oligonukleotiden. Bachem verkauft diese an die Pharmaindustrie, welche die Wirkstoffe wiederum für ihre Medikamente verwendet – beispielsweise für Abnehmspritzen, aber auch gegen Diabetes oder in der Onkologie. Und wie die UBS ist auch Bachem global tätig, mit Werken in Kalifornien und Grossbritannien.
Wer nun erwartet, dass Bachem ihre ordentliche Generalversammlung ebenfalls im grossen Stil abhält, der irrt jedoch: Die GV findet nicht in irgendeiner mondänen Arena statt, sondern wie am vergangenen Mittwochnachmittag in der beschaulichen Mehrweckhalle Dorf mitten in Bubendorf. Da, wo der örtliche Frauenverein zusammen mit der Reformierten Kirche jeweils den Seniorentreff durchführt. Oder der Musikverein sein Frühlingsfest und die Bürgergemeinde ihr Maisingen organisieren. Beschaulicher geht es kaum.
Nachdem der im vergangenen Jahr verstorbene Peter Grogg die Bachem 1971 in Liestal gründete, zog der Patron mit seinem Lebenswerk 1977 nach Bubendorf. Rund 50 Jahre später ist der Pharmazulieferer immer noch im Fünflibertal zu Hause – und ist auch bei der Generalversammlung seinen Wurzeln treu geblieben. Mitunter aus einem simplen Grund: Die Mehrheit der Aktionärinnen und Aktionäre lebt in Bubendorf selbst oder in der näheren Umgebung und kennt die Gründerfamilie zum Teil persönlich.
Bachem und bodenständig? Diese Erkenntnis scheint nicht verkehrt. So wird die Du-Kultur konsequent gelebt und wegweisende Entscheide – so wirkt es zumindest – kommen wohl überlegt daher. Ein Beispiel dafür ist der Bau des neuen Produktionsgebäudes «K», das kürzlich am Hauptsitz in Bubendorf eingeweiht wurde. Mit diesem will Bachem pharmazeutische Wirkstoffe in grossem Massstab produzieren und so die enorme Nachfrage an Peptiden und Oligonukleotiden stillen. Mit dem neuen Prunkstück bekennt sich Bachem auch zum Standort Schweiz, und das trotz «heftigem Muskelkater» wegen der starken Währung.
Dass Bachem mit der Zeit geht, zeigt sich auch an der GV: Die mehr als 300 Aktionärinnen und Aktionäre fassen am Eingang ein Tablet, mit dem sie zu den jeweiligen Traktanden ihre Stimme abgeben können. Farbige Papiere oder das einfache Hochhalten der Hände haben ausgedient. Das vereinfacht den Ablauf und weckt Gelüste. Verwaltungsratspräsident Kuno Sommer stellt aber gleich zu Beginn der GV klar: «Sie dürfen die Tablets nicht behalten, geben Sie diese am Ende bitte wieder ab.» Der Saal lacht – es sollte nicht zum letzten Mal der Fall sein. Mit seiner unaufgeregten und humorvollen Art ist Sommer eine Bereicherung und ein weiterer Beleg dafür, wie bodenständig Bachem ist.
Ganz mit leeren Händen müssen die Aktionärinnen und Aktionäre übrigens nicht nach Hause gehen. Alle erhalten ein kleines Glas hausgemachte Trauben-Konfitüre, hergestellt von der «Brüderli-Gastronomie», die bei Bachem in Bubendorf die Kantine betreibt. Später beschenken sich die Anwesenden gleich selber: Sie stimmen einer moderaten Dividendenerhöhung um 0,05 Franken auf 0,9 Franken pro Aktie zu.
Keine Diskussionen
Beim Blick in den Geschäftsbericht 2025 überrascht dieser Schritt nicht wirklich. Mit 700 Millionen Franken Umsatz, wovon rund ein Drittel als operativer Gewinn bestehen bleibt, kann CEO Anne-Kathrin Stoller hervorragende Zahlen präsentieren. Entsprechend warm ist der Applaus, den sie bei ihrem ersten Auftritt vor versammelter Aktionärsschaft erhält. Stoller trat am 1. Januar die Nachfolge von Thomas Meier an, der das Unternehmen nach mehr als 30 Jahren verlassen hat. Folglich genehmigen die Aktionärinnen und Aktionäre diskussionslos und im Schnellzugstempo den Jahresbericht, die Jahres- und Konzernrechnung, die Verwendung des Bilanzgewinns und der Reserven aus Kapitaleinlagen sowie den Gesamtbetrag der jährlichen Vergütungen an den Verwaltungsrat und an die Konzernleitung.
Auch bei der abschliessenden Fragerunde bleiben die kritischen Bemerkungen aus. Ein Aktionär wollte wissen, ob Bachem vom US-Zollhammer betroffen sei. «Nein, aber wir haben Glück gehabt», antwortete Kuno Sommer. Alle Verträge beinhalten eine Klausel, die besagt, dass der Kunde die Mehrkosten übernehme. Angesichts des Zickzack-Kurses von US-Präsident Donald Trump fügte Sommer an: «Das kann sich aber stündlich ändern.» Wieder Lacher im Saal. Ebenso bei Sommers Antwort auf die Frage, wie man am Erfolg teilhaben könne, wenn keine Kapitalerhöhung geplant ist: «Kaufen Sie Aktien.» Oder was er zum Aktienkurs sagt: «Nichts.»
Ob die knappen Antworten schlicht Sommers Art entsprechen oder im Hinblick auf den vor der Turnhalle bereitstehenden «Apéro riche» bewusst so geplant waren, bleibt offen. Fest steht: Seine eingangs formulierte Vorgabe, die GV spätestens nach einer Stunde zu beenden, unterbot er deutlich. Bereits nach 51 Minuten erklärte Sommer die Versammlung für geschlossen.
