Späte Ehrung im Baselbiet
27.03.2026 Sissach, ReigoldswilProbst im Ebenrain-Park und im Heimatdorf
Aus Anlass von Jakob Probsts 85. Geburtstag fand 1965 vom 25. September bis zum 31. Oktober im Schloss Ebenrain und im umliegenden Park eine grosse Jakob-Probst-Retrospektive statt. Die Ausstellung stand unter dem Patronat von Bundespräsident ...
Probst im Ebenrain-Park und im Heimatdorf
Aus Anlass von Jakob Probsts 85. Geburtstag fand 1965 vom 25. September bis zum 31. Oktober im Schloss Ebenrain und im umliegenden Park eine grosse Jakob-Probst-Retrospektive statt. Die Ausstellung stand unter dem Patronat von Bundespräsident Hans Peter Tschudi und wurde vom Kanton mit einem Kredit von 30 000 Franken unterstützt. Gestaltet wurde sie von dem Bildhauer Lorenz Balmer und dem Architekten Max Tüller, einem langjährigen Freund Jakobs Probsts. Leider war es dem betagten Künstler infolge einer Krankheit nicht möglich, an der Eröffnungsfeier teilzunehmen.
Im Vorfeld hatte der Baselbieter Landrat auch dem Kauf von Probsts Plastik «Puledro» für «die längst fällige Ausschmückung des Kantonsspitals» in Liestal zugestimmt. Der Kaufpreis betrug 60 000 Franken. Jakob Probst hatte das Fohlen 1957 in Gips geschaffen, nun wurde es in einer Giesserei in Mendrisio in Bronze gegossen. Dabei verzichtete Probst ausdrücklich auf die zulässige Vornahme zweier Abgüsse zu anderweitigem Verkauf.
Das Fohlen und ein Schwörender
Das muntere Fohlen war auch an der Ausstellung im Ebenrain zu bewundern. Offenbar hat ihm der Ebenrain-Park derart gefallen, dass es nach dem Ende der Retrospektive, obwohl anders geplant, in Sissach blieb. Jedenfalls tollt es heute noch immer im Park herum.
Beim unteren Eingang zum Schlosspark befindet sich eine weitere Plastik von Jakob Probst. Der «Schwörende» wurde 1959 von der Baselbieter Kunstkreditkommission an einer Ausstellung in Aarau erworben und ein Jahr später zu Probsts 80. Geburtstag im Park aufgestellt. Die Plastik sei – so hiess es damals in der «Basellandschaftlichen Zeitung» – ein «Kunstwerk, das durch seine Aussage das Innerste des Betrachters trifft».
Eher düster und wie von einem Geheimnis umwoben wirkt ein drittes Oeuvre Probsts im Park. Das vormalige Grabmonument für Oberst Johann Arnold Büel wurde 1969 von der Baselbieter Kunstkreditkommission erworben. Oberst Büel war Basler Platzkommandant und verstarb am 9. Oktober 1917 überraschend an einem Hirnschlag. Das Grabmonument wirft viele Fragen auf. Jakob Probst scheint sich dazu nie geäussert zu haben, und im Werkverzeichnis erscheint das Werk nicht.
David und Goliath
In seiner Heimatgemeinde Reigoldswil kann man mehrere Werke Jakob Probsts entdecken. So spendete Probst anlässlich der Gesamtrenovation der Kirche 1950/51 seine Skulptur «Mutter und Kind» als Sockel für den neuen Taufstein sowie ein Relief mit Ikarus auf der Empore.
Zur Einweihung der neuen Anlage der Realschule schenkte der Kunstkredit Baselland der Gemeinde die Bronzeplastik «David und Goliath». Die Auswahl der Plastik traf eine Delegation, die Jakob Probst an seinem 84. Geburtstag, am 17. August 1964, in Peney besuchte.
Eine weitere Grossfigur, der «Sturz des Ikarus», schuf Probst nur noch in Gips. Die Bronzeplastik, die heute in Reigoldswil zu sehen ist, wurde erst posthum gegossen. Aufgestellt und feierlich eingeweiht wurde sie 1980 zu Probsts 100. Geburtstag vor dem Gemeindezentrum. Dieses Gebäude soll noch dieses Jahr abgebrochen werden – die Suche nach einem würdigen Standort für die Plastik wird in die Planung miteinbezogen.
Nach Jakob Probsts Tod soll es zu Einbrüchen in Probsts Atelier gekommen sein. Um allfälligen Vandalenakten zuvorzukommen, holte Architekt Max Schneider die noch vorhandenen Werke nach Liestal und verteilte einige an verschiedenen Stellen im Kanton. 2022 ging eine Anzahl Gipsplastiken an Probsts Erbinnen zurück. Weitere sind gegenwärtig in der Obhut von Max Schneiders Sohn Florian Schneider.
Martin Stohler

