Spitalvarianten und Gesundheitszentren vors Volk!
31.03.2026 PersönlichIm Baselbiet steht nun im Landrat ein wichtiger Spitalentscheid an. Es geht nicht nur um Gebäude, Standorte und Kosten. Es geht vor allem darum, wie die medizinische Versorgung in unserem Kanton langfristig gesichert werden kann (siehe auch Seite 5).
Für uns im ...
Im Baselbiet steht nun im Landrat ein wichtiger Spitalentscheid an. Es geht nicht nur um Gebäude, Standorte und Kosten. Es geht vor allem darum, wie die medizinische Versorgung in unserem Kanton langfristig gesichert werden kann (siehe auch Seite 5).
Für uns im Oberbaselbiet ist das Kantonsspital Liestal nicht einfach irgendein Spital. Es gehört zum Oberbaselbiet, zu unserer Geschichte und für viele Menschen auch zum Gefühl, gut versorgt zu sein. Gerade deshalb fällt uns diese Diskussion nicht leicht. Bei einem Generationenprojekt muss offen darüber gesprochen werden, wie die Versorgung langfristig aussehen soll. Es genügt nicht, wenn der Regierungsrat am Schluss nur eine bevorzugte Variante vorlegt. Bei dieser Tragweite müssen beide Varianten auf den Tisch.
Es geht uns nicht darum, vorschnell einen Standort infrage zu stellen. Aber wir müssen ehrlich anschauen, wie sich das Gesundheitswesen verändert. Seit Jahren zeigt sich: Immer mehr Menschen aus dem Baselbiet lassen sich ausserhalb des Kantons behandeln. Der Marktanteil des Kantonsspitals ist zuletzt auf 37 Prozent gesunken, und das in einer Region mit besonders vielen Spitalbetten. Der Druck auf die Spitäler nimmt zu, und medizinische Leistungen werden immer stärker gebündelt. Diese Entwicklung kann man bedauern, aber nicht ignorieren. Auch die steigenden Krankenkassenprämien zeigen, dass unser Gesundheitswesen insgesamt unter Druck steht. Ein Festhalten am heutigen Zustand reicht deshalb nicht aus.
Wenig überzeugend ist aus unserer Sicht, dass der regierungsrätliche Spitalentscheid nun von der regionalen Grundversorgung getrennt werden soll. Gerade weil die Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte abnimmt und es für viele schwieriger wird, eine Hausarztpraxis zu finden, wurden im Oberbaselbiet regionale Gesundheitszentren in Aussicht gestellt. Diese sollen die Versorgung vor Ort ergänzen und stärken, mit erweiterten ambulanten Angeboten, besseren Öffnungszeiten und einer besseren Grundversorgung. Gleichzeitig sollen sie helfen, die Spitäler zu entlasten. Ein solcher Spitalentscheid lässt sich davon nicht loslösen. Beides gehört zusammen.
Auch bei den langfristigen Annahmen, auf die sich die Regierung stützt, ist Zurückhaltung angebracht. Der Entscheid, mit beiden Standorten weiterzufahren, verstärkt die strukturellen Probleme, die dem KSBL schon bisher finanziell zu schaffen gemacht haben. Gleichzeitig bleibt das Gesundheitswesen in Bewegung. Neue Technologien, neue Behandlungsmöglichkeiten oder ausgelagerte Dienstleistungen können Kosten, Auslastung und mögliche Synergien über Jahre stark verändern. Trotzdem setzt man weiter auf eine kostenintensive Zweistandortvariante, die mit viel Beton im wahrsten Sinne des Wortes weiter zementiert wird.
Die Regierung darf den wichtigen Standortentscheid nicht vorwegnehmen, indem sie der Bevölkerung am Ende nur eine einzige Variante als alternativlos vorlegt. Bei einem Generationenprojekt wie diesem müssen die Baselbieterinnen und Baselbieter diesen Entscheid letztlich selber treffen. Deshalb darf nicht nur über eine Variante und nicht nur über das Spital abgestimmt werden, sondern über ein Gesamtpaket, das auch die künftige Versorgung im Oberbaselbiet sichert. Regierungsrat Jourdan betont, dass wir nicht nur ein Spital bauen, sondern die Gesundheitsversorgung im Baselbiet weiterentwickeln. Wenn dem so ist, dann soll die Bevölkerung darüber auch aktiv mitentscheiden können.
Markus Graf, Landrat SVP, Maisprach Dario Rigo, Landrat «Mitte», Ormalingen
