Spezialroboter flicken Kanalisation
16.10.2026 ZiefenAbwasserleitungen brauchen regelmässige Wartung und Reparaturen kleinerer Schäden
Damit die Abwasserentsorgung funktioniert, werden im Baselbiet jedes Jahr unzählige Kilometer Kanalisationsleitungen saniert. Die «Volksstimme» hat nachgefragt, wie das funktioniert. ...
Abwasserleitungen brauchen regelmässige Wartung und Reparaturen kleinerer Schäden
Damit die Abwasserentsorgung funktioniert, werden im Baselbiet jedes Jahr unzählige Kilometer Kanalisationsleitungen saniert. Die «Volksstimme» hat nachgefragt, wie das funktioniert. In Ziefen reparieren Roboter Leitungen – ganz ohne Grabarbeiten.
André Frauchiger
Die Gemeinde Ziefen lässt ihre Kanalisation regelmässig überprüfen und bei Bedarf sanieren. Das Ingenieurund Planungsbüro Sutter aus Arboldswil ist im Auftrag der Gemeinde für die gesamte Planung und Bauleitung der Kanalsanierung zuständig. Es holt Offerten bei Bauunternehmen ein, berät die Gemeinde bei der Auswahl der zu beauftragenden Firmen und überwacht die laufenden Bauarbeiten. Bei der derzeitigen Kanalsanierung im Bereich Bündtenweg und im Industriegebiet an der Voreichstrasse hat die Firma Kanaltec AG aus Münchenstein den Zuschlag erhalten.
Der Verband Schweizerischer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute geht davon aus, dass Kanalisationen eine Lebensdauer von 50 bis 80 Jahren haben – vorausgesetzt, sie werden regelmässig gewartet und kleinere wie grössere Schäden werden behoben. Davon ausgehend erstellt das Planungsbüro Sutter für Gemeinden ohne eigene Bauabteilung in der Regel ein Betriebs- und Unterhaltskonzept für die nächsten 30 Jahre und empfiehlt Sanierungsetappen im Vierjahresturnus.
Vor rund vier Jahren wurde die Gemeindekanalisation im besagten Gebiet von Ziefen mithilfe spezieller Kameras in den Leitungen begutachtet. Nun werden die Leitungen durchgespült und gezielt repariert, und zwar im sogenannten Kurzlinerverfahren mittels Spezialrobotern, also ohne Grabungsarbeiten. Die Roboter werden durch Schachtzugänge in die Kanalisationsleitungen eingeführt und mithilfe von Video gezielt eingesetzt.
Zunächst gilt es, Verstopfungen, beispielsweise durch Sand, Kies und Kalk, auch mit Fräsen und Spachteln zu beseitigen und die Leitungen mit hohem Druck durchzuspülen. Anschliessend werden mit den Spezialrobotern notwendige Reparaturen, etwa bei Rissen vor allem im Bereich von Abzweigungen, mittels «Kurzlinern» vorgenommen. Ein «Kurzliner» ist ein harzgetränktes Segment, das nach dem Aushärten des Harzes einzelne Schadstellen abdichtet. Zwei Mitarbeiter der Kanaltec AG sind dabei im Einsatz. Für das Durchspülen mit hohem Druck werden rund 500 bis 800 Liter Wasser benötigt.
Planung, die nie aufhört
Mit dem vergleichsweise kostengünstigen Kurzlinerverfahren lassen sich auch in Ziefen hohe Grabungskosten vermeiden. Die Strassenoberflächen bleiben von den Sanierungsarbeiten praktisch vollständig verschont, und die Bevölkerung wird kaum durch Baulärm beeinträchtigt. Bemerkenswert ist, dass die Robotertechnik und das Kurzlinerverfahren in den Kanalisationsleitungen bestens funktionieren – trotz der relativ geringen Leitungsdurchmesser zwischen 200 und 800 Millimetern, wobei die grösseren Leitungen im Industriegebiet liegen. Die Kosten für die laufende Sanierungsetappe in Ziefen betragen rund 25 000 Franken.
Noch in diesem Jahr soll die Gemeindekanalisation an anderer Stelle mit Kameras untersucht werden. Die Sanierung soll dann gemäss der Etappierung in rund vier Jahren erfolgen. Die Etappierung ist wichtig, um die Sanierungskosten für die Gemeinde über die Jahre verteilen zu können.
Bauleiter Theo Schweizer vom Ingenieur- und Planungsbüro Sutter plant und leitet aktuell in acht Gemeinden Sanierungsarbeiten an Kanalisationen. Das Unternehmen betreut insgesamt 20 Gemeinden in den Kantonen Baselland und Solothurn.

