Sparmassnahmen führen zu «Schlagseite»
09.12.2025 BaselbietZwei Petitionen zur Unterstützung beeinträchtigter Kinder sind überreicht worden
Mit fast 2000 gesammelten Unterschriften möchte eine Elterngruppe verhindern, dass auf Kosten beeinträchtigter Kinder gespart wird. Sie glaubt die Bevölkerung hinter sich.
...Zwei Petitionen zur Unterstützung beeinträchtigter Kinder sind überreicht worden
Mit fast 2000 gesammelten Unterschriften möchte eine Elterngruppe verhindern, dass auf Kosten beeinträchtigter Kinder gespart wird. Sie glaubt die Bevölkerung hinter sich.
Daniel Aenishänslin
In einem kleinen Schiff auf Rädern zieht Tobias Ammann seinen 11-jährigen, autistischen Sohn Noé vom Liestaler «Törli» die Rathausstrasse hinunter. Sein Ziel ist das Regierungsgebäude. Mit dabei hat er zwei Petitionen, die 1924-mal unterschrieben wurden. Sie richten sich an den Baselbieter Landrat und fordern, auf Sparmassnahmen an heilpädagogischen Schulen zu verzichten und Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung zu entlasten. Entlastet werden sollen sie durch ein Betreuungsangebot an schulfreien Nachmittagen und in den Schulferien.
«Das Schiff», sagt Tobias Ammann, «steht sinnbildlich für die Situation, in der wir stecken. Wir sind unterwegs auf einem Schiff mit Schlagseite.» Damit meint Ammann, dass im Budget vorgesehen ist, die Gelder für Sonderschulen zu senken. Um 4,7 Millionen Franken.
«Mit den Sparmassnahmen der Regierung reicht es einfach nicht mehr, dass die Kinder die nötige Förderung kriegen», kritisiert Ammann. «Gerade für Kinder mit komplexen Bedürfnissen, solche, die eine Einszu-eins-Betreuung brauchen, gibt es keine Möglichkeiten mehr, an freien Nachmittagen Betreuung zu erhalten.» Tobias Ammann geht davon aus, dass weniger Betreuung für beeinträchderen Erwachsenenalter führt. Und dies wiederum zu höheren Kosten für die Gesellschaft.
Unterstützung aus dem Landrat
SP-Landrat Andreas Bammatter und SP-Landrätin Juliana Weber Killer unterstützen die «Elterngruppe für Familienentlastung im Baselbiet». Im Juni lancierte Bammatter das Postulat «Sicherstellung der Bildungs- und Betreuungsqualität an heilpädagogischen Schulen im Kanton Basel-Landschaft». Er verlangt, dass «die heilpädagogischen Schulen in die Lage versetzt werden, ihren gesetzlichen Bildungs- und Betreuungsauftrag wieder vollumfänglich zu erfüllen». Er beruft sich auf die Behindertenund Bildungsgesetze.
«Es ist mir wichtig, dass Menschen mit Beeinträchtigung dieselbe Chance haben, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen», sagt Bammatter. «Sie müssen eine erhöhte Betreuung und Begleitung haben, damit das möglich ist.» Mit den Petitionen würden «zweimal tausend» Bürgerinnen und Bürger darum bitten, dass sich der Landrat des Themas annimmt.
Es sei wichtig, dass man sich zeige und auf die Details hinweise, kommentiert Andreas Bammatter den Gang der Elterngruppe an die Öffentlichkeit. «Am Schluss machen es diese Details aus, dass beeinträchtigte junge Menschen die Betreuung nicht erhalten, die ihnen zusteht, und die Eltern nicht die Entlastung – was nicht gerecht wäre.»
«Ein grosser Erfolg»
Tobias Ammann drückt die Unterschriften vor dem Regierungsgebäude Landschreiberin Elisabeth Heer Dietrich in die Hände. Er spricht von «sehr vielen» Unterschriften. Er und seine Entourage seien nur ein paar Private, die keine grosse Kampagne führen könnten. Doch «überall, wo wir um Unterschriften gebeten haben, war allen klar: Das braucht es». Die Bevölkerung habe grosses Verständnis gezeigt, das bestehende «Manko» erkannt. «Das ist ein grosser Erfolg.»
Tobias Ammann sagt, er werte die knapp 2000 Unterschriften als ein «klares Zeichen» der Elterngruppe wie auch der Bevölkerung. «Wir wollen, dass die Politik, der Landrat und die Regierung und natürlich die Bildungsdirektion etwas bewegen.»
Budgetdebatte steht bevor
je. Morgen und am Donnerstag trifft sich das Baselbieter Parlament, um über das Budget 2026 und den Finanzplan bis 2029 zu debattieren. Im Vorfeld haben Landratsmitglieder verschiedene Änderungsanträge eingereicht, um bestimmte Kürzungen zu verhindern. Die meisten betreffen den Natur- und Waldschutz. Gegen die Sparmassnahmen wehren sich auch «Pro Natura Baselland» und der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband. In einer gemeinsamen Mitteilung äussern sie die Erwartung, dass «auf Sparübungen auf dem Buckel unserer Lebensgrundlagen verzichtet wird». Zudem solle der Stellenwert des Natur- und Landschaftsschutzes grundsätzlich gestärkt werden.

