Spannungen nach Führungsentscheid
26.03.2026 BaselbietSimon Tschendlik leitet die Forstbetriebe Frenkentäler künftig allein
Der Zweckverband Forstbetriebe Frenkentäler stellt seine Führung neu auf: Simon Tschendlik übernimmt allein, André Minnig geht nach 23 Jahren. Mehrere Kündigungen begleiten den ...
Simon Tschendlik leitet die Forstbetriebe Frenkentäler künftig allein
Der Zweckverband Forstbetriebe Frenkentäler stellt seine Führung neu auf: Simon Tschendlik übernimmt allein, André Minnig geht nach 23 Jahren. Mehrere Kündigungen begleiten den Umbruch.
Willi Wenger
Der 2021 von den Gemeinden Bretzwil, Langenbruck, Lauwil, Reigoldswil und Waldenburg gegründete Zweckverband Forstbetriebe Frenkentäler, der einen eigenen Forstbetrieb unter dem Namen «Forstbetriebe Frenkentäler» (FBF) führt, hat nur noch einen Chef. Mitte Februar hat der bisherige Co-Geschäftsleiter Simon Tschendlik die alleinige Leitung übernommen, dies mit einem erweiterten Führungsteam mit Mitarbeitern aus dem mittleren Kader.
Das Personal bewirtschaftet wie bisher auch die Wälder des Forstbetriebsverbands Dottlenberg (FBV), in dem die Gemeinden Arboldswil, Lampenberg, Liedertswil, Niederdorf, Oberdorf und Titterten zusammengeschlossen sind. Beide Zweckverbände streben – so halten es die beiden Präsidenten Hans Weber (FBF) und Benjamin Schweizer (FBV) in einer Medienmitteilung fest – eine Fusion an. Schweizer sagt zur «Volksstimme», dass dies mittelfristig realisierbar sei. «Aus operativer Sicht wird es dieses Jahr nicht mehr der Fall sein», so der Arboldswiler Vizegemeindepräsident.
Das seit einem Monat gültige Führungsmodell wurde von der ehemaligen Co-Geschäftsleitung Simon Tschendlik und André Minnig mit einem externen Organisationsberater im Rahmen eines Entwicklungsprozesses über ein Jahr evaluiert. Minnig sagt, dass ab Oktober 2025 auch Benjamin Schweizer und die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Sulzer den Prozess begleitet haben. Dabei wurden die Zielvorgaben für eine Einzelgeschäftsleitung und Trennung von strategischer und operativer Leitung festgelegt.
Tschendlik und Minnig haben schliesslich den Wechsel zu einer Einzel-Geschäftsleitung der Betriebskommission vorgeschlagen, die diesen Antrag gutgeheissen hat. Minnig sagt im Gespräch mit der «Volksstimme», dass er bei jeder Sitzung oder Besprechung gesagt habe, dass er für eine weitere Zusammenarbeit offen sei. «Die geplante strategische Ausrichtung war für mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar», sagt der Standortleiter Reigoldswil.
«Der Prozess war belastend»
Aktuell haben drei Forst-Fachleute ihre Kündigung eingereicht. In naher Zukunft auch nicht mehr zur Mannschaft gehören wird André Minnig, der zwar noch Team-Mitglied ist, aber sein Ausscheiden angekündigt hat. «Ich war jetzt mehr als zwei Jahrzehnte Geschäftsleiter in Reigoldswil und habe mich ‹nach reiflicher Überlegung› entschieden, zu gehen. Der ganze Prozess war für mich sehr belastend.» Minnig sagt offen, dass er die neue strategische Ausrichtung des Betriebs nicht mittragen und nicht dahinter stehen könne.
«Vor allem der Abgang von erfahrenen langjährigen Mitarbeitern beschäftigt mich sehr. Die Gründe der Kündigungen sind verschieden, jedoch haben persönliche Erfahrungen mit dem neuen Geschäftsleiter bei den meisten zu diesem Entscheid geführt», sagt der 56-Jährige, der in all den Jahren seiner Anstellung im Hinteren Fünflibertal bei der Waldbewirtschaftung immer schwarze Zahlen geschrieben hat. Minnigs Ausscheiden und die von langjährigen Mitarbeitern bevorstehenden Abgänge führen wohl zu einem Schwebezustand im Betrieb und erschweren organisatorische Entscheidungen.
Gemeinden stützen neues Modell
Die Vertreter aller Gemeinden haben dennoch ihre Unterstützung für den eingeschlagenen Weg mit Tschendlik als alleinigem Geschäftsführer signalisiert und bekennen sich klar dazu, diesen zu stützen. Die Gemeinden nehmen dabei in Kauf, dass Mitarbeiter den Betrieb verlassen. Es ist davon auszugehen, dass die Anstellungsbehörden mit weiteren Abgängen zu rechnen haben; gegenüber der «Volksstimme» nannte Minnig die mögliche Zahl von drei Personen.
Auf Anfrage sagt der Reigoldswiler Gemeindepräsident Fritz Sutter, dass er die Situation, wie sie entstanden sei, sehr bedaure. «Dass wir wertvolle Leute verlieren, schmerzt.» Er erwähnt aber auch, dass die Forstbetriebe Frenkentäler bis zum heutigen Tag als Erfolgsmodell bezeichnet werden müssten.
Simon Tschendlik – neu alleiniger Chef – sagt auf Anfrage, dass er die Personalabgänge bedauere. «Die aktuelle Phase ist für alle Beteiligten anspruchsvoll, und wir bedauern personelle Veränderungen ausdrücklich. Unser Fokus liegt jetzt darauf, den Betrieb zu stabilisieren, für die Gemeinden verlässlich zu arbeiten und intern wieder Ruhe und Orientierung zu schaffen.»
Tschendlik bezeichnet den Betrieb, wie er seit 2021 besteht, wie Sutter als Erfolgsmodell. «Wir verzeichnen einen Umsatz von mehreren Millionen Franken; weniger als ein Viertel davon kommt dabei aus dem eigentlichen Holzertrag.» Standbeine des Unternehmens, die zum Erfolg beitragen, seien unter anderem diverse Holzprodukte, das forstliche Bauwesen, Naturschutzprojekte, Baumpflege, Privatwald-Dienstleistungen und das Anbieten von Walderlebnissen sowie Partnerschaften im Umfeld des Forstes.

