Tag der offenen Ausgrabung beim «Weiherhaus»
Die Archäologie Baselland zeigte ihre Fundstelle in Gelterkinden am «Tag der offenen Ausgrabung». Das Interesse der Bevölkerung an den Mauern und Objekten des einstigen adligen Weiherhauses war sehr gross.
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Tag der offenen Ausgrabung beim «Weiherhaus»
Die Archäologie Baselland zeigte ihre Fundstelle in Gelterkinden am «Tag der offenen Ausgrabung». Das Interesse der Bevölkerung an den Mauern und Objekten des einstigen adligen Weiherhauses war sehr gross.
Barbara Saladin
«Sind viele Sachen kaputt gegangen, als Sie sie aus der Erde holten?», wollte ein Mädchen wissen. Sie war eine von rund 200 Interessierten, die am vergangenen Samstag an die Rünenbergerstrasse in Gelterkinden gekommen waren, um am «Tag der offenen Ausgrabung» mehr über das adlige Weiherhaus zu erfahren, dessen Mauern in den vergangenen Monaten freigelegt worden waren (siehe «Volksstimme» vom 27. Januar, Seite 4). Nein, es sei nichts mehr kaputt gegangen, aber vieles sei halt bereits zerstört gewesen, nach ungefähr 600 Jahren im Boden, erklärte Kantonsarchäologe Reto Marti, der gemeinsam mit dem Grabungsleiter Jan von Wartburg einen Einblick in die archäologische Arbeit gewährte.
Jung und Alt waren gekommen, ausgestattet mit Gummistiefeln und Wanderschuhen, denn auf gutes Schuhwerk war bereits im Vorfeld hingewiesen worden. Und es war auch nötig, denn beim Gang durch die Ausgrabungsstätte während der Führung bildeten sich gefühlt kiloschwere Lehmklumpen unter den Sohlen, während Jan von Wartburg das eindrückliche Mauerwerk des ehemaligen Adelssitzes zeigte.
Dieser war mutmasslich von den Herren von Gelterkinden bewohnt worden, nachdem die rund 2 Kilometer südöstlich gelegene Burg Scheidegg einem Brand zum Opfer gefallen war – ein Schicksal, das gemäss den gefundenen Spuren auch das Weiherhaus später ereilen sollte.
Burg mit Wassergräben
Kantonsarchäologe Reto Marti unterstrich gegenüber der «Volksstimme» die grosse Bedeutung des Funds. «Das Weiherhaus ist eigentlich auch eine Burg, die einfach nicht auf einem Hügel stand, sondern von Wassergräben geschützt war. Doch während man bei den Schlössern von Binningen, Bottmingen oder Pratteln aufgrund der jahrhundertelangen Umbauten und Erweiterungen heute nicht mehr sagen kann, wie sie im Mittelalter einmal ausgesehen haben, liegt hier quasi eine Urform vor, ein seltener Originalzustand dieser damaligen Weiherhäuser. Darum ist es so spannend.»
Das Weiherhaus zu Gelterkinden war bisher bloss eine unsichere Überlieferung aus dem 16. Jahrhundert und von ersten Funden im Jahr 2021, aber nun ist es gefunden, und der Beweis liegt quasi unter den Füssen.
An der Ausgrabungsstätte sind auch verschiedene Objekte geborgen worden, die zum Teil am Samstag ausgestellt wurden, darunter etwa reich verzierte Ofenkacheln, Keramikscherben von Kochtöpfen oder die eiserne Klinge einer Axt.
Tiefgarage statt Adelssitz
Nun hat das Grabungsteam noch einige Wochen Zeit, danach wird die Baustelle freigegeben. Wo einst das adelige Weiherhaus lag, werden Mehrfamilienhäuser mit Tiefgarage entstehen, während die gesicherten Fundstücke in aller Ruhe von der Archäologie analysiert werden können.
Dass der «Tag der offenen Ausgrabung» mit seinen Führungen auf so grosses Interesse stiess, hätte der Kantonsarchäologe Reto Marti nicht erwartet, umso mehr freute er sich darüber: «Wir machen Archäologie schliesslich nicht für uns selber, sondern für die Gesellschaft.» Gelterkinden sei halt noch ein intakter Ort mit einer existierenden Ortsgemeinschaft und einem Bewusstsein für die eigene Geschichte.