Wissenschaftler wollen mit Atomenergie experimentieren
Nuklearforschung ist in der Schweiz trotz beschlossenem Atomausstieg erlaubt. Ein geplantes Versuchsprojekt in der Nähe des Baselbiets stört Politikerinnen und Politiker der SP. Sie sind aktiv geworden.
Janis ...
Wissenschaftler wollen mit Atomenergie experimentieren
Nuklearforschung ist in der Schweiz trotz beschlossenem Atomausstieg erlaubt. Ein geplantes Versuchsprojekt in der Nähe des Baselbiets stört Politikerinnen und Politiker der SP. Sie sind aktiv geworden.
Janis Erne
Im Paul-Scherrer-Institut (PSI) im aargauischen Villigen – nur rund 20 Kilometer von der Baselbieter Kantonsgrenze entfernt – soll ab 2026 ein kleiner Atomreaktor der dänischen Firma Copenhagen Atomics getestet werden. Kein gewöhnlicher mit Brennstäben, sondern einer, der mit Flüssigsalz funktioniert und etwa die Grösse eines standardmässigen Frachtcontainers hat. Der Vorteil dieses Reaktortyps: Eine Kernschmelze ist laut Wissenschaftlern so gut wie ausgeschlossen.
Doch es gibt politische Kritik an dem Vorhaben. Die SP-Mitglieder Thomas Noack (Baselland) und Lisa Mathys (Basel-Stadt) haben in den Parlamenten beider Basel gleichlautende Vorstösse eingereicht. Die Basler SP-Nationalrätin Sarah Wyss hat zudem Fragen an den Bundesrat gestellt. Die drei Sozialdemokraten erkundigen sich nach der Sicherheit des Tests im PSI und danach, wer die Kosten und die Verantwortung übernimmt.
Regierung soll sich positionieren
Thomas Noack schreibt in seiner Interpellation: «Es scheint, dass der Reaktor am PSI ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen erstellt werden soll.» Der Bubendörfer hegt Zweifel, ob der Schutz für Mensch und Umwelt vor Radioaktivität sichergestellt ist. Ihm missfällt zudem, dass «erhebliche Kosten für die sicherheitsrelevanten Dokumentationen und Tests auf die Schweizer Behörden überwälzt werden».
Noack will vom Regierungsrat unter anderem wissen, wie er zum Forschungsprojekt steht und ob er sich dagegen zur Wehr setzen will. Denn die Baselbieter Verfassung schreibt vor, dass der Kanton darauf hinwirkt, «dass auf dem Kantonsgebiet oder in dessen Nachbarschaft keine Atomkraftwerke nach dem Prinzip der Kernspaltung, keine Aufbereitungsanlagen für Kernbrennstoffe und keine Lagerstätten für mittel- und hochradioaktive Rückstände errichtet werden». Wann Noacks Vorstoss im Landrat traktandiert wird, ist noch offen.
Ein Vertreter des PSI verweist in einem Beitrag der «NZZ» auf das geringe Risiko und die hohen Sicherheitsanforderungen des Projekts, das noch vom Bund genehmigt werden muss. In der Schweiz ist der Bau neuer Atomkraftwerke verboten. Die Nuklearforschung und der Bau von Versuchsreaktoren sind jedoch erlaubt. Die Schweiz ist Teil verschiedener europäischer Forschungsprogramme. Der Reaktor, der am PSI getestet werden soll, könnte wohl frühestens in den späten 2030er-Jahren kommerziell genutzt werden. Mehrere Module sollen dabei zusammen eingesetzt werden.