Sozial-Politikerin mit bewusster Bodenhaftung
06.03.2026 Schweiz, BaselbietDie Münchensteinerin Miriam Locher rückt in den Nationalrat nach
Nach dem angekündigten Rücktritt von SP-Nationalrat Eric Nussbaumer per Ende April beginnt für seine Nachfolgerin Miriam Locher die intensive Phase der Vorbereitung auf das neue Amt in Bundesbern. ...
Die Münchensteinerin Miriam Locher rückt in den Nationalrat nach
Nach dem angekündigten Rücktritt von SP-Nationalrat Eric Nussbaumer per Ende April beginnt für seine Nachfolgerin Miriam Locher die intensive Phase der Vorbereitung auf das neue Amt in Bundesbern. Die 43-jährige Münchensteinerin möchte gleich von Beginn weg aktiv auftreten.
Tobias Gfeller
Miriam Locher ist bereit. Seit den National- und Ständeratswahlen im Herbst 2023 weiss sie, dass ihr Weg mit grosser Wahrscheinlichkeit in die eidgenössische Politik führen wird. Als Drittplatzierte auf der Liste der SP und mit dem vermuteten vorzeitigen Rücktritt von Urgestein Eric Nussbaumer war klar, dass die Münchensteinerin nach zwölf Jahren im Landrat in den Nationalrat nachrücken wird. Am 27. April wird sie im Rahmen der angesetzten Sondersession unter der Bundeshauskuppel das Gelübde ablegen.
Locher hat die Politik der Baselbieter Sozialdemokraten in den vergangenen Jahren in verschiedenen Rollen mitgeprägt. Bereits zwei Jahre nach ihrem Nachrücken in den Landrat 2014 übernahm sie das Fraktionspräsidium. Von 2020 bis 2024 führte sie die Kantonalpartei als Präsidentin. In beiden Rollen erarbeitete sich die 43-Jährige einen gut gefüllten Rucksack an Erfahrungen und Wissen über den Kanton.
«Ich kenne die Bedürfnisse der Agglomeration, in der ich aufgewachsen bin und noch immer lebe, aber auch der ländlichen Gebiete im Oberbaselbiet und im Laufental.» Miriam Locher hat früh Verantwortung übernommen. «Das begann schon in der Primarschule als Klassensprecherin», sagt sie mit einem Augenzwinkern.
Französisch gelernt
Der Einzug in den Nationalrat ist für die leidenschaftliche Parlamentspolitikerin der logische nächste Schritt in ihrer politischen Laufbahn. Im kürzlich stattgefundenen Austausch mit Samira Marti, Baselbieter Nationalrätin und Co-Fraktionschefin der SP, konnte sich Miriam Locher auf die ersten Tage in Bundesbern vorbereiten. Inhaltlich hat sie den Ratsbetrieb seit den letzten Wahlen intensiv verfolgt, um jederzeit für das Nachrücken bereit zu sein. Auch habe sie ihr Französisch aufgefrischt und bestehende Kontakte intensiviert sowie neue geknüpft.
Ihren Beruf als Kindergärtnerin möchte Locher in reduzierter Form weiterführen, auch um am Puls der Menschen zu bleiben. «Mir ist es wichtig, nicht nur im Politik-Kosmos unterwegs zu sein, sondern im Alltag der Leute, um deren Bedürfnisse, Sorgen und Nöte zu kennen.» Sie will andere Perspektiven kennen und dadurch einnehmen können.
Ein neues Amt in Bundesbern bedeutet für Politikerinnen und Politiker stets den Beginn eines neuen Lebensabschnitts. Vier Sessionen à drei Wochen im National- und Ständerat, mögliche Sondersessionen, Kommissionssitzungen dazwischen, das Studieren von deutlich umfassenderen Aktenbergen, mehr mediale Präsenz, stetige Beobachtung durch die Öffentlichkeit, ein noch härterer Umgangston und ganz allgemein die Abkehr vom Gewohnten in der Heimatregion – Miriam Locher freut sich auf die neue Aufgabe, hat aber auch viel Respekt davor. Der Lokalpolitik in ihrer Heimatgemeinde Münchenstein möchte sie verbunden bleiben. Dafür verbleibt sie vorerst in der Gemeindekommission, um die Themen in ihrer nächsten Umgebung weiterhin mitzubekommen und mitgestalten zu können.
Welche Themen neben den bekannten grossen Brocken EU, Armee, Verkehr und Bundesfinanzen im Nationalrat konkret auf sie persönlich zukommen werden, weiss Locher noch nicht. Die Kommissionssitze werden erst Mitte März zugeteilt. Die Bildungspolitik, eines ihrer Steckenpferde auf kantonaler und kommunaler Ebene, hat auf eidgenössischer Ebene weniger Relevanz. Sie wolle und könne sich in jedes Thema einarbeiten, versichert Locher. «Das musste ich auch als Fraktions- und Parteipräsidentin.»
Ihren klassischen Anliegen – soziale Themen, Gleichstellung, Kaufkraft, ganz allgemein die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft – werde sie als Nationalrätin treu bleiben. Dafür wolle sie gleich zu Beginn Akzente setzen. «Ich bin nicht gewählt worden, um zuerst nur zu beobachten. Wenn es das Thema und der Moment hergeben, werde ich bereits in der Sondersession das Wort ergreifen.»
Miriam Locher hat eineinhalb Jahre lang Zeit, um sich als Nationalrätin einen Namen zu machen und bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst 2027 wirklich vom «Bisherigen-Bonus» profitieren zu können. Wichtig werde sein, frühzeitig möglichst viele Kontakte zu knüpfen, um sich in Bundesbern ein Netzwerk aufzubauen. Dabei helfe ihr der Beruf als Kindergärtnerin, bei dem sie mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommt. Auch müsse sie im Beruf anpassungsfähig sein. «Das lässt sich auch auf meine politische Arbeit übertragen.»
Allianzen schmieden
Miriam Locher wurde nicht klassisch am Küchentisch politisiert, wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen jeweils stolz erzählen. «In meiner Kindheit und Jugend war in der Familie niemand politisch aktiv. Wir haben jedoch viel über Werte gesprochen, die mir bis heute wichtig sind.» Mit ihrer kommunikativen und offenen Art schaffte sie es öfter, Vorstösse im Landrat mit Hilfe von Bürgerlichen durchzubringen. Damit möchte sie auch im Nationalrat punkten.
Scheuklappen kennt Locher keine, auch wenn sie politisch einen klaren Wertekompass verfolgt. Unter anderem gilt die 43-Jährige als einer der Köpfe hinter der Kita-Initiative der SP Baselland, für die in Rekordtempo die nötigen Unterschriften zusammengekommen sind. Als Nationalrätin möchte sich Locher für den Kanton Baselland und die Region Basel mit ihrer speziellen Rolle und den damit verbundenen Herausforderungen im Dreiländereck einsetzen.
Privat verbringt Locher am liebsten Zeit mit ihrer Familie sowie Freundinnen und Freunden, zu denen längst auch politische Weggefährten aus Münchenstein und dem Landrat gehören. Neben dem Lesen von Krimis – am liebsten solchen mit einer Prise Humor aus Skandinavien – besucht Locher regelmässig die Heimspiele des FC Basel. Wie sehr sich die neue Aufgabe in Bundesbern auf ihre Hobbys auswirken wird, kann die designierte Nationalrätin noch nicht abschätzen. Gerade die erste Phase wird mit Sicherheit intensiv sein. Dafür sei sie gewappnet, sagt die Sozialdemokratin überzeugt.


