So eine Schnepfe
12.06.2026 PersönlichWenn ich den Leuten erzählt habe, dass ich mit einem Kollegen auf Schnepfensuche gehe, haben fast ausnahmslos alle gemeint, sie kennten einige, es habe hier viele davon. «Aber nicht im Wald», habe ich jeweils geantwortet.
Es ging nämlich um die Waldschnepfe, einen ...
Wenn ich den Leuten erzählt habe, dass ich mit einem Kollegen auf Schnepfensuche gehe, haben fast ausnahmslos alle gemeint, sie kennten einige, es habe hier viele davon. «Aber nicht im Wald», habe ich jeweils geantwortet.
Es ging nämlich um die Waldschnepfe, einen Vogel, der zu den Limikolen gehört. Gemäss dem «Atlas der Brutvögel der Schweiz» (2013–2016) kommt dieser Watvogel kaum mehr vor im Baselbiet. Weil nun aber dieser Atlas nicht mehr aktuell ist, startete die Vogelwarte die «Waldschnepfensuche Basel-Landschaft 2026».
Als Vogelliebhaber haben wir uns zu zweit vom Natur- und Vogelschutzverein gemeldet, die drei definierten Punkte auf Gelterkinder Boden zu übernehmen. Diese wurden anhand von Luftbildern nach verschiedenen Kriterien definiert. Alle drei befinden sich auf dem Gelterkinder Berg.
Unsere Aufgabe bestand darin, ab Sonnenuntergang vor Ort zu sein und eine Stunde lang aufmerksam zu lauschen. Wir hatten beide noch nie einen solchen Vogel in natura gehört und führten uns verschiedene Soundtracks zu Gemüte. Beim ersten Mal Zuhören hat man das Gefühl, die Aufnahme stamme wohl von einem Froschweiher, aber der Vogel macht diese Geräusche selbst.
Es ist das sogenannte «Quorren», das von einem hochfrequenten Pfiff, «Puitzen» genannt, gefolgt wird. In einem Vogelbuch habe ich auch die folgende Beschreibung gelesen: «3–4 gedämpft grunzende Töne, gefolgt von einem hohen, kurzen, explosiven Laut, etwa 300 m weit hörbar.» Nun: Wir haben an keinem der drei Orte den gesuchten Vogel gehört, aber ein gedämpftes Grunzen vernahm ich schon beim letzten Ansitzen.
Allerdings handelte es sich bei den Verursachern um Wildschweine, die ich fünfmal von meinem Platz aus beobachten konnte. Ein tolles Ergebnis, wenn auch nicht das erhoffte. Überhaupt: So eine Stunde im Wald sitzen, die Sonne untergehen sehen, dem Vogelgesang lauschen, bis er mit der Zeit ganz verstummt, ist ein spezielles Erlebnis. Die Vögel konzertieren viel länger, als man erwarten würde. Besonders Amseln, Singdrosseln und Rotkehlchen gehen offenbar sehr spät zu Bett. Am «Walderläbnis»-Anlass vor 14 Tagen begleitete eine Singdrossel den Lagerfeuerchor bis weit nach zehn Uhr nachts. Und der Variantenreichtum dieses Vogels ist absolut erstaunlich. «Die, wo alles zwöimol säit», so beschrieb sie der Vögelipeter selig, und so ist es genau. Jedenfalls haben wir beide trotz allem nicht das Gefühl gehabt, unser Einsatz sei für nichts gewesen.
Auch ausserhalb des Waldes geht im Moment viel in der Vogelwelt. Ich sitze oft in unserer Stube und schaue aus dem Eckfenster in unsere Bäume. Oben links wohnt der Gartenrotschwanz, oben rechts die Blaumeise und unten links die Kohlmeise. Alle Kästen schön einsehbar von meinem Zeitungsleseplatz aus. Bei den ersteren beiden ist die Jungmannschaft schon ausgeflogen, die Kohlmeisen füttern noch fleissig, aber aus dem Gezwitscher im Kasten zu schliessen, dürfte der Zeitpunkt des Nestverlassens unmittelbar bevorstehen.
Auf weitere interessante Beobachtungen!
Kuri Wirz, Gelterkinder von Geburt und aus Passion

